Es gibt Orte, die ich als Stadt-Berg-Hybridkind meide. Etwa das Berggasthaus Äscher. Doch Vorurteile gehören überprüft. Beim Caumasee lag ich schon einmal daneben.
Und wenn ich schon im Alpstein bin, nehme ich gleich den Seealpsee mit. Denn was nach einer gemütlichen Verlängerung klingt, hat seine Tücken. Auf dem Wanderweg kam es bereits mehrfach zu Unfällen. Wenige endeten gar tödlich.
Im Alpstein gibt es einiges zu testen. Höchste Zeit, den Äscher und Seealpsee abseits des Instagram-Filters zu erleben. Auf gehts!
Erreichbarkeit
Aus einem Kofferraum springt ein Hund, sein Herrchen folgt in Bergmontur. Nebenan rätselt ein Paar über den Parkautomaten. Er in Lederjacke, sie in Jeans-Turnschuh-Kombination. Selbst an einem Mittwoch kurz vor 10 Uhr suche ich einen freien Parkplatz. Wer sich diese Szene sparen will, fährt mit dem Zug bis Wasserauen AI.
Ich rechne mit Gedränge an der Luftseilbahn. Doch nach einem zweiminütigen Spaziergang stehe ich an der Station an. Keine zehn Minuten später mit Billett in der Gondel.
Ich möchte meine Wanderlust stillen und wähle diesen Weg:
Auf der Ebenalp angekommen, stimmt der weiss-rot-weiss markierte Wanderweg zur Alp Chlus auf die Tour ein. Schroffes Gestein, gute Markierungen, wenig Gegenverkehr.
Allein wandere ich ungern. Zum Glück treffe ich Aryana Yee aus San Francisco per Zufall. Ihre Schweiz-Neugier und unsere Gespräche nehmen mir die Höhenangst. Kurz vor dem Äscher trennen sich unsere Wege. Mein Reportage-Tempo will ich ihr nicht zumuten.
Wohin lohnt sich der nächste Ausflug ins Grüne wirklich? Welche Wanderungen, Naturerlebnisse und Outdoor-Abenteuer begeistern und welche kann man sich sparen?
Gerade in der Schweiz ist das Angebot riesig. Doch Prospekte, Social Media und Hochglanzbilder zeigen oft nur die Schokoladenseite. Wie sieht ein Ausflug tatsächlich aus? Ist die Wanderung ihr Geld, ihre Zeit und die Anreise wert?
Ich teste Wanderungen, Naturerlebnisse und Outdoor-Abenteuer, damit ihr nicht die Katze im Sack kauft. Im Format «Taugts was, Niki?» zeige ich, was überzeugt – und was nicht. Ehrlich, direkt und mit allen wichtigen Infos für eure nächste Tour.
Wohin lohnt sich der nächste Ausflug ins Grüne wirklich? Welche Wanderungen, Naturerlebnisse und Outdoor-Abenteuer begeistern und welche kann man sich sparen?
Gerade in der Schweiz ist das Angebot riesig. Doch Prospekte, Social Media und Hochglanzbilder zeigen oft nur die Schokoladenseite. Wie sieht ein Ausflug tatsächlich aus? Ist die Wanderung ihr Geld, ihre Zeit und die Anreise wert?
Ich teste Wanderungen, Naturerlebnisse und Outdoor-Abenteuer, damit ihr nicht die Katze im Sack kauft. Im Format «Taugts was, Niki?» zeige ich, was überzeugt – und was nicht. Ehrlich, direkt und mit allen wichtigen Infos für eure nächste Tour.
Von der Alp Chlus über den Füessler zum Äscher zeigt sich die Wanderung abwechslungsreich. Hochalpine Kulisse, mittleres Wanderniveau, genau mein Ding.
Allmählich taucht das Felsmassiv auf, das man vom ikonischen Berggasthaus kennt. Und plötzlich steht er vor mir: der Äscher. Alle wollen zum Äscher – ich weiss jetzt, ob es sich lohnt.
Die Anreise haut mich aus den Socken, weshalb es eine 10 von 10 gibt.
Hats den Wow-Effekt?
Das Berggasthaus ist genauso einzigartig und niedlich wie auf den Bildern. Ich rechne jeden Moment mit Schneewittchen und den sieben Zwergen. Ob ich einen Platz ergattern werde?
Selbst an diesem sonnigen Mittwoch klappt es. Zwar unter einem halbsonnigen Sitzplatz und nicht für mich allein. Aber ich habe gesellige Tischnachbarn.
Wenn eine Bergbeiz Städter-tauglich ist, dann der Äscher. Kontrovers? Folgt mir kurz. Das Haus zählt zu den ältesten Berggasthäusern der Schweiz, ist aber längst im Heute angekommen: Das junge Servicepersonal trägt Appenzeller Tüechli als hippe Bandanas zu knielangen Jeansshorts. Alpöhi trifft Pinterest-Ästhetik.
Den Äscher kann man tatsächlich auch abseits vom Gedränge besuchen, weshalb es eine 8 von 10 gibt.
Verpflegung
Die Sonne glüht an diesem Tag. Eine Apfelschorle muss her. Beim Essen fällt die Wahl schwerer. Das Berggasthaus lässt Tradition neu aufleben. Die Karte spannt den Bogen von kreativ bis gutbürgerlich.
Ich wähle den Wurst-Käse-Salat. Es dauert keine zehn Minuten, bis mein Essen ankommt. Ein grosser, frischer Salat erwartet mich mit eingelegten Zwiebeln und knackigen Salatblättern. Selbst der einfache Wurstsalat enthält einen modernen Twist.
Klar: Ich erwarte vom Äscher keinen Schnäppchenpreis. Wenn die grosse Apfelschorle und der grosse Wurstsalat knapp 30 Franken kosten, schmerzt das schon.
Die Verpflegung erhält deshalb die Note 6 von 10.
Preis-Leistung
Gehen wir über die Bücher. Wandern kann kostengünstig sein. Es muss nicht immer ein Äscher-Abstecher dabei sein.
Erwachsene zahlen für das Einweg-Bahnbillett 24 Franken – mit Halbtax sind es 12 Franken. Dafür erhält man perfekt erhaltene Wanderwege und davon genügend. Das finde ich fair.
Die knapp 30 Franken für Salat und Apfelschorle hingegen weniger.
Das Preis-Leistungsverhältnis erhält deshalb die Note 6.5 von 10.
Taugts was?
Der Äscher hat geliefert. Gewaltige Aussicht, spannende Begegnungen und ein entspanntes Ambiente unter der Woche. Ab Donnerstag übernehme ich keine Garantie.
Doch der Abstieg zum Seealpsee ernüchtert. Statt spektakulärer Aussichten: Wald, steile Passagen und ein Weg, der Wander-Novizen überrascht. Mit falschem Schuhwerk wird es schnell gefährlich.
Nun erschliesst sich aber ein Kreis. «Bisch fit?», fragte mich eine junge Frau beim Äscher, als ich ihr von meiner geplanten Route erzählte. Spätestens beim Abstieg wusste ich, weshalb.
Immerhin: Unten wartet mit dem Seealpsee ein echtes Appenzeller Postkartenmotiv. Die Belohnung stimmt also, der Weg dorthin überzeugt mich weniger.
Mein Fazit: Der Äscher ist den Hype wert, der Seealpsee ebenso. Nur die Verbindung dazwischen hat mich nicht vom Hocker gehauen.
War das also die schönste Wanderung im Alpstein? Für mich nicht. Aber vielleicht ist das gar nicht so schlecht. Schliesslich brauche ich noch einen Grund, die Wanderschuhe wieder zu schnüren.