Die Schlüsselszene
St. Gallen drückt Sekunden vor dem Pausenpfiff auf das 1:1, als aus einem Corner ein Konter entsteht. Hugo Vandermersch hat genau eine Chance, das 0:2 zu verhindern. Aber anstatt Winsley Boteli mit einem Rugby-Tackling zu stoppen und dafür verwarnt zu werden, lässt er den Sittener ziehen. Am Ende steht das 0:2 durch Franck Surdez – die Entscheidung in diesem Spiel.
Das Spiel
St. Gallen erleidet zu Hause gegen Sion Schiffbruch. Etwas, das die Espen bereits kennen. 0:3 endete auch das letzte Aufeinandertreffen dieser beiden Teams in der Ostschweiz Anfang Mai 2026.
Richtig schlecht ist der Auftritt der Espen bei Weitem nicht. Die Energie – vor allem in der ersten Halbzeit – passt beim Maassen-Team. Nur schaut nichts Zählbares heraus, denn letztlich ist der FCSG insgesamt zu ungefährlich und ideenlos.
Ganz anders Sion: Die Walliser beschränken sich geduldig aufs Abwarten, um dann gnadenlos zuzuschlagen. Sie haben deutlich weniger Ballberührungen im gegnerischen Strafraum als die St. Galler, glänzen aber durch beeindruckende Effizienz.
Die Tore
37. Minute, Ilyas Chouaref, 0:1. Racioppis langen Abschlag schätzt Daschner falsch ein. Boteli schirmt daraufhin gegen Stanic den Ball überragend ab und bedient Chouaref, der vor Ati Zigi abgebrüht zuschlägt.
45.+1 Minute, Franck Surdez, 0:2. Aus einem St. Galler Corner entwickelt sich ein Konter der Sittener. Erneut taucht mit Surdez nach einem Boteli-Zuspiel ein Walliser alleine vor Ati Zigi auf und vollendet gekonnt.
59. Minute, Ali Kabacalman, 0:3. Der Winkel ist eigentlich ungünstig, aber dennoch landet Kabacalmans Schuss hinter der Torlinie. Ati Zigi bringt es irgendwie fertig, die Kugel mit seinem linken Arm nach hinten abzuwehren.
Die Stimmen
Carlo Boukhalfa (St. Gallen) gegenüber Blue: «In der ersten Halbzeit hatten wir viele gute Aktionen. Sion macht aus drei Schüssen aufs Tor zwei Tore – und wir treffen nicht. Dann kommt halt so ein Spielergebnis zustande.»
Chima Okoroji (St. Gallen) gegenüber Blue: «Wir bekommen die Gegentore zu leicht. Wir müssen konsequenter verteidigen und da einfach mit allem, was wir haben, dagegenhalten.»
Jan Kronig (Sion) gegenüber Blue: «Wir konnten unsere Offensivqualitäten im Umschaltspiel zeigen. Vor der Pause mussten wir nach dem 1:0 leiden. Es war stark, wie unsere Offensivspieler da mitverteidigt haben.»
Donat Rrudhani (Sion) gegenüber Blue: «Der Sieg ist verdient. Wir haben ein anderes Gesicht gezeigt als normalerweise. Wir müssen nicht immer dominant auftreten, wir können auch einfach kontern.»
Der Beste
Winsley Boteli: Die Tormaschine, die demnächst ihr Debüt für die Schweizer Nati geben wird, glänzt für einmal als Vorbereiter. Zwei direkte Assists zu den ersten beiden Toren, beim dritten Treffer ebenfalls beteiligt. Sackstark.
Der Schlechteste
Die Auswahl ist gross bei St. Gallen. Es trifft Hugo Vandermersch, der sich beim 0:2 zu naiv anstellt (siehe «Die Schlüsselszene»). Und weil er, anders als Lukas Daschner, der das 0:1 verschuldet, auch sonst keine positiven Aktionen aufweist.
Die Fans
45 Minuten sieht es aus, als würde tatsächlich ein Spiel in der Super League ohne Feuerwerk stattfinden. Das kommt dann aber doch, gleich nach der Pause aus dem Espenblock. Das ist allerdings auch der Moment, in dem der Rest der 17'814 im Sitterstadion die Geduld mit dem Heimteam zu verlieren beginnt.
Die Schiris
Lukas Fähndrich macht das richtig gut in einem Spiel, das sehr körperbetont aber nie unfair geführt wird. Fast schon hohe Kunst, wie er einmal mit einer Spielunterbrechung wartet, bis der Ball aus dem Sittener Strafraum rausgeht, um abzuchecken, ob Sions Goalie Anthony Racioppi wirklich verletzt ist. Ist er nicht. Hätte Fähndrich gepfiffen, als der Ball noch im Sechzehner von Sion war, wäre Racioppi für sein Schauspiel auch noch mit einem Schiedsrichterball belohnt worden. So bleibt der Ball bei den St. Gallern. Stark auch, dass er kurz vor dem Ende sofort sieht, dass Andrin Hunziker versucht, mit einer Schwalbe einen Penalty zu schinden.
Das gab zu reden
Wie werden sich die St. Galler ohne ihren Captain Lukas Görtler schlagen? Das ist die grosse Frage vor dem Anpfiff, weil der FCSG ohne den Leitwolf pro Spiel im Schnitt einen Viertelpunkt weniger gewinnt.
«Diese Zahlen freuen mich einerseits. Es wäre auch komisch, wenn ich so lange als Captain hier wäre und man würde es nicht merken», sagt Görtler vor dem Anpfiff zu Blue. Aber er findet natürlich auch: «Andererseits freue ich mich auch über jedes Spiel, das die anderen ohne mich gewinnen.»
Beim Spiel gegen Sion ist Görtler zwar ständig in der Nähe der Mannschaft. Aber das ändert nichts daran, dass sich die Statistik ein weiteres Mal bewahrheitet: St. Gallen ist ohne Görtler einfach weniger gut als mit ihm.
Da muss die Fans freuen, was Görtler in der Pause auf dem Westschweizer Kanal von Blue sagt. Da erklärt er erst, wie sehr er sich in St. Gallen wohlfühlt: «Ich mag St. Gallen, ich mag die Schweiz, ich mag die Fans, die Leute im Klub.» Und dann fügt er an: «Ich habe mich hier niedergelassen und werde vielleicht meine Karriere hier beenden.»
So gehts weiter
Der FCSG trägt am Mittwoch sein Nachholspiel der vierten Runde in Lugano aus (19 Uhr). Das Gleiche steht auch dem FC Sion bevor, der deswegen am Dienstag bei GC zu Gast ist (19 Uhr).
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Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Lugano | 10 | 24 | 28 | |
2 | BSC Young Boys | 10 | 15 | 22 | |
3 | FC Sion | 10 | 6 | 19 | |
4 | FC St. Gallen | 10 | -2 | 16 | |
5 | FC Zürich | 10 | -4 | 14 | |
6 | Servette FC | 10 | 1 | 13 | |
7 | FC Basel | 10 | -3 | 13 | |
8 | FC Luzern | 10 | -5 | 12 | |
9 | FC Thun | 10 | -10 | 10 | |
10 | FC Vaduz | 10 | 0 | 9 | |
11 | Grasshopper Club Zürich | 10 | -13 | 8 | |
12 | FC Lausanne-Sport | 10 | -9 | 6 |