Darum gehts
- Zum Jahrestag rufen Linksradikale in Bern zur illegalen Demo auf
- 2025 brannten Möbel; es gab Gewalt und 536 Festnahmen
- Polizei ist bereit; Amnesty kritisierte den alten Einsatz
Die Erinnerung an die Zerstörung sass tief. Vor dem traditionsreichen Restaurant Della Casa im Berner Stadtzentrum hatten Demonstrierende am 11. Oktober 2025 Tische und Stühle angezündet – beinahe hätte das 500-jährige Gebäude gebrannt, während Mitarbeitende im Innern eingeschlossen waren. «Schreiner, Maler, Gipser – ich musste diverse Handwerker aufbieten», sagte Wirt Tobias Burkhalter gegenüber SRF. Auch zu antisemitischen Äusserungen war es damals gekommen. Entsprechend gross war im Vorfeld die Sorge, dass sich die Gewalt zum Jahrestag wiederholen könnte.
Genau ein Jahr später riefen dieselben linksradikalen Kreise unter dem Motto «Smash Imperialism» erneut zum umbewilligten Protest auf. Treffpunkt war am frühen Sonntagnachmittag unter anderem der Rosengarten. Später forderten die Organisatoren die Teilnehmer online auf, sich in kleineren Gruppen Richtung Altstadt zu verschieben und gleichzeitig vor verschiedenen Orten zu protestieren – etwa vor dem Rathaus und dem Sitz des Energieunternehmens BKW.
Demonstranten entgehen Einkesselung
Die Polizei liess die Demonstrierenden jedoch nicht in die Altstadt vorrücken: Die Nydegg-Brücke und die Brücke beim Bärengraben wurden abgeriegelt. Insgesamt gelang es dem grossen Polizeiaufgebot am Nachmittag gut, die Dynamik der Demonstration zu bremsen und Ausschreitungen zu verhindern. Umgekehrt schafften es die Demonstrierenden, eine Einkesselung durch die Polizei zu vermeiden.
Wie heftig die Ausschreitungen vor einem Jahr gewesen waren, zeigen die Zahlen: Die Polizei hatte damals 536 Personen angehalten. Mithilfe von Videoaufnahmen wurden später 101 Straftäterinnen und Straftäter identifiziert, gegen 75 von ihnen wurde Anzeige eingereicht – unter anderem wegen Landfriedensbruchs, Sachbeschädigung und Körperverletzung. Urteile sind bisher keine gefallen. Umstritten bleibt der damalige Polizeieinsatz: Amnesty International kritisierte ihn scharf und hielt fest, die Polizei habe ungerechtfertigt und unverhältnismässig Gewalt angewendet.
Die Ereignisse vom Herbst 2025 hatten bis ins Bundeshaus politische Folgen. National- und Ständerat entschieden, dass vorläufige Festnahmen künftig bis zu 48 statt 24 Stunden dauern können; zudem sollen Organisatoren von Demonstrationen für Sachschäden zur Kasse gebeten werden können.
Polizei spricht von «einzelnen Verunreinigungen»
Am Sonntag gegen 18 Uhr zogen die verbliebenen Demonstrierenden zur Schützenmatte, dem Platz beim alternativen Zentrum Reitschule. Dort waren für den Abend noch eine Verpflegung («Küche für alle») sowie ein Kinofilm zu Palästina angekündigt – diese Versammlung wurde von der Polizei zugelassen. Viele Teilnehmende hatten sich zu diesem Zeitpunkt bereits wieder zerstreut. Auch die Polizei konnte ihre Präsenz am Abend reduzieren. Sie bleibe aber weiterhin mit einem sichtbaren Dispositiv im Einsatz, heisst es auf der Plattform X.
Am Abend meldete die Kantonspolizei Bern, dass die Kundgebung ohne grössere Zwischenfälle verlaufen sei. Am Rande des Umzugs sei es zu einzelnen Verunreinigungen gekommen. «Wir haben Personenkontrollen durchgeführt und vereinzelt Material sichergestellt», so die Polizei. Eine Person, die sich von der Kundgebung gestört fühlte und mehrere Messer bei sich trug, sei angehalten und für weitere Abklärungen auf eine Wache gebracht worden.