Zum Verbandspräsidenten gewählt
Darum ist Ex-SCB-Boss Marc Lüthi die letzte Hoffnung

Während Jahren gehörte er zu den härtesten Kritikern. Jetzt wurde Marc Lüthi am Donnerstagabend zum VR-Präsidenten des Eishockeyverbandes gewählt – und kann zeigen, dass er es besser weiss.
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Marc Lüthi ist der neue Boss des Schweizer Eishockeyverbandes.
Foto: Claudio De Capitani/freshfocus

Darum gehts

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Am Donnerstagabend wählten die Delegierten Marc Lüthi (65) an einer ausserordentlichen Generalversammlung mit grosser Mehrheit zum neuen VR-Präsidenten der Swiss Ice Hockey Federation (SIHF). Der Mann, der während 28 Jahren bis im Frühling der grosse Macher beim SC Bern war, setzt sich auf einen heissen Stuhl. Er ist der vierte Präsident innert zwei Jahren.

Sein Vorgänger Urs Kessler hatte nur einen Tag nach der Finalniederlage an der Heim-WM in Zürich gegen Finnland per sofort seinen Hut genommen. Dabei überraschte nur der Zeitpunkt des Rücktritts des langjährigen Chefs der Jungfraubahnen nach nur neun Monaten. Kessler hatte sich im Dickicht der Verbandspolitik ohnmächtig gefühlt und war zum Schluss gekommen, dass er «nicht die richtige Person» dafür sei.

Bereits im Vorfeld von Kesslers erwartetem Abgang hatten im Umfeld der National League erste Gespräche über einen Nachfolger begonnen. Und Lüthi, der nach seinem Ausstieg beim SCB nun Kapazität hatte, soll signalisiert haben, dass er sich zur Verfügung stellen würde, falls sich niemand anders finden lassen würde.

Nach Kesslers Rücktritt ging es dann zügig. Lüthi wurde in Gesprächen darin bestärkt, dass er der richtige Mann für das Amt sei. Bereits neun Tage später stand die Kandidatur Lüthi. Anlässlich einer Verwaltungsratssitzung der National League stellten sich alle 14 Klubs der National League hinter Lüthi und in einem Video-Call holte man auch die Unterstützung der grossen Mehrheit der Swiss-League-Vereine ab. Einzig Sierre und La Chaux-de-Fonds sprachen sich noch gegen Lüthi aus, während sich Bellinzona der Stimme enthielt.

Vize Anner machte Stimmung gegen Lüthi

Mit den Profi-Klubs im Rücken stürzte sich Lüthi in den Wahlkampf. Während er sich öffentlich nicht äusserte, suchte er das Gespräch auch mit jenen aus dem Amateursport, die Bedenken bezüglich seiner Kandidatur hatten. Schliesslich hatte sich Lüthi in all den Jahren als konsequenter Vertreter der Anliegen des SC Bern und der National League und als Verbandskritiker, der sich nie vor klaren Worten scheute, nicht nur Freunde gemacht. Dabei konnte der eloquente und charismatische einstige TeleBärn-Moderator mit seinem hemdsärmeligen Charme Vorurteile aus der Welt schaffen und viele überzeugen. Auch Sierre-Boss Chris McSorley.

Insider sind überzeugt, dass Lüthi auch in Zukunft diesen Kurs und seine «Tour de Suisse» mit dem Dialog mit allen Kräften des Schweizer Eishockeys fortsetzen und sich auch die Anliegen aus dem Amateur-, Nachwuchs- und Frauenbereich anhören wird.

Ein erstes Zeichen hat Lüthi diesbezüglich schon gesetzt: Am Freitag tritt er an einer Medienkonferenz auf – und zwar im zweisprachigen Fribourg, in der BCF-Arena des Meisters und Erzrivalen des SCB. An seiner Seite wird Marc-Anthony Anner sein, der SIHF-Vizepräsident und Strippenzieher des Amateur-Hockeys, der in den letzten Wochen in den Regionen noch Stimmung gegen Lüthis Kandidatur gemacht hatte. Getreu dem Motto aus «Der Pate II»: «Halte deine Freunde nahe bei dir, aber deine Feinde noch näher.»

«Marc weiss, worauf er sich einlässt»

Im Gegensatz zu seinen Vorgängern hat Lüthi den Vorteil, dass er das Schweizer Hockey kennt und sich auch nicht mehr vorstellen muss. Von ihm werden keine Papiertiger und Konzepte, sondern pragmatisches Anpacken erwartet. Denn Probleme gibt es genug. Die heissesten Eisen sind dabei die Finanzen und Aussendarstellung des Verbandes, das Problemkind Swiss League und der Dialog zwischen SIHF und National League, der in den letzten Jahren nahezu auf Eis gelegt war.

Doch wird Lüthi nicht wie sein Vorgänger bald desillusioniert sein, weil er als Präsident keine Entscheide fällen und Leute entlassen kann, weil ihm durch die Verbandsstrukturen die Hände gebunden sind? «Marc weiss, worauf er sich einlässt. Für ihn wird es keine Überraschungen geben», glaubt ein Branchenkenner. Im NL-Umfeld ist Lüthi die letzte Hoffnung. «Wenn er es nicht schafft, werden wir die Probleme nie lösen können», lautet der Tenor.

Auch im Pensionsalter ist Lüthi noch voller Tatendrang. Im Sommer gründete er mit zwei Partnern die KMU-Beratungsfirma «The Hattrick». Und nun stellt er sich der Herausforderung als Verbandspräsident. Jetzt bekommt der langjährige SIHF-Kritiker die Chance, zu zeigen, dass er es besser kann.

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