Darum gehts
- Russland setzt neue Superdrohne Geran-5 für Angriffe in Kiew ein
- Die Drohne fliegt 600 km/h, erreicht 6000 Meter Flughöhe, zerstört gezielt
- Am Montag töteten russische Drohnen mindestens 9 Menschen, 80 verletzt
Ruhe am Tag, Horror in der Nacht: Das war bis vor kurzem der Alltag in der ukrainischen Hauptstadt. Jetzt aber hat Moskau seine perfide Angriffstaktik auf Kiew geändert. Jüngstes Beispiel: ein tödlicher Angriff auf die Ukrainische Akademie der Wissenschaften mitten im historischen Stadtzentrum, kurz nach der Mittagspause.
Für seine neuen Tagsüber-Terrorattacken gegen die Menschen in der Ukraine setzt Wladimir Putins (73) Armee auf eine neue Superwaffe, gegen die die Ukraine derzeit fast nichts machen kann. Putins neuer Langstrecken-Killer sorgt seit dieser Woche auch in Europas Schaltzentralen für tiefe Sorgenfalten.
Geran-5 heisst die jüngste Tötungsmaschine im Arsenal der Russen. Die Raketen-ähnliche Drohne ist mit einem Strahltriebwerk ausgestattet, ähnlich wie herkömmliche Kampfjets, und fliegt 600 km/h schnell. Sie erreicht dabei Flughöhen von 6000 Metern und trifft Ziele in knapp 1000 Kilometern Entfernung – dank eines direkt aus China gelieferten Jet-Motors. Welche Wucht der 90 Kilogramm schwere Sprengkopf entfaltet, zeigt sich derzeit täglich in den Strassen der ukrainischen Grossstädte.
Der neue Super-Killer ist im Januar zum allerersten Mal auf dem Radar ukrainischer Experten aufgetaucht. Zum massenhaften Einsatz kommt die Geran-5 aber erst jetzt. Allein diese Woche hat sie in Kiew mehrere Kindergärten, ein Spital, mehrere Wohnhäuser und zuletzt die Akademie getroffen. Am Montag töteten russische Drohnen mindestens neun Zivilisten und verletzten 80 Menschen zum Teil schwer.
Putins perfide Kriegsregel
Die Ukraine hat wenig in den Händen, um Putins neuen, blitzschnellen Todbringern etwas entgegenzusetzen. Nur gut die Hälfte der Jet-Drohnen, die Russland am Montag auf die Ukraine abfeuerte, konnten Wolodimir Selenskis (48) Soldaten vom Himmel holen (zum Vergleich: Bei den übrigen Drohnen liegt die Abschussrate laut ukrainischen Angaben bei über 90 Prozent). Man stelle sich vor, man steht im Ring gegen einen eh schon übermächtigen Gegner und darf nur jeden zweiten Schlag parieren. Lange durchhalten kann da keiner.
Zwar arbeitet die Ukraine mit Hochdruck an neuen Abwehrsystemen. Doch die schiere Zahl der superschnellen Killer (allein 90 Jet-Drohnen waren es am Montag) überfordert die Verteidiger. Anfang Jahr war ich mit einer ukrainischen Luftabwehr-Einheit an der Südfront unterwegs und habe miterlebt, wie sie Jagd auf russische Drohnen machen. Gegen die 600 km/h schnellen neuen Superdrohnen hätten sie keine Chance. Dank ihnen kommt Russland seinem Ziel, die ukrainische Bevölkerung vor dem Anbruch des Winters endgültig zu zermürben, immer näher.
Laut der marxistischen Kriegstheorie, die Putin als einstiger Geheimdienstagent in der Sowjetunion verinnerlicht hat, funktionieren Kriege nach einfachen Grundregeln. Wenn man sie befolgt, gewinnt man – fast mit Sicherheit. Eine der Regeln: die konsequente Vernichtung der Moral des Gegners. Geran-5 und all die anderen Mörder-Tools in Moskaus Giftschrank leisten da einen grossen Beitrag.
Nach einem vielversprechenden Sommer, in dem die Ukraine die russische Offensive gestoppt, relevante Frontgebiete zurückerobert und der russischen Energieindustrie mit gezielten Schlägen schwer zu schaffen gemacht hat, droht sich die Kriegsgunst dank den neuen Superdrohnen erneut zu wenden. Die Stimmung in Kiew kippt.
Russland will 2027 rund 40'000 Jet-Drohnen bauen
Das sieht natürlich auch der Kreml und setzt umso mehr auf seine surrenden Terrorgeräte. Umgerechnet 12 Milliarden Dollar will der Kreml im nächsten Jahr für die Produktion von Jet-Drohnen ausgeben. Rund 40'000 Jet-Drohnen könnten die Russen damit bauen, rechnet der Raketen-Experte Fabian Hoffmann vor – sofern die Chinesen ihren Freunden in Moskau tatsächlich weiterhin Motoren liefern.
Dass Russlands moderne Drohnen längst auch für den Rest Europas eine Gefahr darstellen, zeigt die jüngste Warnung des US-Auslandsgeheimdiensts CIA. Er warnt die Regierungen in Italien, Frankreich und Spanien vor möglichen Angriffen mit russischen Langstreckendrohnen, abgeschossen von russischen Frachtern im Mittelmeer. Rein theoretisch könnten diese Drohnen mit ihrer Reichweite auch Teile der Schweiz treffen.
Am Montag liess Polen zum ersten Mal seit langem seine Raketensirenen in der östlichen Lublin-Region ertönen und mahnte die Menschen wegen einer imminenten Bedrohung durch russische Drohnen dazu, in die Bunker zu gehen.
Der Krieg kommt näher. Sein Ende bleibt weit ausserhalb der Sicht.