Schmierentheater im Waadtland
Wie aus dem Abgang eines Lausanne-Juniors eine Affäre wurde

Ein Schweizer Nachwuchs-Internationaler wechselt den Verein. Eigentlich nichts Aussergewöhnliches. Doch der Fall des 18-jährigen Ilija Despotovic von Lausanne zu Red Star Paris in die französischen Ligue 2 zeigt, mit welch harten Bandagen im Fussball gekämpft wird.
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Ilija Despotovic in seinen neuen Farben. Der junge Stürmer aus dem Kanton Waadt hat bei Red Star unterschrieben.
Foto: @redstarfc

Der Auslöser der Affäre ist eine Nachricht vom 14. August. Während sich Lausanne auf das Cupspiel am selben Abend gegen Kosova Neuchâtel vorbereitet, erhält CEO Vincent Steinmann ein E-Mail von Ilija Despotovic (18). Nichts Besonderes, da der junge Stürmer seine Ausbildung im Verein absolvierte.

Steinmann, der gerade in einem Meeting sitzt, wirft dennoch einen kurzen Blick auf das E-Mail und ist verblüfft. Denn der Teenager Despotovic bekundet darin seinen Wunsch, die Ausstiegsklausel in seinem bis 2029 laufenden Vertrag per sofort in Anspruch zu nehmen.

Das «per sofort» hat einen triftigen Grund. Würde Despotovic nämlich ein paar Stunden später im Cupspiel für Lausanne auflaufen, würde er zu seinem dritten Profi-Einsatz kommen, womit die Klausel im Vertrag nichtig geworden wäre.

Der Klub wählt den Gang an die Öffentlichkeit, gibt ein Communiqué heraus und spricht von einem «Rücktritt» des Spielers. Der Frust ist spürbar, denn der Schweizer Nachwuchs-Internationale durchlief die gesamte Juniorenabteilung bei Lausanne. Der Klub hat den Spieler zudem bei dessen beruflicher Ausbildung begleitet, weil Despotovic eine Lehre in den Vereinsbüros absolvieren konnte.

Berater-Wechsel im Frühjahr

Beraten wird Despotovic von Ismaël Piller. Dieser gehört zur Gilde der jungen und aufstrebenden Generation von Spielerberatern. Sein Handwerk lernte er bei Michel Urscheler, dem Sohn des legendären Max Urscheler, der seit Jahren mit seiner Firma Gold Kick Teil der Schweizer Fussballszene ist.

Im Frühjahr kommt es zum Bruch zwischen Piller und Urscheler, was insofern brisant ist, da Piller den lukrativsten Spieler von Gold Kick, Nati-Shootingstar Johan Manzambi, zu seinem neuen Arbeitgeber The Team (früher Wassermann) mitnimmt. Wenige Monate später unterzeichnet Manzambi nach seiner herausragenden WM einen lukrativen Vertrag bei Aston Villa.

Wegen einer nicht bestandenen Prüfung besitzt Piller keine eigene Lizenz. Wie Manzambi vertraut auch Despotovic dem Agenten trotzdem und wechselt ebenfalls von der Firma Gold Kick, die den ursprünglichen Vertrag mit Lausanne ausgehandelt hatte, zu The Team.

Lausanne stellt klar, man habe damals die Klausel mit den drei Pflichtspielen im Interesse des Spielers unterzeichnet, falls dieser den Durchbruch nicht schaffen sollte.

Gegenseitige Vorwürfe

Doch das Gegenteil ist der Fall: Trainer Luka Elsner (44) schätzt den Spieler und setzt ihn gegen YB und Basel ein. Despotovic und sein Berater haben allerdings bereits andere Pläne. Der Stürmer wechselt zu Red Star Paris, dem Tabellensechsten der französischen Ligue 2. Lausanne fühlt sich hintergegangen und überlegt sich rechtliche Schritte. Denn auch der Zeitpunkt der Ankündigung wenige Stunden vor dem Cupspiel ist mehr als unglücklich gewählt. Dem Berater und dem Spieler wäre in den Tagen zuvor genügend Zeit geblieben, das Gespräch mit dem Verein zu suchen.

Ismaël Piller will sich öffentlich nicht zum Fall äussern. Klar ist aber: Man ist nicht der Ansicht, etwas Falsches getan zu haben. Der Berater weist in seinem Umfeld darauf hin, dass er zwar die Enttäuschung des Klubs nachvollziehen könne, es jedoch nicht akzeptabel sei, immer den Spielerberater oder die Familie als die Bösen darzustellen. Es gebe immer zwei Seiten der Medaille.

Einigung mit Red Star sowie interne Massnahmen

Lausanne seinerseits hegt keinen Groll gegen die Familie, die sich laut Angaben des Vereins stets korrekt verhalten habe, der Klub ist jedoch wütend auf den Berater. Es kommt zu Kontakten mit Red Star, und schliesslich einigen sich die beiden Vereine wie folgt: Der französische Verein übernimmt die Ausbildungskosten des Spielers in Höhe von ca. 200’000 Franken, und Lausanne erhält im Falle eines lukrativen zukünftigen Transfers einen Prozentsatz der Ablösesumme. Der Waadtländer Verein verzichtet dafür auf rechtliche Schritte gegen den Verein und den Spieler.

Als Folge der Affäre will der Klub aber interne Massnahmen ergreifen und denselben Fehler nicht noch einmal machen. Die Verträge der Spieler sollen in Zukunft keine ähnlichen Klauseln mehr enthalten, unabhängig davon, ob sie gut gemeint sind oder nicht.

Durchgreifen will der Klub bei Ismaël Piller. Dieser gilt im Umfeld des Vereins nun als «persona non grata». Der Verein will keine Geschäfte mehr mit ihm tätigen und erwägt, rechtlich gegen ihn vorzugehen.

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Brack Super League 2026/27
Mannschaft
SP
TD
PT
1
FC Lugano
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10
24
28
2
BSC Young Boys
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10
15
22
3
FC Sion
FC Sion
10
6
19
4
FC St. Gallen
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10
-2
16
5
FC Zürich
FC Zürich
10
-4
14
6
Servette FC
Servette FC
10
1
13
7
FC Basel
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10
-3
13
8
FC Luzern
FC Luzern
10
-5
12
9
FC Thun
FC Thun
10
-10
10
10
FC Vaduz
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10
0
9
11
Grasshopper Club Zürich
Grasshopper Club Zürich
10
-13
8
12
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FC Lausanne-Sport
10
-9
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