Darum gehts
- Nicola Perot spielt Hauptrolle in SRF-Serie «Blind», Drehstart 2026
- Der Zürcher spricht sieben Sprachen und pendelt zwischen Helsinki und Tessin
- Seit 2026 mit Schauspielerin Saara Kotkaniemi verheiratet, zwei Kinder
Es riecht nach frisch gekochtem Kaffee im alten Steinhaus in Biogno bei Croglio TI. Nicola Perot steht am Herd, auf der Elektroplatte gluckert eine Bialetti-Kanne. «Ich liebe guten Kaffee», sagt der Schauspieler und schenkt ein. Dann plötzlich: ein Knall – eine Tür fällt ins Schloss. Er lacht. «Das sind nur meine Ahnen», scherzt er und deutet auf die antiken Möbel und Bilder im Raum.
Dieser Artikel wurde erstmals in der «Schweizer Illustrierten» publiziert. Näher dran – an Stars, Royals und Menschen mit Geschichten. Hier gehts zum Abo!
Dieser Artikel wurde erstmals in der «Schweizer Illustrierten» publiziert. Näher dran – an Stars, Royals und Menschen mit Geschichten. Hier gehts zum Abo!
«Das Haus stammt aus dem 17. Jahrhundert und ist seit Generationen im Besitz unserer Familie.» Schon als Kind sei er oft hier gewesen. «Heute ist es mein Rückzugsort. Hier lerne ich meine Texte.»
«Bisher war ich eher in Nebenrollen zu sehen»
So auch für seine neue Rolle in der SRF-Serie «Blind», nach dem Krimi von Bestsellerautorin und SI-Kolumnistin Christine Brand. In sechs Folgen, zu sehen auf Play SRF, verkörpert Perot den Kommissar Sandro Bandini. «Ich habe mich mega über die Zusage gefreut.» Die Hauptrolle war für den 35-Jährigen, bekannt aus Produktionen wie «Neumatt» oder «Tutti giù – Im freien Fall», ein Meilenstein. «Bisher war ich in der Schweiz eher in Nebenrollen zu sehen – und in Krimis oft der Böse. Mafiabosse und solche Typen halt», sagt er und grinst.
Für den muskulösen Bandini trainierte er auf Wunsch der Regie mit einem Personal Trainer. «Das war mega streng. Leider habe ich alles wieder verloren.» Perot verzieht das Gesicht und deutet auf seine schlanke Statur. «Krafttraining ist nicht meins. Ich jogge lieber.» Auch Bandinis Berner Dialekt forderte ihn. «Ich habe mir den Akzent richtig reingehauen», erzählt der Zürcher aus Grüningen ZH. «Irgendwann bin ich in den Flow gekommen. Sprachenlernen ist mein Hobby.»
Neuanfang im hohen Norden
Sieben Sprachen spricht er fliessend – darunter Finnisch. Seit 2023 lebt er unter anderem in Helsinki und pendelt zwischen Zürich und dem Tessin. Ist ihm der Umzug schwergefallen? Perot fährt sich durch die schwarzen Locken. «Es war ein krasser Change», sagt er. Damals habe er in Paris gelebt, war in einer Schauspielagentur. «Als ich alles aufgeben wollte, meinten meine Freunde: ‹Du bisch gstört!› Aber ich bin extrem impulsiv. Wenn ich ein gutes Gefühl habe, ziehe ich es durch. Und natürlich spielte meine Frau eine wichtige Rolle.»
Seit Mai 2026 ist er mit der finnischen Schauspielerin Saara Kotkaniemi (40) verheiratet. «Sie ist meine grösste Unterstützerin und meine härteste Kritikerin. Bei ihr weiss ich: Wenn ich nicht abgeliefert habe, sagt sie es mir.» Kennengelernt hat er sie 2021 am Set zum Drama «Power of Love» – Liebe auf den ersten Blick sei es aber nicht gewesen: «Ich war im Castingprozess nicht ihre erste Wahl», gesteht er. Grinsend fügt er an: «Zum Glück hat der Regisseur nicht auf sie gehört.»
Gemeinsam hat das Paar einen dreijährigen Sohn und Saaras zwölfjährige Tochter aus einer früheren Ehe. «Ich nenne sie meine Bonus-Tochter. Das finde ich viel schöner als Stieftochter», meint Perot. Dass Saara ebenfalls Schauspielerin ist, mache den Familienalltag flexibel, aber nicht einfacher. «Man muss Prioritäten setzen, kann nicht jede Rolle annehmen. Kommunikation ist alles bei uns. Uns ist wichtig, dass wir uns beide zu gleichen Teilen um die Kinder kümmern können.»
Nach intensiven Drehtagen sei die Familie sein «Nest»: «Ich bin sehr perfektionistisch und versinke gern mal in der Rolle», gesteht Perot, der 2015 mit dem Jurypreis des Schweizer Filmpreises ausgezeichnet wurde. Früher habe er «die fetten Filme» gesucht und es nach Hollywood schaffen wollen. «Das hat mich extrem unter Druck gesetzt.» Ende zwanzig habe er sich gefragt, ob ihm der Beruf auch ohne den grossen Erfolg genügt. Heute sei ihm klar: «Allein davon leben zu können, ist ein riesiges Glück!» Er fügt an: «Und meinen Kindern ist der Ruhm egal. Wenn ich vom Set heimkomme, bin ich einfach Papa.»
Herzensheimat im Tessin
Dass seine Liebsten ihn ab und zu auch ins Tessin begleiten, freut ihn besonders. «Ich bin an diesem Ort verwurzelt», sagt er und holt ein altes Fotoalbum aus der Stube. Er zeigt auf ein Bild: «Das bin ich als Bub mit meiner Nonna vor dem Haus.» Seine Grosseltern hätten damals viel Zeit und Arbeit in das Anwesen gesteckt. «Mir ist es wichtig, diese Kultur auch meinen Kindern mitzugeben», erklärt er. «Mit meinem Sohn rede ich darum Italienisch. In Finnland hört man das viel zu selten.»
Kann er sich vorstellen, irgendwann mit der Familie wieder in die Schweiz zu ziehen? Nicola Perot nickt schmunzelnd. «Meine Frau wäre wohl die Erste, die dem langen Winter entfliehen würde. Aktuell sind die Kinder aber noch zu stark in Finnland eingebunden.»
Bis es so weit ist, geniesst er die Auszeiten in seinem Biogno – und den guten Kaffee aus der Bialetti-Kanne.