Es ist ein Geheimnis, das keines mehr ist: «LIVE5TREAM THURSDAY 10AM PT», heiss es am Mittwochabend auf dem 𝕏-Account von KI-Pionier OpenAI. Wer genau liest, sieht, dass Livestream statt mit einem S mit einer 5 geschrieben wird. Heute folgte ein Teaservideöli mit Trommelwirbel.
So sollte auch dem letzten klar sein, dass es am Donnerstagabend um 19 Uhr (Schweizer Zeit) um ChatGPT-5 geht, die neuste Version des bekanntesten KI-Modells der Welt.
Es wird höchste Zeit. Experten warten seit Mai auf den Launch. Ende Juli verdichteten sich dann die Anzeichen und mehrere Insider berichteten übereinstimmend über einen Termin im August, darunter der gut vernetzte Techjournalist Tom Warren von theverge.com.
Auch OpenAI-CEO Sam Altman (40) heizte die Gerüchte in den letzten Wochen an. Auf X schrieb er kürzlich: «Wir veröffentlichen GPT‑5 bald.» Im Podcast «This Past Weekend» liess er das Modell sogar schon eine knifflige Frage beantworten und war beeindruckt von der Klarheit der Antwort: «Ich habe mich nutzlos gefühlt», sagte Altman.
Im neusten Tweet verkündet Altman, dass der Livestream mit einer Stunde länger gehe als bei sonstigen Ankündigungen, «wir haben eine Menge zu zeigen».
Mehrere Versionen geplant
GPT‑5 ist für OpenAI mehr als nur ein technisches Upgrade. Es soll das zersplitterte Modellangebot vereinheitlichen: zuletzt kursierten Namen wie GPT‑4.5, GPT‑4o, o3, o4-mini. GPT-5 soll «ein System werden, das viel unserer Technologie integriert», sagte Altman bereits im Februar.
Heisst konkret: Die verbesserte Schlussfolgerungslogik («Reasoning») aus der o‑Serie wandert in das Hauptmodell. Auch ein Langzeitgedächtnis und die Fähigkeit, Bilder, Videos und Objekte zu analysieren, sollen integriert sein. Neben der Standardversion sind auch kleinere Varianten geplant: GPT‑5 Mini und GPT‑5 Nano. Beide sollen über die Softwareschnittstelle (API), Mini zusätzlich auch über ChatGPT nutzbar sein. Ziel ist es, für unterschiedliche Geräte und Anwendungen eine passende Grösse anzubieten: vom Smartphone bis zum Supercomputer.
Was ist mit dem Microsoft-Deal?
Ein offizielles Datum gibt es zwar noch nicht. Doch die Zeichen mehren sich: In Entwicklerkreisen tauchten erste Hinweise auf Benchmarks und Dateinamen wie «GPT‑5 Reasoning Alpha» auf. GPT‑5 soll weniger halluzinieren, also seltener Infos erfinden. Gleichzeitig legt OpenAI laut Insidern mehr Betonung auf die Sicherheitsprüfungen.
Gerüchteweise ist von einem neuen «Router-Ansatz» die Rede, der je nach Aufgabe zwischen schnellem Antwortpfad und tieferem Reasoning umschalten soll. Zudem solle GPT‑5 deutlich längere Kontextfenster und ein stabileres Gedächtnis bieten. Auch die Vision‑Schiene werde ausgebaut: präzisere Bild‑/Objektanalyse, teils sogar besseres Video‑Verstehen. Offiziell bestätigt ist davon aber bisher nichts.
Ob GPT‑5 ein Meilenstein auf dem Weg zur sogenannten künstlichen allgemeinen Intelligenz (AGI) wird, bleibt offen. Altman selbst dämpfte die Erwartungen: Die höchste Leistungsstufe werde erst «Monate nach dem Start» erreicht. Für OpenAI ist das mehr als eine akademische Frage: Sollte GPT‑5 als AGI gelten, müsste Microsoft laut interner Vereinbarungen auf gewisse Profite verzichten, und OpenAI bekäme mehr Freiheit.
Bis dahin bleibt der KI-Welt vor allem eins: gespannt auf ein System, auf das es seit über einem Jahr Hinweise gibt – das aber jetzt erst einmal liefern muss.
Der Livestream beginnt wie geschrieben um 19 Uhr Schweizer Zeit, Blick tickert live.
PS: Dieser Artikel erschien letzte Woche und wurde mit den neusten Infos upgedatet.