In Ambri hatte man die düsteren Prognosen der Experten und der Medien mitgekriegt. Für die Tessiner war einer der beiden letzten Plätze reserviert, auch Blick tippte das Team auf den letzten Platz. Doch nach den ersten sechs Spielen haben die Biancoblù die Vorhersagen erst einmal im Papierkorb versenkt und sich mit vier Siegen und elf Punkten auf Platz 2 gesetzt.
«Es hiess, wir hätten die schlechtesten Ausländer und zu wenig Substanz im Team», sagt Trainer Jussi Tapola (52). Hat Ambri die Prognosen als Motivation genutzt und die Tipp-Tabellen in der Kabine aufgehängt? «Wir haben mit dem Team darüber gesprochen», so der Finne, «und gesagt, dass es die beste Position ist, um zu beweisen, dass wir besser sind als viele glauben.»
Seine Mannschaft spielt, als wäre sie besessen davon, alle Lügen zu strafen: Sie spielt mit viel Feuer und Leidenschaft, stürzt sich furchtlos und bissig auf den Gegner. «Es beginnt mit dem Glauben und damit, dass jeder sein Bestes aufs Eis bringt», sagt Tapola.
«Wir brauchen auch die erfahrenen Spieler»
Die neue Führung des Klubs mit Präsident Davide Mottis und Sportchef Lars Weibel hatte im Frühling aufgrund der finanziellen Situation (gegen 30 Mio. Franken Schulden, unter anderem aufgrund von Stadion- und Covid-Krediten) eine Saison der Stabilisierung ausgerufen, ganz ohne tabellarische Ziele. In der aktuellen Situation sei das Wichtigste, dass man in jedem Spiel alles gebe, erklärt Tapola.
Wie weit kann der Ambri-Höhenflug noch gehen? «Darauf fokussieren wir uns nicht. Unser Ziel ist es, den Klub zu stabilisieren. Die Saison ist noch lang», wehrt Tapola ab. «Wir konzentrieren uns auf das nächste Training und dann auf das nächste Spiel. Wir wissen, dass wir mit Zwerger, Bürgler und Zgraggen wichtige Routiniers verloren haben.»
Im Sommer entschied man sich für ein neues Captains-Team, was auf Skepsis stiess. Der neue Captain Tommaso De Luca ist 21 Jahre alt, dessen Assistent Nathan Borradori 20. Beim Derby-Sieg vom Samstag in Lugano (5:3) reihten sich die beiden Eigengewächse unter die Torschützen.
Dass jüngere Spieler Captains werden, sei auch ein Trend in der NHL, wo zuletzt bei San Jose Macklin Celebrini (20) und bei Chicago Connor Bedard (21) das C bekamen, so der ehemalige Lehrer. «Doch wir brauchen auch die erfahrenen Spieler.»
Tapola wäre nicht Tapola, wenn er sich nur an den Torschützen orientieren würde. «Wichtig sind für uns auch Spieler wie beispielsweise Pezzulo oder die Dotti-Brüder, die Schüsse blocken oder in Unterzahl wertvolle Arbeit verrichten.»
«Das ist das Beste am Schweizer Eishockey»
Bisher zeigt Ambri grossen Team-Spirit und viel Moral. Erstaunlich, wenn man bedenkt, dass mehrere Spieler – André Heim bei Servette und Miles Müller sowie Manix Landry bei Lausanne – für nächste Saison schon anderswo unterschrieben haben. «Sie verstehen, dass sie in dieser Saison noch einmal alles für Ambri geben müssen.»
Tapola weiss, wie schnell es gehen kann. Jetzt ist er mit Ambri im Hoch, im Frühling wurde er als Assistenzcoach mit Finnland Weltmeister, nachdem er vor knapp einem Jahr beim SCB gefeuert wurde. «Das gehört zum Business. In Finnland wurde bereits der erste Trainer entlassen. Man muss mit den Füssen am Boden bleiben.»
Haben ihm nach dem Derby-Sieg viele auf die Schulter geklopft? «Ich blieb zu Hause, schaute Hockey am TV und war im Gym. Doch die Emotionen beim Spiel waren fantastisch. Das ist das Beste am Schweizer Eishockey.»
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Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | ZSC Lions | 10 | 18 | 27 | |
2 | Genève-Servette HC | 11 | 4 | 21 | |
3 | SCL Tigers | 11 | 7 | 19 | |
4 | HC Fribourg-Gottéron | 11 | 9 | 18 | |
5 | HC Ajoie | 11 | -3 | 16 | |
6 | HC Ambri-Piotta | 10 | -6 | 15 | |
7 | HC Lugano | 10 | 3 | 15 | |
8 | Lausanne HC | 11 | -4 | 15 | |
9 | SC Bern | 9 | 1 | 14 | |
10 | EV Zug | 7 | 10 | 13 | |
11 | HC Davos | 11 | -4 | 13 | |
12 | SC Rapperswil-Jona Lakers | 11 | -14 | 11 | |
13 | EHC Biel | 10 | -4 | 10 | |
14 | EHC Kloten | 11 | -17 | 9 |