Darum gehts
- Zürcher Reisebüro-Besitzer Harry Kolb kämpft nach Cyberbetrug um seine Firma
- Kunde Stephan Dettling erlässt Kolb eine offene Rechnung von mehreren Tausend Franken
- Kolbs Firma bezieht seit 20 Jahren IT-Leistungen, Angestellte drohen Jobverlust
Nach dem Blick-Bericht über den Zürcher Luca Kunz (43), der 20'800 Franken für eine Japanreise bezahlte, ohne dass Flug und Hotel gebucht waren, haben sich weitere Betroffene bei Blick gemeldet. Auch sie berichten von bezahlten Reisen, die nie gebucht worden sein sollen. Für die Kunden geht es um viel Geld – und um die Frage, ob sie dieses zurückbekommen.
Nun ergreift einer Partei für den Reisebüro-Besitzer: Stephan «Stibe» Dettling (62). Mit seinen Witzen eroberte der Zuger im Herbst 2000 die Schweizer «Big Brother»-Herzen. Heute ist er erfolgreicher Softwareunternehmer. Und er kennt Harry Kolb seit vielen Jahren. Auch Dettling ist Gläubiger. «Er ist auch mir Geld in der Grösse von mehreren Tausend Franken schuldig. Er ist seit vielen Jahren bei mir Kunde und hat in letzter Zeit offensichtlich Probleme.»
Bedauern oder bewundern
Stephan Dettling weiss: «Harry kämpft ums Überleben seines Betriebs. Er hat sein ganzes Leben für seine Firma gearbeitet und hätte mit 70 aufhören sollen. Doch wie ich gehört habe, wurde er Opfer von Cyberkriminellen.» Kolb bestätigt gegenüber Blick, 2,5 Millionen Franken an Betrüger verloren zu haben. Dettling: «Jeder andere, dem das Gleiche passiert wäre, hätte hingeschmissen. Er kämpft weiter. Natürlich kann man sich fragen: Ist es bedauernswert oder bewundernswert?»
Er habe Kolb stets als zuverlässig erlebt. «Er war immer seriös und man konnte sich auf sein Wort verlassen. Nun versucht er nach dem Diebstahl, seine Firma zu retten.» Auch sozial habe sich der Unternehmer engagiert und ältere Menschen beschäftigt. Deshalb rät Dettling Kolb: «Nach dem Pech, das er hatte, würde ich ihm raten, Geld mittels Crowdfunding zu sammeln, damit seine Mitarbeiter und sein Lehrling weiterarbeiten können.»
Die Rechnung hat er storniert
Kolbs Firma beziehe seit rund 20 Jahren IT-Leistungen von Dettling. Dieser will seinen langjährigen Kunden trotz der offenen Rechnung weiter unterstützen. «Ich werde ihn nicht hängen lassen, helfe ihm auch in Zukunft. Er kann und konnte sich immer auf meine Hilfe verlassen.» Nach der Blick-Berichterstattung hat Dettling Konsequenzen daraus gezogen: «Die noch offene Rechnung habe ich storniert.»
Ob Harry Kolb mit seinem Reisebüro in Kilchberg ZH Stephan Dettlings Rat aufnimmt und tatsächlich eine Geldsammelaktion startet, ist offen. Für Dettling wäre damit nicht nur dem Unternehmer geholfen. Er sagt: «Wenn die Firma gerettet ist, haben die Opfer ihr Geld und die Angestellten einen Job. Vielleicht meldet sich ja ein Fundraiser-Profi», so Dettling, der ergänzt: «Harry und seine Mitarbeiter hätten es verdient.»