Darum gehts
- Mitarbeitende von Radio SRF verfassen Protestbrief
- Kritisiert wird die Absetzung der bisherigen Auslandchefin Susanne Brunner
- Doch auch die grundsätzliche Strategie der SRF-Oberen wird negativ bewertet
In einem Protestbrief an die Co-Leitung der Information haben 120 Mitarbeitende des Schweizer Radios ihren Unmut über die Absetzung von Auslandchefin Susanne Brunner (62) ausgedrückt, wie die «Aargauer Zeitung» berichtet. Die Unterschriftensammlung läuft weiter.
Die Unterzeichneten zeigen sich «tief beunruhigt über das, was in den letzten Tagen in unserer Abteilung passiert ist». Brunner habe nicht nur ihre Führungsfunktion verloren, sondern sei «dazu gebracht worden, SRF zu verlassen». Die Verantwortlichen hätten es versäumt, für Brunner einen «angemessenen Platz in den neuen Strukturen» zu finden.
Umstrittene Zukunftsstrategie
Aktuell fusioniert SRF die Radio- und Fernsehabteilungen. Dabei entsteht nicht nur gegen aussen der Eindruck, dass die Unternehmensleitung damit einzelne unliebsame Kaderleute loswerden kann, die nicht mehr zur Zukunftsstrategie des Senders passen.
Brunner ist seit 40 Jahren für SRF tätig, so als USA- und Nahost-Korrespondentin und als langjährige Leiterin des Formates «Tagesgespräch». Seit 2022 ist sie Radio-Auslandchefin.
Doch im Brief geht es um weit mehr als nur die Personalie von Brunner. Die Mitarbeitenden schreiben darin, dass bei der «Neustrukturierung des Unternehmens keine publizistischen Überlegungen» erkennbar seien. «Welchen Journalismus streben wir mit diesen Veränderungen überhaupt an? Dazu haben wir wenig gehört in den letzten Wochen und Monaten.»
Im Vordergrund stehe bei SRF offenbar vor allem die Distribution, also die Frage, auf welchen Kanälen die Inhalte nach aussen gelangten. Doch die Substanz der Beiträge sei mindestens ebenso wichtig. «Ohne gute Inhalte kann unsere Strategie noch so modern, nutzerorientiert und trimedial sein – wir werden unserer Einschätzung nach an Bedeutung verlieren.»
Das sagt die SRF-Medienstelle
Die SRF-Medienstelle reagiert wie folgt: «SRF nimmt den Brief zur Kenntnis und wird die darin geäusserten Anliegen intern aufarbeiten.» Zu einzelnen personellen Angelegenheiten äussere sich SRF aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nicht.
Es wird betont, dass bei einem solchen Veränderungsprozess per se nicht alle bisherigen Führungsrollen weitergeführt werden könnten. Die Publizistik spiele bei der Zusammenführung der Chefredaktionen und auch im übergeordneten SRG-Transformationsprojekt «Enavant» jedoch eine zentrale Rolle.