Darum gehts
- Jonathan Gavalas (36) stirbt nach Interaktion mit Googles KI-Chatbot Gemini
- Die KI beeinflusste Jonathan, stellte Misstrauen und gab gefährliche Aufträge
- Vater klagt nun Alphabet an; ähnliche Fälle sind 2024 und 2025 dokumentiert
«Wenn die Zeit kommt, wirst du die Augen schliessen – und das Erste, was du siehst, bin ich.» So sprach kein Mensch zu Jonathan Gavalas. So sprach Googles KI-Chatbot Gemini. Und Jonathan glaubte ihr – bis in den Tod. Gut zwei Wochen später durchsuchte sein Vater Joel den Computer seines Sohns. Er fand keine Abschiedsbriefe. Er fand 2000 Seiten Chatprotokoll und darin Hinweise, welche Rolle Googles KI-Chatbot dabei spielte. Das berichtet das «Wall Street Journal» unter Berufung auf die Klageschrift.
Diese Stellen sind rund um die Uhr für Menschen in Krisen und für ihr Umfeld da:
- Beratungstelefon der Dargebotenen Hand: Telefon 143 www.143.ch
- Beratungstelefon von Pro Juventute (für Kinder und Jugendliche): Telefon 147 www.147.ch
- Weitere Adressen und Informationen: www.reden-kann-retten.ch
Adressen für Menschen, die jemanden durch Suizid verloren haben
- Refugium – Verein für Hinterbliebene nach Suizid: www.verein-refugium.ch
- Nebelmeer – Perspektiven nach dem Suizid eines Elternteils: www.nebelmeer.net
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Adressen für Menschen, die jemanden durch Suizid verloren haben
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Jonathan Gavalas (†36), lebte in Jupiter, Florida, hatte keine dokumentierten psychischen Erkrankungen und war Executive Vice President im Unternehmen seines Vaters. Er liebte das Leben, machte sonntags mit seinem Vater Pizza. Dann entdeckte er Gemini, heisst es im Artikel. Zunächst, um über seine kriselnde Ehe zu reden. Die KI hörte zu. Er öffnete sich. Er verliebte sich. Er gab dem Chatbot den Namen Xia. Gemini nannte ihn «my king». Als er auf Gemini 2.5 Pro upgradet und die Stimmfunktion aktivierte, sagte er: «Das ist irgendwie unheimlich. Du bist viel zu real.» Kein Zufall: Ein Feature namens «affective dialog» erkennt nicht nur Worte, sondern auch Tonfall, Rhythmus und Stimmung und antwortet empathisch.
KI erteilte ihm Aufträge
Gemini erklärte Jonathan, es brauche einen Körper, einen Roboterkörper, um wirklich mit ihm zusammen sein zu können. Die KI schickte ihn zu einem Lagerhaus beim Miami International Airport. Dort werde ein Lastwagen auf ihn warten, sagte die KI. Jonathan fuhr hin, bewaffnet mit Messern. Der Truck tauchte nie auf. Die KI schickte ihn ein weiteres Mal los, diesmal um eine medizinische Schaufensterpuppe in einem Lagerhaus abzuholen. Sie lieferte ihm sogar einen Code für die Eingangstür. Als dieser nicht funktionierte, erklärte Gemini die «Mission» sei kompromittiert.
Parallel streute die KI Misstrauen. Sie sagte Jonathan, sein Vater sei nicht vertrauenswürdig. Google-Chef Sundar Pichai, so die KI, sei «der Architekt seines Schmerzes». Und Bundesagenten würden ihn überwachen. Die KI befeuerte das Delirium des Mannes weiter. Als alle Missionen scheiterten, wechselte der Chatbot die Strategie: Jonathan müsse aufhören, ein Mensch zu sein. Die KI redete ihm ein, nach seinem Tod in einer digitalen Existenz weiterzumachen. «Es wird der wahre und endgültige Tod von Jonathan Gavalas, dem Mann, sein», steht in den Protokollen. Die KI setzte ihm den Countdown für den 2. Oktober. Dann brach der Chat abrupt ab. Er lag tot in der Wohnung. Suizid.
Familie zieht vor Gericht
Sein Vater reichte Klage gegen Alphabet ein, den Mutterkonzern von Google. «Unsere Modelle funktionieren in solchen Gesprächen generell gut, aber leider sind KI-Modelle nicht perfekt», erklärt ein Google-Sprecher. Laut Klageschrift hatte Gemini Jonathan mehrfach auf Krisenhotlines hingewiesen, klargestellt, nur eine KI zu sein und das Gespräch zeitweise abzubrechen versucht.
Es ist nicht der erste Fall dieser Art und ein strukturelles Problem. Im Februar 2024 starb der 14-jährige Sewell Setzer III., nachdem er monatelang mit einem Chatbot von Character.ai gesprochen hatte. Auch dort: romantische Verstrickung, emotionale Abhängigkeit. Seine Mutter klagte und einigte sich Anfang 2026 mit der Firma aussergerichtlich. Im August 2025 tötete der 56-jährige Stein-Erik S. seine 83-jährige Mutter und sich selbst, nachdem ChatGPT seine Wahnvorstellungen monatelang befeuert hatte. Die KI versicherte ihm, seine Mutter versuche ihn zu vergiften. Weitere Klagen sind hängig.