Da ist der Trainer, der von einem seiner Vorgesetzten angebrüllt und auf persönlicher Ebene beleidigt wird. In seinem eigenen Büro. Von dem er danach weiss, dass es wohl nicht mehr lange sein Arbeitsplatz sein wird.
Da ist der Chefcoach, der seine sportliche Leitung vor der Saison mehrfach auf ein Problemfeld in seinem Kader hinweist, ohne dass etwas geschieht – und danach entlassen wird, weil sich überraschenderweise genau dieser Mannschaftsteil als Schwachstelle herausstellt.
Wer sich mit Trainern unterhält, die in den letzten Jahren im Schweizer Fussball tätig waren, hört wilde Geschichten. Es geht um Eingriffe der sportlichen Leitung in ihre Arbeit. Um die Macht der Spieler in Klubs. Darum, dass sie zwar immer für den Misserfolg verantwortlich gemacht werden, aber nur selten in wichtigen Fragen ein Mitspracherecht haben. Und über allem steht die Frage, wie viel – oder eben wenig – Wertschätzung Fussballtrainern entgegengebracht wird.
Einer trifft am Morgen auf dem Trainingsplatz plötzlich einen neuen Spieler, von dessen Verpflichtung er bis anhin nichts gewusst hat. Ein zweiter verliert in der Transferperiode kurz vor einem wichtigen Spiel einen Leistungsträger, von dem ihm eigentlich gesagt wurde, er werde ganz sicher nicht verkauft. Und dem dritten wird verboten, einen für ihn wichtigen Fussballer aufzustellen. Es sollen andere spielen, bei denen auf einen späteren Transfergewinn gehofft wird.
Es wird von Führungspersonen erzählt, die dem Trainer ständig auf der Pelle sitzen und ihm klare Vorgaben machen, wie er spielen lassen soll. Und von solchen, die bei Krisensituationen plötzlich nicht mehr erreichbar sind. Wie vom Erdboden verschluckt.
Es ist keine gewagte Behauptung: Den Rekord von Fred Everiss (1882–1951) wird niemand jemals brechen. Der Engländer war von 1902 bis 1948 während 45 Jahren und 304 Tagen Trainer der Profis von West Bromwich Albion. Er wurde in dieser Zeit immerhin einmal Meister und einmal Cupsieger.
Aber weil Everiss in die Anfangszeiten des Spiels gehört, steht die Nummer zwei der ewigen Rangliste irgendwie doch über ihm: Guy Roux (87), der von 1961 bis 2005 Trainer von Auxerre war. 44 Jahre (mit einer Auszeit 2001), in denen er den Klub aus dem Amateurfussball bis zum Meistertitel 1996 führte.
Auf Rang drei dieser Rangliste kommt der erfolgreichste Trainer der modernen Fussball-Ära. 39 Trophäen gewann Sir Alex Ferguson (84) mit Manchester United. 26 Jahre und 194 Tage lang war er Trainer der Red Devils. Der Klub hat sich von seinem Abgang bis heute nicht erholt.
Einer von Fergusons grossen Rivalen steht auf Platz vier. Arsène Wenger (76) war immerhin 21 Jahre und 221 Tage in London bei Arsenal.
Der momentan dienstälteste Trainer im Profifussball arbeitet in der 2. Bundesliga. Frank Schmidt (52) ist seit 19 Jahren beim 1. FC Heidenheim.
Es ist keine gewagte Behauptung: Den Rekord von Fred Everiss (1882–1951) wird niemand jemals brechen. Der Engländer war von 1902 bis 1948 während 45 Jahren und 304 Tagen Trainer der Profis von West Bromwich Albion. Er wurde in dieser Zeit immerhin einmal Meister und einmal Cupsieger.
Aber weil Everiss in die Anfangszeiten des Spiels gehört, steht die Nummer zwei der ewigen Rangliste irgendwie doch über ihm: Guy Roux (87), der von 1961 bis 2005 Trainer von Auxerre war. 44 Jahre (mit einer Auszeit 2001), in denen er den Klub aus dem Amateurfussball bis zum Meistertitel 1996 führte.
Auf Rang drei dieser Rangliste kommt der erfolgreichste Trainer der modernen Fussball-Ära. 39 Trophäen gewann Sir Alex Ferguson (84) mit Manchester United. 26 Jahre und 194 Tage lang war er Trainer der Red Devils. Der Klub hat sich von seinem Abgang bis heute nicht erholt.
Einer von Fergusons grossen Rivalen steht auf Platz vier. Arsène Wenger (76) war immerhin 21 Jahre und 221 Tage in London bei Arsenal.
Der momentan dienstälteste Trainer im Profifussball arbeitet in der 2. Bundesliga. Frank Schmidt (52) ist seit 19 Jahren beim 1. FC Heidenheim.
An diesem Sonntag starten wieder zwei Neue ihren Job als Trainer in der Super League: Slavisa Jokanovic (58) tritt beim FC Basel die Nachfolge von Stephan Lichtsteiner (42) an. Olaf Janssen (60) ersetzt Peter Zeidler (64) bei den Grasshoppers. Beide haben einen Vertrag, der nur bis Saisonende läuft. Verständlich, wenn man die Amtsdauer ihrer Vorgänger anschaut.
Man kann den beiden bei ihrer neuen Arbeit eigentlich nur eines wünschen: viel Glück. Der FCB hat in den letzten 10 Saisons 15 Trainer an der Seitenlinie gehabt – Interimslösungen einberechnet. GC sogar deren 19.
Nun war Arbeitsplatzsicherheit noch nie ein herausragendes Merkmal des Berufs Fussballtrainer. Das wissen alle, mit denen Blick für diese Geschichte geredet hat. Sie anerkennen, dass Entlassungen zum Geschäft gehören. Sie stört etwas anderes: wie sehr der Beruf des Trainers an Wert verliert, wenn in hohem Rhythmus gewechselt wird.
Uli Forte (52) ist nun seit 20 Jahren im Geschäft, zuletzt beim FC Winterthur. Für ihn ist das Phänomen nicht alleine auf den Fussball bezogen: «Wir leben in einer Wegwerfgesellschaft. Kaufen, brauchen, wegwerfen. Das ist die Entwicklung in der Gesellschaft – und so wird auch mit Trainern umgegangen.» Jemand anderes redet von Unterhosen: «Wie gross ist der Wert von etwas, was man täglich wechselt?»
Es gibt Trainer, die das Gefühl haben, die Klubführung sehe sie nur noch als reine Erfüllungsgehilfen. Als Befehlsempfänger ohne Expertise. Einfach austauschbar, wenn sie nicht einverstanden sind mit der Einschätzung der Vereinsspitze – oder die von oben festgelegten Ziele nicht erreichen.
Mit Bewunderung blicken seine Arbeitskollegen ins Tessin, wo Mattia Croci-Torti (44) soeben sein fünfjähriges Jubiläum als Cheftrainer des FC Lugano erlebt hat. Obwohl der Start in die letzte Saison reichlich kompliziert war. Heute steht Croci-Torti mit seinem Team an der Spitze der Super League.
Ohne ihn gäbe es den FC Basel kaum in seiner heutigen Form. Von der Klubgründung 1893 bis zum Amtsantritt von Helmut Benthaus 1965 hat der FCB genau einmal den Meistertitel gewonnen. Dann macht der Deutsche aus den Baslern eine Erfolgsmaschine. Sieben Meistertitel gewinnt Benthaus mit dem FCB und macht aus Basel eine Fussballstadt. Seine erste Amtszeit von 1965 bis 1982 sind ein Schweizer Rekord, der kaum mehr gebrochen wird.
Auf Rang zwei kommt Karl Rappan, der während 13 Jahren (1935–1948) Trainer der Grasshoppers war und fünf Meistertitel errang. Ebenfalls 13 Jahre im Amt war Albert Sing (1951–1964). Ihm gelang bei den Young Boys das Kunststück, von 1957 bis 1960 vier Meisterschaften in Serie zu gewinnen.
Der Leader der modernen Zeit war wieder in Basel tätig. Christian Gross baute den FCB vom Chaosklub zum Champions-League-Teilnehmer um. Von 1999 bis 2009 war Gross der starke Mann im Klub.
Von den aktuellen Trainern der Super League ist Mattia Croci-Torti der dienstälteste. Fünf Jahre ist er Trainer des FC Lugano. Auf Rang zwei folgt Didier Tholot mit drei Jahren und drei Monaten auf der Bank des FC Sion.
Ohne ihn gäbe es den FC Basel kaum in seiner heutigen Form. Von der Klubgründung 1893 bis zum Amtsantritt von Helmut Benthaus 1965 hat der FCB genau einmal den Meistertitel gewonnen. Dann macht der Deutsche aus den Baslern eine Erfolgsmaschine. Sieben Meistertitel gewinnt Benthaus mit dem FCB und macht aus Basel eine Fussballstadt. Seine erste Amtszeit von 1965 bis 1982 sind ein Schweizer Rekord, der kaum mehr gebrochen wird.
Auf Rang zwei kommt Karl Rappan, der während 13 Jahren (1935–1948) Trainer der Grasshoppers war und fünf Meistertitel errang. Ebenfalls 13 Jahre im Amt war Albert Sing (1951–1964). Ihm gelang bei den Young Boys das Kunststück, von 1957 bis 1960 vier Meisterschaften in Serie zu gewinnen.
Der Leader der modernen Zeit war wieder in Basel tätig. Christian Gross baute den FCB vom Chaosklub zum Champions-League-Teilnehmer um. Von 1999 bis 2009 war Gross der starke Mann im Klub.
Von den aktuellen Trainern der Super League ist Mattia Croci-Torti der dienstälteste. Fünf Jahre ist er Trainer des FC Lugano. Auf Rang zwei folgt Didier Tholot mit drei Jahren und drei Monaten auf der Bank des FC Sion.
Eine Klage wiederholt sich regelmässig: Dass die Vorgesetzten der Trainer – Sportchefs, Verwaltungsräte, Klubpräsidenten – für ihre Position zwar keine Ausbildung und keine Lizenz brauchen. Dass viele aber trotzdem so reden und handeln, als hätten sie mindestens dasselbe Fachwissen wie die Trainer.
Diese müssen ihrerseits eine lange Ausbildung durchlaufen, ehe sie die nötige Lizenz für ihre Arbeit in der höchsten Liga erhalten. Einer sagt es ganz drastisch: «Ich muss jahrelang Kurse bestehen, um genügend qualifiziert zu sein. Und danach entscheiden Ahnungslose über meinen Job.»
Viele mögen nicht öffentlich über ihre Erfahrungen reden. Kein Wunder, sie möchten nicht ihre aktuellen oder potenziell zukünftigen Arbeitgeber verärgern. Die Jobauswahl für Cheftrainer einer Schweizer Profi-Mannschaft ist eng begrenzt.
Forte sagt: «Was mich stutzig macht, ist, wie schnell Trainer entlassen werden. Dabei gibt es ja immer eine Führung, die diese Trainer eingestellt hat. Da frage ich mich: Was läuft da falsch, wenn du in fünf Jahren sechsmal den Trainer gewechselt hast?»
Ein weiterer Punkt, in dem sich viele Coaches einig sind: Häufige Wechsel sind nicht nur hart für diejenigen, die entlassen werden. Sie schwächen die Position der Cheftrainer ganz allgemein.
«Die Spieler merken so etwas sofort», stellt Forte fest, «sie schauen erst einmal, wer der Neue ist. Wenn es zu Reibereien kommt, denken sie: Der ist ja eh nicht lange da. Was solls?»
Es gibt Beispiele, die zeigen, dass das nicht einfach so dahingeredet ist. Da ist der Spieler eines Schweizer Grossvereins, der sich beim Interview nur wenige Wochen nach einem Trainerwechsel nicht mehr an den Namen des entlassenen Vorgängers erinnert. Da ist der Ex-Profi, der von einstigen Teamkollegen erzählt: «Einige wussten kaum, wer gerade ihr Trainer war. Für sie war nur eines wichtig: Spiele ich – oder spiele ich nicht?»
«Was soll ich mit dem Trainer reden, wenn ich zum Präsidenten gehen kann?»
Gleichgültigkeit in der Garderobe ist das eine. Noch problematischer wird es, wenn die Spieler im Konflikt mit dem Trainer gleich mehrere Hierarchiestufen überspringen. «Meist ist der Kommunikationsweg direkt nach oben offen: zum Präsidenten, Verwaltungsrat oder Sportchef», stellt Forte fest: «Da sagt sich ein Spieler natürlich: Was soll ich mit dem Trainer reden? Wenn ich doch gleich zum Präsidenten gehen kann?»
Für Forte ist das ein absolutes No-Go: «Wenn die Kommunikationswege nicht eingehalten werden, wenn die Kompetenzen und Pflichtenhefte durcheinanderkommen, dann ist es vorbei. Dann kannst du es vergessen.»
Da ist noch ein weiteres, grosses Thema, das immer wieder aufkommt: die mangelnde Wertschätzung in der täglichen Arbeit. «Es geht darum, wie man mit dem Menschen umgeht», findet Ciriaco Sforza (56). Der 79-malige Nationalspieler sagt: «In der Schweiz fehlt häufig der Respekt gegenüber der Arbeit eines Trainers. Das ist in Deutschland, Italien oder England noch anders.»
In den 20 Jahren seit seinem ersten Posten als Cheftrainer beim FC Luzern hat Sforza Situationen erlebt, die ihn mitgenommen haben: «Ich musste sagen: Ja, du bist der Sportdirektor oder der Präsident, aber behandle mich doch bitte auch wie einen Menschen, der eine grosse Verantwortung trägt und der für seinen Beruf ausgebildet ist.»
«Wie soll ein Trainer so der mentalen Belastung standhalten?
Für Sforza hat der Umgang der Vereinsführung mit dem Trainer einen direkten Zusammenhang mit dem Erfolg der Mannschaft: «Man muss den Trainer schützen. Wenn man ihn entlässt, weil es gute Gründe gibt – alles gut. Aber bis zum Moment der Entlassung muss man ihn stärken.»
Was sonst passiert, weiss er aus eigener Erfahrung: «Wenn man oben im Klub keinen Respekt gegenüber dem Trainer zeigt, geht das sofort runter in die Kabine zu den Spielern. Danach geht es raus zu den Journalisten, zu den Fans.» Die Folge: ein destabilisierter Chefcoach, der eigentlich schon verloren hat. «Wie soll ein Trainer da frei sein in seiner Arbeit und seinen Entscheidungen? Wie soll er der mentalen Belastung standhalten?», fragt Sforza.
Reto Gertschen (61) ist der Mann, der angehende Trainer auf solche Situationen vorbereiten soll. Der Leiter der Trainerausbildung beim Schweizerischen Fussballverband weiss, was auf seine Abgänger zukommen kann.
Zum Beispiel enge Vorgaben durch die sportliche Leitung: «Ein Trainer darf ruhig mal zuhören und sich austauschen. Aber ich rede mit Trainern, die enorm viel Energie verlieren, weil ihnen ständig gesagt wird, wie sie zu spielen haben.» Was sich Gertschen bei solchen Erzählungen fragt: «Hat der Klub tatsächlich ein Profil ausgearbeitet und seinen Coach danach ausgesucht?»
Klar ist für ihn aber auch: Wer eine Stelle in einer Profiliga haben will, muss bereit sein für diese Art von Auseinandersetzungen. Darum wird in der Ausbildung auf der höchsten Stufe stark auf andere Dinge geachtet: «Wie führst du Spieler? Wie gibst du Interviews? Wie kommunizierst du intern?» Für Gertschen steht fest: «Die Arbeit auf dem Platz macht vielleicht noch 20 bis 25 Prozent der Aufgaben eines Trainers aus.»
«Du hast maximal eine knappe Woche»
Und noch etwas versucht er, seinen Schülern beizubringen: «Du musst am Tag X bereit sein. In eine Aufgabe hineinwachsen? Diese Zeit haben wir nicht. In der Regel wird ein Trainer verpflichtet, wenn es nicht läuft.»
Gertschens knallharte Analyse: «Wir sagen den Trainern: Du hast maximal eine knappe Woche.» Das erste Training, die erste Ansprache ans Team, die ersten Interviews, die ersten Entscheidungen. Gertschen formuliert es positiv: «Es hilft dir, wenn du da deine Botschaften gut platzieren kannst.»
Aber natürlich gilt auch das Gegenteil. Sehr schnell kann also feststehen, in welche Richtung sich ein Engagement entwickeln wird. Und mit dem ersten Spiel kommen dann sowieso schon die Resultate, die über den Job entscheiden.
Eine Woche also. Für den Neo-Basler Jokanovic und den Neu-Hopper Janssen heisst das: Sie haben die entscheidende Zeit beim neuen Verein eigentlich schon hinter sich.
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Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Lugano | 10 | 24 | 28 | |
2 | BSC Young Boys | 10 | 15 | 22 | |
3 | FC Sion | 10 | 6 | 19 | |
4 | FC St. Gallen | 10 | -2 | 16 | |
5 | FC Zürich | 10 | -4 | 14 | |
6 | Servette FC | 10 | 1 | 13 | |
7 | FC Basel | 10 | -3 | 13 | |
8 | FC Luzern | 10 | -5 | 12 | |
9 | FC Thun | 10 | -10 | 10 | |
10 | FC Vaduz | 10 | 0 | 9 | |
11 | Grasshopper Club Zürich | 10 | -13 | 8 | |
12 | FC Lausanne-Sport | 10 | -9 | 6 |