Darum gehts
- Der fünfjährige Allen Ganao verschwand vom Campingplatz und wurde nach intensiver Suche gefunden
- Mutter Barbara schildert emotionales Wiedersehen, Junge verlangte sofort nach Lieblingsguetzli
- Über 100 Helfer suchten 48 Stunden
Es sollten entspannte Ferien auf dem Campingplatz «Por la mar» in Ventimiglia (I) an der ligurischen Küste werden. Doch plötzlich war Allen Ganao (5) weg. Verschwunden. Der Kindergärtler war für knapp zwei Tage wie vom Erdboden verschluckt. Die Suchaktion nach ihm lief von Freitag bis Sonntag auf Hochtouren: Mehrere Dutzend Polizisten, Feuerwehrleute und Freiwillige waren im Einsatz. Die Hoffnung nach einem Wiedersehen war fast erloschen – bis man ihn fand.
Die Familie ist erleichtert – und wie. Das Mami von Allen hat die Kraft gefunden, um über das erste Wiedersehen mit ihrem Sohn zu sprechen. «Wir verloren die Hoffnung. Dann riefen sie mir zu, dass sie ihn gefunden hatten, und ich rannte, so schnell ich konnte, mit Freudentränen im Gesicht», sagt Barbara Sadural Ganao zur Zeitung «La Repubblica». Sie habe Allen fest umarmt. «Sein erstes Wort war ‹Oreo›: Das sind seine Lieblingsguetzli; man konnte sehen, dass er grossen Hunger hatte.»
«Er ist ein neugieriges Kind»
Sein Zustand war überraschend gut. Er hatte ein paar Kratzer an den Beinen und Armen und war dehydriert. Aktuell sei er im naheliegenden Spital untergebracht. Er habe schon dort seine Lieblingsguetzli zu essen bekommen.
Wie lange er noch im Spital bleiben werde, weiss die Mutter nicht. Bis zu diesem dramatischen Zwischenfall sei Allen noch nie verschwunden, «aber er ist ein neugieriges Kind und erkundet gern die Gegend».
Der Suchtrupp, der sogar Wärmebildkameras organisierte, setzte sich innert kürzester Zeit zusammen. Die überragende Unterstützung rührte die ursprünglich philippinische Familie zutiefst. «Wir sind unglaublich dankbar. Ich hätte mir eine solche Mobilisierung nie vorstellen können», erzählt sie im Interview mit «La Repubblica» weiter.
«Da merkten wir, dass er weg war»
Wie Allen überhaupt verschwinden konnte, kann sich das Mami auch nicht erklären. «Wir hatten ein Zelt aufgebaut, und er ging hinein zum Spielen, während wir uns um das andere kümmerten. Dann schnappte sich meine ältere Tochter das Insektenspray, und ich sagte ihr, sie solle ihn auch einsprühen. Da merkten wir, dass er weg war.» Da war es dann schon zu spät. Und ein Wettlauf gegen die Zeit begann.
Wie der «Corriere Torino» schreibt, ist beim Jungen eine Autismus-Spektrum-Störung diagnostiziert. Oftmals erkennen Betroffene nicht, dass sie sich in einer Notsituation befinden, und neigen deswegen dazu, sich vor Helfern sogar zu verstecken.
«Das Kind lag zusammengerollt zwischen Brombeeren und Unkraut»
Schlussendlich wurde der Junge mit den grünen Hosen und dem weissen T-Shirt auf einem Hügel rund drei Kilometer von seinem letzten Sichtungsort entdeckt. Gefunden hat ihn der freiwillige Zivilschützer Dario Mattiauda. Gegenüber dem Sender Imperia Post TV erzählte er: «Das Kind lag zusammengerollt zwischen Brombeeren und Unkraut. Regungslos. Er sagte nichts. Er rührte sich auch nicht, ich dachte, er wäre tot.»
Doch zum Glück irrte sich der ehrenamtliche Helfer. Der Junge bewegte sich. Mattiauda habe selbst sehr gezittert in diesem Moment. Aus Mitgefühl, da er auch Vater sei, wie er erklärt.