U63DYC4yN3buBe_poster.jpg
0:33
Leservideo zeigt Moment:Hier wird der mutmassliche Täter verhaftet

Schuldig des mehrfachen Mordversuchs – Prozesskosten von Fr. 180'000
Zürcher Terror-Teenie zu einem Jahr Gefängnis verurteilt

Im März 2024 kam es in Zürich zur Horror-Tat: Ein damals 15-jähriger IS-Anhänger attackierte einen orthodoxen Juden mit einem Messer. Er machte sich des mehrfachen Mordversuchs schuldig. Die Prozesskosten sind horrend – bezahlen muss er kaum etwas.
1/5
Heute startet am Jugendgericht Dielsdorf der Prozess gegen den 17-Jährigen, der 2024 versucht hatte, einen Juden zu töten.
Foto: RMS

Darum gehts

  • 17-jähriger Anhänger des Islamischen Staats (IS) verletzte Juden am 2. März 2024 in Zürich
  • Täter lud Bekennervideo acht Stunden vor der Tat im Internet hoch
  • Urteil: Schuldig des mehrfachen versuchten Mordes

Die Tat schockierte die Schweiz. Am 2. März 2024 griff ein damals 15-jähriger Anhänger des Islamischen Staats (IS) in Zürich einen orthodoxen Juden mitten auf der Strasse an. Das Opfer kam mit lebensgefährlichen Verletzungen in ein Spital und überlebte. Der Täter muss sich heute vor Gericht verantworten.

Bei dem mutmasslichen Täter handelt es sich um einen Schweizer Staatsbürger, der mit drei Jahren eingebürgert wurde. Geboren wurde der Angreifer in Tunesien, diesen Pass besitzt er ebenso.

Nach der Horror-Tat zeigten Recherchen: Der Jugendliche trieb sich vor seiner Tat in kruden Online-Netzwerken umher. Anfänglich harmlose Google-Suchen mündeten in Märtyrer-Fantasien. Die Radikalisierung gipfelte schliesslich in einem Bekennervideo, das er wenige Stunden vor seinem Angriff auf offener Strasse ins Internet hochgeladen hatte.

«So viele Juden wie möglich töten»

Die Anklageschrift enthüllt, dass der Zürcher über Tage und Wochen geplant hatte, «so viele Juden wie möglich zu töten». Im Netz tauschte er sich auf der Suche nach einem geeigneten Tatmittel mit einem Gleichgesinnten darüber aus, wie man am besten Sprengstoff herstellt.

Nachdem ihm aber die Herstellung einer Bombe offenbar zu kompliziert war, entschied der Angreifer sich laut der Anklageschrift, ein Messer als Waffe zu verwenden. Er kaufte sich anschliessend am Tag vor der Tat im Glattzentrum in Wallisellen ZH ein Steakmesser. In den sozialen Medien fragte er einen Unbekannten: «Zu welcher Zeit treffen sich die Juden?» Er habe es darauf abgesehen, Juden beim Gebet in einer Synagoge umzubringen.

Am Abend des 2. März betrat er um 21.20 Uhr die Treppe der Synagoge und versuchte, einzudringen. Er streamte dabei alles live und sagte, an seine Follower gerichtet: «Ach, so ein Mist. Die Tür ist geschlossen. Ich werde also einzelne Operationen durchführen.» Draussen angekommen, war er weiterhin entschlossen, Juden zu töten. Nach vier Minuten und 20 Sekunden traf er am späteren Tatort auf sein Opfer, das auf dem Weg zu seiner Familie war.

Als der damals 50-Jährige im Hauseingang der Liegenschaft klingelte, fiel ihn der Jugendliche von hinten mit ausgestrecktem Messer an und stach auf ihn ein. Erst zielte er auf Hals und Kopf, schliesslich wollte er dem Familienvater gar die Kehle durchschneiden. Insgesamt fügte er ihm 17 Messerstiche zu.

Überlebenskampf auf Motorhaube

Sein Opfer schaffte es, mehrere Meter auf die Strasse zu flüchten, doch der Angeklagte verfolgte ihn. Er rief verzweifelt nach Hilfe, während der Teenager immer weiter auf ihn einstach und nicht von ihm abliess.

Schliesslich kam es auf der Motorhaube eines an einem Rotlicht wartenden Autos zum Gerangel zwischen Täter und Opfer. Passanten schafften es, den Angreifer zu überwältigen. Das Opfer sank schwer verletzt zusammen. Der Mann erlitt mehrere Verletzungen an der Lunge, weshalb er notoperiert werden musste.

Tat live im Netz gestreamt

Erschreckend: Die ganze Tat wurde live gestreamt. Das Video wurde erst nach der Festnahme des Jugendlichen von der Polizei abgeschaltet. Noch während der junge Mann festgenommen am Boden sass, rief er immer wieder: «Ich muss alle Juden töten.»

Der Schweiz-Tunesier ist unter anderem wegen mehrfach versuchten Mordes angeklagt. In der Anklageschrift wird ihm zudem vorgeworfen, pornografisches Material, das sexuelle Handlungen mit Tieren oder nicht tatsächliche sexuelle Handlungen mit Minderjährigen zeigt, verbreitet zu haben.

Die Ermittler fanden auf seinem Handy eine Reihe an verstörenden Aufnahmen, die Hinrichtungen oder Gräueltaten zeigen.

Verstörende Aufnahmen auf dem Handy

In der Anklageschrift werden elf Gewaltdarstellungen besonders hervorgehoben. Die Zeit im Internet scheint den Teenager in die Welt der IS-Propaganda-Maschinerie geführt zu haben. Neben Erschiessungen, Enthauptungen und Verbrennungen fanden die Ermittler auf seinem Smartphone auch Aufnahmen, in denen Menschen von einem Panzer überrollt werden.

Die Jugendanwaltschaft fordert unter anderem eine Freiheitsstrafe von einem Jahr sowie weitere Massnahmen wie eine Unterbringung in einer Erziehungs- oder Behandlungseinrichtung für den mutmasslichen Täter.

In diesem Artikel erwähnt
Meistgelesen