Wie das nigrische Nachrichtenportal «Aïr Info» berichtet, wurde am Sonntagabend vor zwei Wochen eine Schweizerin (67) im Niger entführt. Die Frau, die in der Stadt Agadez lebt, soll zwischen 20 Uhr und 22 Uhr aus ihrem Haus verschleppt worden sein.
Laut dem Portal wurde die Schweizerin im Libanon geboren und lebte eine Zeit lang in Algerien, wo sie in der Tourismusbranche arbeitete. In Agadez engagierte sich die schweizerisch-nigerianische Doppelbürgerin offenbar für das Kunsthandwerk und gründete einen gemeinnützigen Verein.
«Schweizer Vertretung mit lokalen Behörden in Kontakt»
«Das EDA hat Kenntnis von der Entführung einer Schweizer Staatsangehörigen in Niger», erklärt das Eidgenössische Departement für Äussere Angelegenheiten auf Nachfrage von Blick. «Die Schweizer Vertretung in Niamey steht mit den lokalen Behörden in Kontakt.» Weitere Abklärungen seien im Gange. Aus Gründen des Daten- und Persönlichkeitsschutzes können laut EDA keine weiteren Angaben gemacht werden.
Margrit B.* kam im Alter von zehn Jahren in die Schweiz, wie aus einem Bericht des Globetrotter-Magazins hervorgeht. Die Familie bereiste viele Länder, dort entfachte sie offenbar ihre Liebe für die Wüste. Es sei die Freiheit, die sie so schätze, so die heute 67-Jährige. Die Entführte ist mit einem Mann aus dem Niger verheiratet. Sie haben einen gemeinsamen Sohn. In dem Bericht gab B. an, sich aufgrund der Sicherheitslage jeweils nur mit Eskorte bewegen zu können. Sie geniesse jedoch das einfache Leben und sei froh, dort zu sein, wo sie ist.
Der Gouverneur der Region Agadez, Brigadegeneral Ibra Boulama Issa, bestätigte seinerseits «die Entführung einer Ausländerin namens Margrit, einer Schweizerin», die am Sonntagabend aus ihrem Haus in Agadez entführt worden war.
Lebenszeichen nach Entführung
Im Januar wurde bereits eine Österreicherin aus Agadez entführt. Auch sie engagierte sich für die internationale Gemeinschaft. Die Hintergründe der Entführungen sind unklar. In der betroffenen Region sind Terrororganisationen wie der Islamische Staat (IS) notorisch aktiv.
Wie das nigrische Nachrichtenportal nun berichtet, sollen die Frauen bei guter Gesundheit sein. Die Frauen befänden sich in der Gewalt des Islamischen Staat. Die Frauen seien von Mittelsmännern, die von den Terroristen eingesetzt werden, verschleppt. Gemäss nigrischen Sicherheitsquellen «dauern die Ermittlungen noch an», heisst es. Die Österreicherin wird nun schon seit über 100 Tagen vermisst, klagt deren Sohn.
Dass die Behörden nicht auf die Kontaktaufnahme der Familien reagieren, verunsichert die Familien. «Wir wissen nichts, wir beten, dass sie noch lebt», sagt der Sohn der Schweizerin.
Bewaffnete Banden und terroristische Gruppierungen aktiv
Im Zentrum Nigers sind Rebellengruppen und bewaffnete jihadistische - also militant-islamistische - Bewegungen aktiv. Die Unsicherheit in der Region hat in den letzten Jahren auch deshalb zugenommen, weil es einen Run auf die Goldminen der Region gibt.
Das Aussendepartement (EDA) in Bern rät deshalb von Reisen nach Niger sowie von Aufenthalten jeder Art im Land ab. Im Juli 2023 habe das Militär die Macht übernommen, und die Sicherheitslage habe sich nach dem Abzug der militärischen Truppen westlicher Staaten weiter verschlechtert, wird gewarnt. Die Entwicklung der Lage sei ungewiss.
In grossen Teilen der Sahara und des Sahel seien bewaffnete Banden und terroristische Gruppierungen aktiv, die von Schmuggel, Raubüberfällen und Entführungen leben, heisst es weiter. Diese seien gut organisiert, operierten grenzüberschreitend und hätten Verbindungen zu lokalen, kriminellen Gruppen. Das Entführungsrisiko sei im ganzen Land sehr hoch.
* Name geändert