Darum gehts
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Ginge es nach dem Willen von Wladimir Putin (73), soll der anstehende Winter der letzte werden, den die Ukraine als eigenständiges Land erlebt. Der Kriegsverbrecher im Kreml setzt gerade alle Hebel in Gang, um das Nachbarland noch vor Jahresende endgültig in die Knie zu zwingen.
Dass ihm das mit konventionellen militärischen Mitteln nicht gelingt, zeigt die Situation an der Front. Putin hat im September laut der ukrainischen Seite 46'230 Soldaten verloren (Tote und Verletzte) und dabei sogar noch Gelände eingebüsst. Weils an der Front nicht läuft, greift der Kreml jetzt auf drei andere Mittel zurück, um seine Kriegsziele zu erreichen. Eines brutaler als das andere. Auch wir würden sie massiv zu spüren bekommen.
1. Die Diesel-Erpressung
Am Donnerstag hat Putin verkündet, dass Russland – trotz der ukrainischen Angriffe auf seine Energieinfrastruktur noch immer der zweitgrösste Öl-Exporteur nach den USA – keinen Diesel mehr ins Ausland liefern werde, bis die westlichen Sanktionen aufgehoben sind. Die Massnahme gilt explizit auch für Länder und Regionen etwa in Asien und Afrika, die bislang nicht vom Diesel- und Benzin-Exportstopp betroffen waren.
Halb so schlimm, könnte man meinen. Europa kauft schliesslich seit 2023 keine russischen Erdölprodukte mehr ein. Doch die neue Situation zwingt auch riesige Länder wie Indien, sich bei alternativen Lieferanten umzuschauen und damit mit uns Europäern zu konkurrieren.
Heisst konkret: Der Sprit wird noch teurer, insbesondere Diesel. Anfang Jahr lagen die Durchschnittspreise in der Schweiz noch bei 1.75 Franken. Jetzt sind sie bei 2.46 Franken. Hart für private Autofahrer, eine Katastrophe für Logistikunternehmen. Das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung schreibt, die Versorgung sei sichergestellt, die Lage mit Blick auf Diesel aber «sehr angespannt». Am Freitag gaben die G7-Staaten bekannt, bis zu 100 Millionen Barrel Diesel aus strategischen Reserven freizugeben.
Trotzdem ist Putins Kalkül klar: Er will Europa wirtschaftlich leiden lassen, bis es seine Ukraine-Unterstützung herunterfährt. Dass die USA unter Donald Trump (80) ebenfalls laut über Diesel-Exportverbote nachdenken und die Chinesen ihre Raffinerien nicht allzu rasch hochfahren wollen, macht die Lage für Europa noch brenzliger.
2. Die neue Nuklear-Drohung
Mit seinen Atombomben provoziert Russland, seit es die zerstörerischen Dinger 1949 erstmals erfolgreich gebaut hat. So explizit wie jetzt waren die nuklearen Drohungen gegen Europa aus dem Kreml aber noch nie – wenn man mal vom dummen Dauergeschwätz des Putin-Scharfmachers und Ex-Präsidenten Dmitri Medwedew (61) absieht.
Putin hat am Mittwoch deutlich gemacht, Russland sei zum Einsatz «aller Waffen» bereit, explizit auch seines nuklearen Arsenals, wenn jemand das Land angreife. Natürlich hat das niemand vor. Doch Putin ist ein Meister darin, die Weltlage zu seinen Gunsten umzuinterpretieren. So kreiert der Kreml derzeit eine künstliche Bedrohungslage aus den noch bis Samstag laufenden Evakuationsübungen in Litauen und Polen.
Die beiden Länder üben gerade, wie man im Falle eines russischen Angriffs die baltische Bevölkerung durch die sogenannte Suwalki-Lücke nach Polen evakuieren könnte. Polen und Litauen teilen sich eine nur 20 Kilometer lange Grenze, eingepfercht zwischen dem russischen Kaliningrad und Belarus. Putin beschreibt die Übung als westliche Bemühung, Kaliningrad von der Versorgung abzuschneiden.
In dieser (bewussten) Fehlinterpretation der gegnerischen Handlung liegt laut der US-Denkfabrik RAND derzeit das grösste Risiko einer nuklearen Eskalation. Viele Kommunikationskanäle zwischen Moskau und dem Westen sind versiegt. Viele Waffen, die in Russlands Krieg und bei Nato-Übungen zum Einsatz kommen, könnten theoretisch auch nuklear bestückt sein, ohne dass man ihnen das aus der Distanz ansieht. Die Konsequenzen einer Fehleinschätzung wären katastrophal.
3. Die blitzschnellen Terrordrohnen
Seit wenigen Tagen setzt Russland seine neue Geran-5-Drohne massenhaft gegen ukrainische Ziele ein. Das 6 Meter lange Killerteil mit Strahltriebwerk (ähnlich wie ein Kampfjet) fliegt bis zu 600 Stundenkilometer schnell. Nur rund die Hälfte der neuen Killer – einer russischen Weiterentwicklung der iranischen Shahed-Drohnen – konnten die Ukrainer in den vergangenen Tagen stoppen.
Rund 3000 dieser blitzschnellen Killerdrohnen will Russland monatlich bauen. Umgerechnet 12 Milliarden US-Dollar hat Moskau dafür für kommendes Jahr zur Seite gelegt. Die Ukraine rechnet damit, dass die neuen Drohnen zusammen mit allen möglichen Raketen in den kommenden Tagen zu einem nie dagewesenen Grossangriff auf ihre Energieinfrastruktur verwendet werden.
Bis zu 1000 Geschosse auf einmal sollen Grossstädte wie Kiew und Odessa treffen und noch vor Winteranbruch faktisch unbewohnbar machen, verrieten ukrainische Militärkreise der «New York Times». Es wäre ein Terroranschlag von nie dagewesenem Ausmass. Wie ihn die Zivilbevölkerung im geschundenen Land verkraften soll: schwer zu sagen.
Fazit: Putin geht aufs Ganze – auch wenn oder gerade weil er sieht, wie schlecht es für seine Armee an der Front läuft. Per Dekret hat er Anfang Woche festgelegt, dass die russische Armee um Hunderttausende Soldaten auf insgesamt mehr als 2,4 Millionen Kämpfer anwachsen soll. 2027 will er 202 Milliarden Dollar in seine Truppen investieren, gut ein Viertel mehr als noch im laufenden Jahr. Verhandeln? Den Terror beenden? Diese Option kommt auch viereinhalb Jahre nach Kriegsausbruch in keinem der Kremlpläne vor.