Darum gehts
- Zwei Bergsteigerinnen verbringen Sommernacht in Portaledge am Sustenpass
- In 100 Metern Höhe mit Vollmond und Schlafsack übernachtet
- Khan-Tengri-Doku-Premiere am 2. Oktober in Luzern geplant
Der Wind peitscht ihnen um die Ohren, die Höhe zehrt an den Kräften. Es ist so kalt, dass selbst die Kamera den Dienst versagt. Gentiana Zyba (36) und Sandra Christen (36) sind am Khan Tengri in Kirgistan nah am Gipfel – und entscheiden sich trotzdem zur Umkehr.
Wenn man den nördlichsten 7000er knapp bezwungen hat, scheinen alle anderen Abenteuer winzig. Oder doch nicht? «Khan Tengri letzten Sommer war unsere letzte grosse Expedition», erklären die beiden im Interview mit Blick. Ziemlich genau ein Jahr später stehen Zyba und Christen wieder gemeinsam am Fels. Diesmal führt ihr Abenteuer nicht auf einen 7000er, sondern in eine senkrechte Wand.
Zu den Bergsteigerinnen
Sandra Christen (l.) wohnt in Nidwalden und ist mit den Bergen aufgewachsen. Sie arbeitet im Spital als Pflegefachfrau HF auf der Chirurgie.
Gentiana Zyba stammt ursprünglich aus dem Kosovo und ist kürzlich Mutter geworden. Heute ist sie in der Stadt Zürich zu Hause und arbeitet im Finanzbereich bei einer Schweizer Grossbank.
Durch gemeinsame Bekannte haben sich die beiden kennengelernt und teilen heute die gleiche Leidenschaft für Abenteuer und die Bergwelt.
Zu den Bergsteigerinnen
Sandra Christen (l.) wohnt in Nidwalden und ist mit den Bergen aufgewachsen. Sie arbeitet im Spital als Pflegefachfrau HF auf der Chirurgie.
Gentiana Zyba stammt ursprünglich aus dem Kosovo und ist kürzlich Mutter geworden. Heute ist sie in der Stadt Zürich zu Hause und arbeitet im Finanzbereich bei einer Schweizer Grossbank.
Durch gemeinsame Bekannte haben sich die beiden kennengelernt und teilen heute die gleiche Leidenschaft für Abenteuer und die Bergwelt.
Was kommt nach Kirgistan?
Für ihr nächstes Abenteuer zieht es die beiden an den Pfriendler am Sustenpass. Dort wollen sie in einem Portaledge übernachten – einer Plattform, die an der Felswand hängt. «Das war unser erstes alpines Projekt seither – allein deshalb war diese Nacht für uns speziell», sagen Zyba und Christen.
Nach Kirgistan hatten für Zyba Schwangerschaft, Geburt und die ersten Monate mit Baby gefolgt.
Obwohl die beiden in den Bergen zu Hause sind, ist eine solche Wand-Übernachtung auch für sie Neuland. «Uns hat beim Klettern immer gereizt, nicht wieder abzusteigen, sondern einfach dort oben zu bleiben und die Nacht direkt in der Wand zu verbringen.»
Zum Kurzfilm
Der Kurzfilm «Am Limit: Khan-Tengri-Expedition» gewährt einen eindrücklichen Einblick in die Expedition der beiden Bergsteigerinnen Sandra Christen und Gentiana Zyba. Am 2. Oktober 2026 sprechen sie im Anschluss an die Vorführung mit Moderatorin Gülsha Adilji in einem Live-Talk über ihre Erfahrungen, Herausforderungen und Erlebnisse.
Zum Kurzfilm
Der Kurzfilm «Am Limit: Khan-Tengri-Expedition» gewährt einen eindrücklichen Einblick in die Expedition der beiden Bergsteigerinnen Sandra Christen und Gentiana Zyba. Am 2. Oktober 2026 sprechen sie im Anschluss an die Vorführung mit Moderatorin Gülsha Adilji in einem Live-Talk über ihre Erfahrungen, Herausforderungen und Erlebnisse.
Wie kommt das Portaledge in die Wand?
Eine neue Erfahrung, für die spezielles Wissen gefragt ist. «Wir hatten einen Bergführer dabei, der Erfahrung mit Portaledges hat – ziemlich spezielles Know-how, das längst nicht jeder Bergführer regelmässig braucht», erklären sie.
Zuerst klettern die beiden die Route über mehrere Seillängen und schauen sich einen geeigneten Platz an. Danach steigen sie wieder ab. Später geht es mit dem Portaledge und dem restlichen Material zurück zum vorgesehenen Platz in der Wand. Nach rund eineinhalb Stunden sitzt alles.
«Es ist eher der Respekt vor der Exposition als Angst»
Der Aufbau sei auch das gewesen, vor dem Christen zwar keine Angst, aber Respekt hatte: «Im Gurt an der Wand hängend das Portaledge zusammenzubauen, war ein ziemliches Geknorze – ständig hin und her, ohne wirklich festen Stand.» Und weiter: «Es ist eher der Respekt vor der Exposition als Angst.»
Doch die Aufregung hat sich gelohnt für die beiden. «Eindrücklich – und gleichzeitig vertraut», so fühle es sich an, wenn man 100 Meter über dem Boden übernachtet. Was war schöner oder gemütlicher als erwartet? «Die Nacht selbst. Vollmond, die Felswand im Mondlicht und wir im Schlafsack mitten in der Wand. Eine herrliche Sommernacht.»
Die Nacht 100 Meter über dem Boden
Kommt man wirklich zum Schlafen? «Ja, etwa fünf Stunden in zwei Etappen», so die Bergsteigerinnen. Und dies in entgegengesetzter Lage, um das Gewicht zu verteilen und mit möglichst wenig Bewegung. «Dazwischen waren wir wach und haben geredet. Einfach mal ein paar Stunden ohne Ablenkung, mit viel Zeit für einen guten Catch-up.»
Und wenn man die Augenlider öffnet? «Erstmal rausgucken», sagen die beiden. Dann gilt es, die Weite und das erste Licht vor Sonnenaufgang zu geniessen. «Das verliert nie seine Wirkung.»
Das nächste grosse Abenteuer steht an
Kann dieses Abenteuer mit Kirgistan mithalten? «Definitiv.» Für Zyba sei es besonders gewesen. Zum ersten Mal seit der Geburt war sie wieder in den Bergen unterwegs.
Mit einem 7000er lasse sich die Nacht in der Wand trotzdem kaum vergleichen. «Im Portaledge ist die Exposition das Besondere. Man hängt mitten in der Wand und schläft mit Klettergurt und Helm.» In grosser Höhe dagegen wird vor allem die dünne Luft zum Gegner.
Lange ruhig bleibt es ohnehin nicht: Am 2. Oktober zeigen die beiden in Luzern ihre Khan-Tengri-Kurzdoku und erzählen live von der Expedition.