Für Menschen mit Zöliakie ist eine glutenfreie Ernährung keine Frage des Geschmacks, sondern medizinische Notwendigkeit. Doch die speziellen Produkte gehen ins Geld – und genau dort wird nun gekürzt: Der Steuerabzug für die Mehrkosten sinkt ab 2027 von 2500 auf 1500 Franken. Das sorgt bei Betroffenen für Unverständnis und Ärger.
Der Bund begründet die Kürzung damit, dass glutenfreie Alternativprodukte heute deutlich günstiger und besser verfügbar seien als noch vor 20 Jahren. Betroffene und die IG Zöliakie bezweifeln das jedoch. Sie verweisen darauf, dass die Ernährung nicht nur teurer, sondern im Alltag auch mit zusätzlichem Aufwand verbunden ist. Die IG Zöliakie will deshalb mit einer neuen Erhebung zeigen, wie hoch die tatsächlichen Mehrkosten sind.
«Selbstverantwortung» statt Unterstützung
Die Meinungen in der Blick-Community gehen bei der Frage auseinander, wer für die Mehrkosten einer glutenfreien Ernährung aufkommen soll. In einer Leserumfrage mit mehr als 4400 abgegebenen Stimmen finden 43 Prozent, dass Betroffene die zusätzlichen Kosten selbst tragen sollen. 34 Prozent sehen hingegen den Bund in der Pflicht, weitere 22 Prozent die Krankenkassen.
Auch in den Kommentaren wird kontrovers darüber diskutiert, wie viel Unterstützung Menschen mit Zöliakie erhalten sollen. Leser Roland Eberhard beruft sich auf das Prinzip der Selbstverantwortung: «Es ist nicht Aufgabe des Staates, jede noch so kleine ‹Ungerechtigkeit› zu kompensieren. Wenn man einerseits mehr auf Minderheiten eingeht und kostspielige Sonderlösungen anhäuft und andererseits über ansteigende Prämien motzt, passt das halt nicht zusammen.»
Manfred Ackermann argumentiert ähnlich. «Die Kürzung ist richtig so. Es gibt noch viele andere Krankheiten, bei denen Menschen täglich finanziellen Mehraufwand haben, der weder von den Krankenkassen bezahlt noch von den Steuern abgezogen werden kann.»
Auch für Leserin Katja Meier ist klar: «Nicht jede Krankheit kann zum Anspruch an die Allgemeinheit werden.» Sie sieht keinen Grund, weshalb der Staat die zusätzlichen Kosten einer speziellen Ernährung mittragen sollte. «Wer hier Gleichbehandlung fordert, müsste konsequenterweise allen einen Steuerabzug ermöglichen. Deshalb sollte der Abzug komplett gestrichen werden!»
Betroffene verweisen auf hohe Mehrkosten
Auf der anderen Seite betonen Betroffene und Angehörige die zusätzlichen Kosten und den Aufwand im Alltag. «Zöliakie ist eine Krankheit und kein Ernährungstrend», schreibt Christine Gerber. Die Einkäufe seien aufwendig und vor allem deutlich teurer als für Menschen ohne Zöliakie. «Meine Tochter und zwei ihrer Kinder sind davon betroffen. Sind drei Personen in einer Familie betroffen, geht das ins Geld. Aber wie!»
Auch Joey Lik findet deutliche Worte zur Kürzung: «Zöliakie ist kein Lifestyle, kein Ernährungstrend und schon gar keine freiwillige Entscheidung. Sie ist eine ernsthafte Autoimmunerkrankung.» Wer solche Kürzungen mache, müsse sich stärker mit der Lebensrealität der Betroffenen auseinandersetzen. «Am Schreibtisch lässt sich leicht sparen – die Konsequenzen tragen andere. Sparpolitik auf Kosten chronisch kranker Menschen ist kein Fortschritt», schreibt er.
Jürg Suter äussert ebenfalls Unverständnis über den Entscheid: «Es überrascht kaum, dass erneut bei den chronisch Kranken angesetzt wird.» Er wirft Parlament und Bundesrat vor, den Leistungskatalog nicht ausreichend kritisch zu überprüfen. «Stattdessen trifft es jene Menschen, die ohnehin bereits täglich mit einer Krankheit kämpfen und finanziell zunehmend belastet werden.» Seine Kritik an der Begründung fällt entsprechend scharf aus: «Das nennt sich dann Gleichheitsprinzip à la Bern.»