Tötungsdelikt im Emmental: Schüsse, ein toter Sohn, ein Vater, der Stunden später ebenfalls stirbt. Was sich genau in den Abendstunden des Montags in einem Haus in Lauperswil BE abgespielt hat, ist noch unklar.
Fakt ist: Gegen 20.50 Uhr wird der Notruf abgesetzt. Als die Einsatzkräfte im Haus der Familie ankommen, ist der Sohn (†49) bereits tot. Der Vater (†84) lebt noch, ist aber schwer verletzt. Beide Männer haben Schussverletzungen. Die Polizei findet eine Schusswaffe. Ein Rega-Helikopter bringt den Vater ins Spital. Dort stirbt er am Dienstag.
Einen Tag später wendet sich die Polizei an die Öffentlichkeit. Sie geht von einem «Tötungsdelikt mit anschliessender Selbsthandlung» aus. Heisst: Einer hat den anderen getötet und dann auf sich selbst geschossen.
«Ich habe ein wenig Angst»
Auch am Mittwoch ist die Stimmung gedrückt, als Blick vor Ort mit einer Frau spricht. Sie befindet sich auf dem Grundstück der Familie und giesst Pflanzen. «Eigentlich hätte ich am 1. November in die obere Wohnung des Hauses einziehen sollen», sagt die künftige Nachbarin. «Meine Pflanzen sind schon hier». Sie wisse aber nicht, was jetzt der Stand sei und was nun passiere. «Ich habe ein wenig Angst.» Die Frau sagt, sie habe erst am Mittwoch von der Tat erfahren.
Die betroffene Familie kenne sie seit zwei Monaten, sagt sie. «Sie waren sehr lieb. Ich kann es gar nicht realisieren, dass so etwas Furchtbares passiert ist.» Später kommt auch die Tochter des 84-Jährigen und somit Schwester des 49-Jährigen zum Haus. Sie hat am Montag ihren Vater und ihren Bruder verloren. Die künftige Nachbarin spendet ihr Trost und umarmt die Tochter. Die beiden Frauen reden auf einem Bänkli lange miteinander.
In den letzten zwei Monaten hat die künftige Nachbarin einiges über die betroffene Familie erfahren. Etwa vom schlechten Gesundheitszustand der beiden Männer: «Der Sohn hatte eine Behinderung und konnte nicht sprechen.» Und: «Der Vater hatte mit dem Alter zu kämpfen. Er litt an Schmerzen und konnte nur noch sehr gebückt laufen.»
Unklar ist, wer wen erschossen hat
Wer welche Rolle in dieser Gewalttat hatte, bleibt rätselhaft. Die Berner Polizei schreibt zwar Folgendes: «Den bisherigen Erkenntnissen zufolge muss von einem Tötungsdelikt mit einer anschliessenden Selbsthandlung ausgegangen werden.» Auf Blick-Nachfrage will sie jedoch nicht sagen, wer zuerst den anderen Mann erschossen und danach sich selbst gerichtet hat. Und wer das Opfer in diesem Tötungsdelikt ist.