Reise-Knigge
Diese zehn Dinge solltest du im Flugzeug besser nicht tun

Videos ohne Kopfhörer, nackte Füsse auf dem Sitz oder ein Snack mit Knoblauchduft: Im Flugzeug liegen die Nerven manchmal blank. Welche Verhaltensweisen besonders stören und wo etwas mehr Rücksicht angebracht wäre, zeigt dieser Überblick.
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Gunda BosselSEO-Redaktorin

Kaum ist das Flugzeug in der Luft, scheint für manche Passagiere eine andere Welt zu beginnen. Die Schuhe werden ausgezogen, das Handy wird zum Lautsprecher und der Klapptisch verwandelt sich in eine kleine Wellnessstation. Was für die einen Menschen pure Entspannung ist, kann für die Sitznachbarn zu einer harten Geduldsprobe werden.

Dabei wäre die Sache eigentlich ganz einfach: In der Flugzeugkabine sitzen Menschen auf engstem Raum zusammen. Was zu Hause niemanden stört, kann in 10'000 Metern Höhe schnell zum Ärgernis werden. Eine aktuelle Umfrage im Auftrag der Reise- und Buchungsplattform Booking.com zeigt, welche Angewohnheiten Reisende besonders nerven. Befragt wurden 1000 Menschen in Deutschland, die im vergangenen Jahr international geflogen waren. Ganz oben auf der Liste stehen geruchsintensives Essen und Unterhaltung ohne Kopfhörer. Die Ergebnisse der Umfrage zeigen aber auch, dass sich die Vorstellungen von gutem Benehmen an Bord verändern.

1. Videos ohne Kopfhörer schauen

Der Sitznachbar möchte schlafen, ein anderer liest ein Buch. Und aus der Reihe dahinter dröhnt ein TikTok-Video oder der nervige Kinderfilm. Was auf dem eigenen Bildschirm lustig sein mag, müssen deshalb noch lange nicht alle hören wollen.

Laut der Booking.com-Umfrage empfinden fast die Hälfte der Befragten Videos oder Musik ohne Kopfhörer als störend.

Die Lösung ist simpel: Kopfhörer verwenden und die Lautstärke so einstellen, dass niemand mithören muss. Das gilt auch für Sprachnachrichten und Videotelefonate, sofern diese an Bord überhaupt erlaubt sind.

2. Essen mit intensivem Geruch auspacken

Ein Sandwich für den Flug ist praktisch. Doch wer Käse, Knoblauch, Mandarinli oder hartgekochte Eier auspackt, teilt den Duft unter Umständen gleich mit mehreren Sitzreihen.

In einer deutschen Booking.com-Umfrage vom August 2026 nannten 40 Prozent der Befragten mitgebrachtes Essen als besonders störend. Bei den konkreten Geruchsquellen wurden Käse und Aufschnitt besonders häufig genannt, gefolgt von Speisen mit Knoblauch.

Natürlich darf man im Flugzeug essen. Wer sich vor dem Abflug etwas mitnimmt, ist aber mit einem möglichst geruchsarmen Snack gut beraten. Das freut nicht nur empfindliche Nasen, sondern auch Menschen, denen bei Turbulenzen ohnehin schon flau im Magen ist.

3. Barfuss durch die Kabine laufen

Schuhe aus, Füsse hoch: Auf einem langen Flug möchte man es sich bequem machen. Dagegen ist grundsätzlich nichts einzuwenden. Doch zwischen bequemen und sauberen (!) Socken am eigenen Sitz und mit nackten Füssen auf dem Gang spazieren, liegt ein Unterschied.

Wer Barfuss zur Toilette läuft, kommt mit einem Bereich in Kontakt, der nicht gerade für seine Sauberkeit bekannt ist. Auch die Armlehne oder der Sitz des Vordermanns sind keine geeigneten Ablagen für die Füsse.

Besser: Schuhe anbehalten oder zumindest saubere Socken tragen. Und die Füsse sollten auf jeden Fall im eigenen Bereich bleiben!

4. Für das perfekte Foto andere bedrängen

Der Blick aus dem Fenster ist spektakulär, die Wolken sehen aus wie Watte und der Sonnenuntergang ist perfekt. Schnell noch ein Foto! Unangenehm wird es, wenn sich jemand dafür über den Sitznachbarn beugt, dessen Platz beansprucht oder ihm das Handy direkt vor das Gesicht hält.

Noch heikler wird es, wenn fremde Passagiere ungefragt auf Videos für soziale Medien landen. Nicht jeder möchte Teil eines Reise-Reels werden.

Wer fotografieren will, sollte den eigenen Platz nutzen und die Privatsphäre anderer respektieren. Ist eine Person deutlich im Bild, fragt man am besten vorher um Erlaubnis.

5. Die Flugzeugkabine mit einem Nagelstudio verwechseln

Die Reise dauert noch Stunden, die Nägel könnten eine Auffrischung vertragen, und die Feile liegt griffbereit im Necessaire. Warum also nicht gleich loslegen?

Weil die anderen Passagiere weder das Geräusch des Feilens noch den Geruch von Nagellack unbedingt mitgeniessen möchten. Auch Nagelschneiden und andere Körperpflege-Rituale gehören nicht zu den Dingen, die man in einer engen Kabine unbedingt vor Publikum erledigen muss.

Eine schnelle Lippenpflege oder Handcreme ist natürlich etwas anderes als eine komplette Maniküre. Für aufwendige Schönheitsrituale ist das Badezimmer am Zielort der bessere Platz. Auch Tuchmasken sorgen an Bord nicht unbedingt für Begeisterung. Wer seiner Haut etwas Gutes tun möchte, verschiebt das Beauty-Ritual vielleicht besser auf die Ankunft im Hotel.

6. Den Gang zur privaten Fitnesszone erklären

Nach mehreren Stunden Sitzen zwickt der Rücken. Ein bisschen Bewegung tut gut, und regelmässiges Aufstehen ist auf längeren Flügen durchaus sinnvoll. Problematisch wird es, wenn der Gang zur persönlichen Trainingsfläche wird.

Ausladende Dehnübungen, Yoga oder wiederholte Runden, um das tägliche Schrittziel zu erreichen, können andere Reisende behindern. Gerade wenn jemand mit einem Servierwagen unterwegs ist oder Passagiere zur Toilette möchten, ist der Platz knapp.

Wer sich bewegen möchte, kann zwischendurch aufstehen, die Beine vertreten und einfache Übungen am eigenen Sitz machen. Der Gang ist kein Fitness- oder Yogastudio.

7. Den Sitz ohne Rücksicht nach hinten klappen

Kaum ein Thema sorgt unter Passagieren für so viele Diskussionen wie die zurückgelehnte Rückenlehne. Darf man das überhaupt? Schliesslich ist die Funktion dafür da.

Grundsätzlich darf man den Sitz zurückstellen, sofern es die Fluggesellschaft und die jeweilige Flugphase erlauben. Trotzdem lohnt sich ein kurzer Blick nach hinten: Steht gerade ein Getränk auf dem Klapptisch? Arbeitet jemand am Laptop? Ist der Platz ohnehin schon eng? Die Rückenlehne während des gesamten Flugs zurückgestellt zu lassen, ist wenig rücksichtsvoll. Denn für die Person dahinter wird es dadurch so eng, dass sie oft ebenfalls den Sitz zurückklappen muss, selbst wenn sie eigentlich lieber aufrecht sitzen würde.

Besonders bei kurzen Flügen kann es rücksichtsvoll sein, auf das Zurücklehnen zu verzichten. Auf langen Strecken ist es dagegen verständlich, wenn jemand seine Sitzposition verändern möchte. Wichtig ist, den Sitz bei Aufforderung der Crew, insbesondere für Essen, Start und Landung, wieder aufzurichten.

8. Die Armlehne zum persönlichen Hoheitsgebiet erklären

Am Fenster gibt es Aussicht, am Gang etwas mehr Bewegungsfreiheit. Der Platz in der Mitte hat diese Vorteile nicht. Dafür stellt sich dort regelmässig die Frage: Wem gehören eigentlich die Armlehnen?

Eine allgemein verbindliche Regel gibt es nicht. Als faire Faustregel gilt aber: Die Person in der Mitte darf die Armlehnen möglichst nutzen, weil sie bei den übrigen Platzoptionen weniger Ausweichmöglichkeiten hat. Wer sich eine Armlehne mit dem Sitznachbarn teilt, sollte nicht mit Ellbogen und Körpergewicht um jeden Zentimeter kämpfen.

Ein bisschen Rücksicht ist hier mehr wert als ein stiller Machtkampf während des gesamten Flugs.

9. Beim Aussteigen drängeln

Die Maschine steht, der Sicherheitsgurt darf geöffnet werden und plötzlich scheinen alle gleichzeitig zum Ausgang zu müssen. Einige stehen schon im Gang, andere ziehen hektisch ihr Gepäck aus den Fächern. Dabei bewegt sich die Schlange keinen Zentimeter schneller, nur weil man möglichst früh aufspringt.

Wer nicht unmittelbar weiter muss, wartet besser, bis die Reihen vor ihm an der Reihe sind. Wer einen knappen Anschlussflug hat, sollte sich möglichst früh an die Crew wenden, statt sich eigenmächtig durch die Kabine zu drängen.

Und noch etwas: Wer seinen Koffer aus dem Gepäckfach zieht, sollte darauf achten, niemanden damit zu treffen. Ein schmerzhafter Kontakt mit dem Rollkoffer ist kein würdiger Abschluss der Reise.

10. Den Sitznachbarn ungefragt in ein Gespräch verwickeln

Ein freundliches Hallo ist nett. Ein Gespräch über das Reiseziel kann eine angenehme Überraschung sein. Aber nicht jeder möchte während eines mehrstündigen Flugs neue Freundschaften schliessen.

Manche Menschen schlafen, lesen, hören Musik oder möchten einfach ihre Ruhe haben. Wer auf jede knappe Antwort mit der nächsten Frage reagiert, übersieht möglicherweise höfliche Signale.

Am besten beginnt man mit einem kurzen, unverbindlichen Gespräch und schaut, ob das Gegenüber Interesse zeigt. Kurze Antworten, Kopfhörer oder ein wiederholter Blick ins Buch können bedeuten, dass jemand lieber für sich bleibt. Das muss nicht unfreundlich gemeint sein.

Kinder im Flugzeug: Hier bitte etwas Verständnis zeigen

Ein quengelndes Kleinkind, das gegen den Vordersitz tritt, oder ein Baby, das während des ganzen Flugs weint: Das kann selbst geduldige Mitreisende auf die Probe stellen. Gleichzeitig gilt: Kinder sind keine kleinen Erwachsenen und können Langeweile, Müdigkeit oder den Druckausgleich nicht immer einfach wegstecken. Eltern können versuchen, mit Snacks, Spielsachen und Beschäftigungsmöglichkeiten vorzubeugen. Doch nicht alles lässt sich kontrollieren. Wer sich gestört fühlt, darf freundlich um Rücksicht bitten, sollte aber bedenken, dass ein Flug für die Kleinsten genauso anstrengend sein kann wie für die Grossen.

Eltern sollten ihrerseits darauf achten, dass kleine Füsse nicht ständig gegen den Vordersitz treten, das Kind bequeme Kopfhörer dabei hat und der Gang nicht zur Spielfläche wird.

Im Flugzeug gilt: Komfort ja, Rücksicht auch

Die meisten Konflikte an Bord entstehen nicht, weil jemand absichtlich unhöflich sein möchte. Vielmehr prallen unterschiedliche Bedürfnisse aufeinander: Die einen möchten schlafen, die anderen einen Film schauen. Manche wollen sich bewegen, andere möglichst wenig gestört werden.

Eine einfache Frage kann helfen: Würde es mich selbst stören, wenn mein Sitznachbar genau das jetzt machen würde?

Wer Kopfhörer benutzt, den eigenen Platz respektiert und anderen etwas Ruhe gönnt, macht den Flug für alle angenehmer. Und wenn es doch einmal eng wird, hilft eine freundliche Bitte meist mehr als ein demonstrativer Seufzer. Schliesslich sitzen alle im selben Flugzeug.

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