Zu wenig günstige Wohnungen
1000 Einsprachen gegen den Riesen-Turm in Lausanne

Die SBB planen eine Mega-Überbauung in Lausanne. Diese sorgt für eine Flut an Einsprachen. Und sorgt für Kritik aus der Politik: Der Bahnkonzern sei zu einem Immobiliengigant geworden, der zu wenig sozial baue, sagt ein SP-Ständerat.
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So soll der riesige Turm aussehen, den die SBB neben dem Bahnhof Lausanne aufstellen wollen.
Foto: zVg

Darum gehts

  • Massiver Widerstand gegen SBB-Projekt in Lausanne: 1000 Einsprachen eingereicht
  • Geplantes Quartier umfasst Turm, nur 20 Prozent günstige Wohnungen, kritisieren Gegner
  • SBB erzielte seit 2003 Einnahmen von 3,5 Milliarden Franken bei den Immobilien, die in die Infrastruktur flossen
Lucien Fluri
Lucien FluriCo-Ressortleiter Politik

Die SBB fahren nicht nur Züge. Der Transportbetrieb ist schon längst auch ein Immobilienkonzern, der nicht nur in seinen Bahnhöfen Läden vermietet. Die SBB können auch ganze Städte verändern. Rund um die Bahnhöfe stellt die Firma schweizweit riesige Überbauungen und ganze Quartiere hin. Bekanntestes Beispiel: Die Europaallee in Zürich. Aber auch in Genf oder Lausanne sind solche Projekt realisiert oder in Planung.

In Lausanne aber gibt es jetzt massiven Widerstand. Fast 1000 Einsprachen sind gegen ein neues Quartier eingegangen, das die SBB gemeinsam mit dem Konzern Mobimo beim Bahnhof bauen will. Heute sind dort Liegenschaften von den SBB und der Post. Geplant wäre unter anderem ein neuer grosser Turm. Er würde die Skyline der Stadt stark verändern, monieren Kritiker gegenüber dem Westschweizer Fernsehen RTS. Darüber hinaus stört die Kritiker, dass ein Grossteil der Fläche fürs Gewerbe vorgesehen ist und nur 20 Prozent der Wohnungen im günstigeren Segment liegen sollen.

Politiker möchte mehr günstige Wohnungen

Der Widerstand könnte politisch Folgen haben. Die Einsprecher versuchen ein Referendum aufzugleisen. Und der Genfer SP-Ständerat und Mieter-Vertreter Carlo Sommaruga (66) kritisiert Bund und SBB. Man habe es verpasst, der SBB Vorgaben zu machen, als der Konzern vom Staat losgelöst wurde. Die SBB schaue bei den Bauten nicht auf soziale Komponenten, sondern fahre eine luxuriöse Strategie. Dabei hätten die Grundstücke einst der Allgemeinheit gehört. Oder dritte waren für die - nunmehr nicht mehr benötigten - Infrastrukturen enteignet worden.

Die SBB müssen, so die früheren Auflagen des Bundes, die Pensionskasse alimentieren. Zudem fliessen die Einnahmen in die Infrastruktur. Seit 2003 waren dies laut SRF 3,5 Milliarden Franken. Die SBB betonen zudem, dass bei der Überbauung ein Park realisiert werde und grosse Teile der Anlage öffentlich zugänglich seien.

Rund 4500 Wohnungen besitzt die SBB laut Angaben 2024. Für Kritik sorgte etwa, dass die Mieten möglichst hoch sein sollen, wie Blick schon 2022 geschrieben hat. Auch die Frage gleich langer Spiesse stellt sich wegen eines gesetzlich festgelegten Vorteils immer wieder: An den Bahnhöfen dürfen die Läden länger geöffnet haben, unabhängig von den Öffnungszeiten, die in einzelnen Kantonen herrschen.

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