In Doha, der Hauptstadt Katars, hat es mehrere Explosionen gegeben. Israels Armee hat eigenen Angaben zufolge die Führungsspitze der Hamas Katar angegriffen. «Jahrelang leiteten diese Mitglieder der Hamas-Führung die Operationen der Terrororganisation, sind direkt für das brutale Massaker vom 7. Oktober verantwortlich und orchestrierten und steuerten den Krieg gegen den Staat Israel», teilte das israelische Militär mit.
Zuvor hatte Axios-Reporter Barak Ravid unter Berufung auf israelische Beamte auf X geschrieben, es handele um einen Anschlag auf Hamas-Funktionäre.
Trump soll «grünes Licht» für Angriff gegeben haben
Wie mehrere Medien übereinstimmend berichten, habe sich der Angriff gegen Teilnehmer einer Waffenstillstandsverhandlung der Hamas in Gaza gerichtet.
Offenbar war der Angriff mit den USA koordiniert worden. Wie der Sender Channel 12 unter Berufung auf einen hochrangigen israelischen Beamten berichtet, habe US-Präsident Donald Trump «grünes Licht» für den Angriff gegeben.
Zuvor hatte bereits Trump eine «letzte Warnung» an die Hamas ausgesprochen, um eine diplomatische Lösung zu erzwingen. Israel habe seine Bedingungen akzeptiert, es sei an der Zeit, dass auch die Hamas sie akzeptiere, schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social.
Die Hamas zeigte sich daraufhin zu «sofortigen Verhandlungen» bereit. Man begrüsse «jeden Schritt, der dazu beiträgt, die Aggression gegen unser Volk zu beenden». Offenbar sprachen die Verhandlungsteilnehmer am Dienstag über Trumps Waffenstillstandsvorschlag. Das berichten jedenfalls mehrere Medien.
Keine Bestätigung für Tod von Hamas-Funktionären
Israelischen Medienberichten zufolge soll der Gaza-Chef Khalil al-Hayya eines der Ziele gewesen sein. Sky News Arabia berichtet unter Berufung auf israelische Quellen, dass der Angriff, neben al-Hayya, auch den hochrangigen Hamas-Mitgliedern Zaher Jabarin und Khaled Meshaal gegolten habe.
Al-Hayya ist der höchste Hamas-Führer im Ausland, der auch die Hamas-Delegation bei den indirekten Verhandlungen mit Israel um eine Waffenruhe leitet. Al-Hayya hielt sich die meiste Zeit in Katar auf. Andere höhere Hamas-Funktionäre im Ausland leben ebenfalls zumeist in Katar oder in der Türkei.
Palästinensische Medien widersprechen indes den Angaben. Demnach seien zwei Menschen getötet worden, nicht aber höhere Hamas-Funktionäre. Eine Bestätigung für den Tod al-Hayya oder anderer Hamas-Funktionäre gab es zunächst nicht.
Rauchwolke und zerstörtes Gebäude
Nach der Explosion in der katarischen Hauptstadt war eine grosse Rauchwolke zu sehen, wie die Fernsehsender Al-Arabija und Al-Dschasira berichteten. Die katarische Nachrichtenseite Doha News zeigte ein zerstörtes Gebäude, vor dem ein schwarzer Geländewagen steht.
Katar vermittelt zusammen mit Ägypten und den USA im Gaza-Krieg zwischen Israel und der Hamas. Zuletzt gab es aber auch immer wieder Kritik am Emirat, weil es die Hamas über dubiose Vereine finanzierte.
Katar gehört gar zu den grössten Unterstützern der Hamas. So bestätigte der Golfstaat im Jahr 2012 eine Zahlung über 400 Millionen Dollar. 2014 zahlte Katar die Gehälter für Zehntausende Angestellte im öffentlichen Dienst im Gazastreifen, weil die Hamas nicht mehr zahlen konnte.
Hamas erhält viel Geld aus Katar
Nach den Unruhen der arabischen Aufstände in der Region eröffnete die Hamas 2012 ein politisches Büro in Katar. Schon vorher war aus dem Golfemirat viel Geld an die Hamas geflossen, die 2007 die Macht im Gazastreifen übernommen hatte. Nach dem Terrorangriff der Hamas vom 7. Oktober 2023 auf Israel wurden Forderungen an die Regierung Katars lauter, das Büro zu schliessen.
Der israelische Generalstabschef Ejal Zamir hatte vor zehn Tagen Angriffe auf Hamas-Führer im Ausland angedroht. «Mit unseren Aktionen sind wir noch nicht fertig», sagte er nach einem Angriff auf den Hamas-Sprecher Abu Obaida. «Die meisten Hamas-Führer sind im Ausland, und wir werden auch zu ihnen vordringen.»