Darum gehts
- Elon Musk und Alice Weidel treffen sich zum X-Talk heute Abend
- Musk bezeichnet AfD als letzten Funken Hoffnung für Deutschland
- Musks Vermögen wird auf 415 Milliarden Dollar geschätzt
Am Donnerstag um 19 Uhr treffen zwei der umstrittensten Persönlichkeiten aufeinander: Elon Musk (53), der reichste Mann und Berater des künftigen US-Präsidenten Donald Trump (78), hat die deutsche AfD-Kanzlerkandidatin Alice Weidel (45) zum Talk auf seiner Plattform X eingeladen.
Wie heiss das Gespräch wird, lässt ein Interview mit Weidel von dieser Woche im «The American Conservative» erahnen. Darin bezeichnete sie Deutschland als «Sklaven der USA» und bezichtigte die CDU im Hinblick auf den Ukrainekrieg der «militärischen Inkompetenz».
Musk hat das Online-Treffen, das wohl unter missgünstiger Beobachtung diverser EU-Politiker steht, vollmundig angekündigt. «Sie werden Ihren Verstand verlieren», verspricht er dem Publikum. Dass er gerade mit Alice Weidel anbandelt, hat seine guten Gründe.
Die beiden bewundern einander. Musk hat sich mehrmals positiv über Weidel geäussert und die AfD als den «letzten Funken Hoffnung für Deutschland» bezeichnet. Weidel wiederum nannte Musk «Kampfgefährten» in der Verteidigung gegen die linke Meinungsdominanz. So dürften die zentralen Themen des Talks die bevorstehenden Bundestagswahlen, die Vorstellungen der AfD für Deutschland und die Meinungsfreiheit sein.
Weg vom rechten Rand
Die beiden dürften auch darauf abzielen, die AfD vom Label «rechtsextrem» wegzuziehen und ihr einen Normalo-Stempel zu verpassen. In einem Beitrag in der «Welt» charakterisierte Musk die ideologische Ausrichtung der Partei als weit entfernt von extremen Positionen.
Dass Musk, dessen Vermögen auf 415 Milliarden Dollar geschätzt wird, sich mit Weidel einlässt, hat aber nicht nur einen freundschaftlichen Grund. Der Geschäftsmann will auch profitieren. Experten erklären wie und warum.
Schwächung der EU
Musk liegt sich mit der EU in den Haaren. Philipp Adorf (40), USA-Experte an der Uni Bonn, sagt gegenüber Blick: «Er sucht daher nach politischen Verbündeten auf dieser Seite des Atlantiks.»
Die EU-Kommission hat gegen X eine Untersuchung wegen möglicher Einflussnahme auf die Bundestagswahlen vom 23. Februar eingeleitet. Es geht um die algorithmische Bevorzugung von gewissen Themen und die Verbreitung von Desinformation.
Zu Musks Zielen gehöre auch «Chaos anrichten und Unregierbarkeit herbeiführen», um Deutschland und die EU zu schwächen. Das sagt Thomas Jäger (64), Professor für Internationale Politik und Aussenpolitik an der Universität zu Köln. Jäger erklärt: «Musk weiss, dass Weidel keine Chance auf die Kanzlerschaft oder Regierungsbeteiligung hat. Doch je stärker die AfD wird, desto schwieriger werden die Regierungskoalitionen zu bilden sein.»
X als Polit-Plattform
Musk will seinen 2022 für 44 Milliarden Dollar gekauften Kanal als Plattform für uneingeschränkte Meinungsfreiheit etablieren. Philipp Adorf: «Durch die Einladung von Politikern wie Alice Weidel möchte Musk X als zentralen Ort für politische Debatten positionieren, ein Forum für Diskussionen, die man anderswo nicht findet.»
Anti-Woke
Laut Adorf will Musk einen «globalen anti-woken Diskurs» fördern, der rechtspopulistische Parteien stärkt. «Musk zeigt eine stetig wachsende Affinität für populistische Akteure wie Donald Trump oder eben Alice Weidel.»
Profit
Je weniger Regulierungen, desto besser für den Unternehmer Musk. Daher kämpft der Multimilliardär für Freiheit. Thomas Jäger: «Musk ist nicht nur als Unternehmer ein Revolutionär, sondern möchte das auch politisch sein. Sein politisches Ziel ist der Umsturz der Ordnung, sodass die Schwerreichen von ihren Restriktionen befreit werden.»
Blick wird während des Gesprächs ab 19 Uhr live tickern – und direkt danach eine Analyse liefern.