Falls Slavisa Jokanovic (58) irgendwelche romantischen Vorstellungen gehabt hätte: Nach nicht einmal drei Wochen in Basel weiss der Serbe garantiert, worauf er sich beim FC Basel eingelassen hat. 3:7 im Test gegen Absteiger Winterthur. 0:3 gegen Aufsteiger Vaduz. Die ersten Spiele des FCB-Trainers haben gnadenlos offengelegt, woran gearbeitet werden muss.
Der Angriff ist ein laues Lüftchen
In der 66. Minute hätten die Fans des FC Basel problemlos die Heimreise aus Vaduz antreten können. Zan Celar (27) schiesst aus weiter Distanz ohne jede Chance auf einen Torerfolg.
Danach? Kommt bis zum Abpfiff tatsächlich kein einziger Basler Abschluss mehr. Es kommt einem offensiven Offenbarungseid gleich, was der FCB am Sonntag im Rheinpark zeigt.
Der Basler Angriff ist maximal ein laues Lüftchen. Und das ist kein Ausreisser nach unten. Pro Begegnung erspielen sich die Basler im Schnitt Chancen für bloss ein Tor. Das ist der zweitschlechteste Wert der Liga. Nur der Tabellenletzte Lausanne ist im Angriff noch ideenloser als Rotblau.
Xherdan Shaqiri (35) ist ein Schatten seiner selbst
41 Pässe spielt er gegen Vaduz in 92 Minuten. Mehr als ein Drittel davon kommt nicht an. Der einzige Ball zu einer Torchance gelingt ihm mit einem Corner. Xherdan Shaqiri ist in Vaduz ein Schatten seiner selbst.
Der FCB-Star hat im ersten Spiel nach Stephan Lichtsteiners (42) Entlassung gegen Luzern geglänzt. Grundsätzlich aber ist er seit Monaten weit von den prägenden Leistungen aus der Double-Saison entfernt. Wer seine aktuellen Statistiken mit jenen aus dem Meisterjahr vergleicht, sieht: Shaqiri schiesst weniger, er kreiert weniger Chancen für seine Mitspieler, er trägt ganz allgemein weniger zum Spiel seiner Mannschaft bei.
Bislang hat es der Trainer mit verbalen Streicheleinheiten versucht. Etwa nach dem Test in Winterthur, als er über seinen Captain gesagt hat: «Seine unglaubliche Qualität hat er in seiner grossen Karriere zur Genüge unter Beweis gestellt.»
Was er damit sicher nicht gemeint hat: Dass sich Shaqiri auf den Lorbeeren der Vergangenheit ausruhen soll. Jokanovic muss seinen Captain dringend aus seinem Dornröschenschlaf wecken.
Die Verteidiger sind komplett von der Rolle
Manchmal helfen Statistiken, um etwas zu sehen, was sonst verborgen geblieben wäre. Am Sonntag reicht eigentlich der Blick aufs Spielfeld, um zu erkennen: Die Abwehr des FCB ist komplett von der Rolle. Clément Michelin (29) hat beim 0:1 offenbar keinen Bock auf mühsame Abwehrarbeit. Moussa Cissé (23) ist grundsätzlich überfordert.
Draussen sitzt Keigo Tsunemoto (27), der derzeit nur für etwas zu gebrauchen ist: Als Hinweis darauf, dass ständige Umbrüche in einem Klub doch nicht spurlos an den Spielern vorübergehen. Und im Zentrum wirken die routinierten Innenverteidiger Flavius Daniliuc (25) und Becir Omeragic (24), als seien sie gerade dabei, eine neue Position zu lernen.
Es wirkt mit Blick auf die Leistung in Vaduz fast unglaublich: Aber der FCB hatte zum Saisonstart tatsächlich die beste Abwehr der Liga. Wohin auch immer diese Stabilität verschwunden ist – Jokanovic muss sie dringend wiederfinden.
Null Zusammenhalt im Team
Spätestens der zweite Gegentreffer in Vaduz sagt alles über den aktuellen FCB: In zwölf Pässen spielen die Vaduzer den Ball von hinten rechts nach vorne links, bis Marcel Monsberger (25) per Kopf trifft.
In den 34 Sekunden, die der Angriff dauert, kommt kein einziger Basler in einen Zweikampf. Basel ist da gerade bloss zu zehnt, weil Omeragic nach einer Verletzung draussen steht. Eine funktionierende Mannschaft kompensiert so etwas. Der FCB aber wirkt wie eine Gruppe von Individualtouristen, die per Zufall gemeinsam auf einem Fussballplatz gelandet sind.
Das ist dann wohl die entscheidende Aufgabe für Slavisa Jokanovic: Dass er dieser Ansammlung an vermutlich talentierten Fussballern klarmacht, dass sie einen Mannschaftssport betreiben. Sonst wird das eine ganz bittere Saison in Basel.
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Lugano | 10 | 24 | 28 | |
2 | BSC Young Boys | 10 | 15 | 22 | |
3 | FC Sion | 10 | 6 | 19 | |
4 | FC St. Gallen | 10 | -2 | 16 | |
5 | FC Zürich | 10 | -4 | 14 | |
6 | Servette FC | 10 | 1 | 13 | |
7 | FC Basel | 10 | -3 | 13 | |
8 | FC Luzern | 10 | -5 | 12 | |
9 | FC Thun | 10 | -10 | 10 | |
10 | FC Vaduz | 10 | 0 | 9 | |
11 | Grasshopper Club Zürich | 10 | -13 | 8 | |
12 | FC Lausanne-Sport | 10 | -9 | 6 |