Die Schlüsselszene
Die Rote Karte für Oscar Kabwit ist der Wendepunkt dieser Partie. Bis dahin dominiert Servette das Spiel und gibt klar den Ton an. Doch nach dem Platzverweis ist plötzlich alles anders: Ausgerechnet in Überzahl verlieren die Grenats ihre Kreativität und finden kaum noch Mittel, um Luzern vor ernsthafte Probleme zu stellen. Paradoxerweise schadet die Rote Karte Servette damit mehr, als sie dem Team nutzt. Luzern holt sich verdient einen Punkt.
Das Spiel
Die Zentralschweizer sind gleich mit zwei Geschenken nach Genf gereist. Letica beschert Servette mit seinem Patzer eine frühe Führung, während Kabwit sich mit einer Roten Karte in der 20. Minute verabschiedet und den Genfern die Überzahl schenkt.
Die Gastgeber revanchieren sich mit einer leichtfertigen Einladung auf einen Konter, den die Luzerner dankend annehmen. Ansonsten sind es die Genfer, die das Spiel mit einem Mann mehr ganz klar dominieren. Zumindest vor der Pause kommt es aber zu keinen zwingenden Chancen für Servette.
So geht es auch in der zweiten Halbzeit lange weiter. Luzern steht hinten gut und kann die Gefahr tief halten. Letica kann sich sogar mit einer Glanzparade für seinen Patzer rehabilitieren. Mit einem Mann mehr muss für Servette eigentlich mehr drin liegen.
Doch es gelingt den Genfern bis in die Schlussphase nur selten, für echte Gefahr vor dem Zentralschweizer Tor zu sorgen. Hin und wieder gelingt es sogar den Luzernern, den Ball in die offensive Zone zu tragen und Servette so zu verunsichern. Tore fallen keine mehr. Luzern rettet in Genf zu zehnt einen Punkt.
Die Tore
14. Minute, Miroslav Stevanovic, 1:0. Die Genfer erzielen das erste Tor aus dem Nichts – dank eines furchtbaren Patzers von FCL-Keeper Letica. Bung Meng Freimann kann den Pass in die Spitze zu Stevanovic nicht verhindern, der Luzerner ist durch. Er schiesst unplatziert auf Letica. Dem rutscht die Kugel durch.
31. Minute, Andrejs Ciganiks, 1:1. Zu zweit kontern Mikolajewski und Ciganiks die Genfer aus. Mikolajewski schnappt sich in der Nähe des eigenen Strafraums den Ball und zieht auf und davon. Mit dem Aussenrist bedient er den mitlaufenden Cigankis herrlich. Dieser lupft den Ball über Besson und gleicht das Spiel so aus.
Der Beste
Wenn ein linker Aussenverteidiger in der Position des rechten Flügelspielers ein Tor schiesst, kann man das kaum glauben! Andrejs Ciganiks hat an diesem Samstag keine grossartige Partie gespielt, und in der Defensive ist er manchmal anfällig, aber sein absolut perfektes Tor ist einen Punkt wert.
Der Schlechteste
Luzern glaubt, sein Torwartproblem mit der Verpflichtung von Karlo Letica gelöst zu haben – doch beim Führungstreffer von Servette macht der Kroate keine gute Figur. In der 14. Minute rutscht ihm ein harmloser Abschluss von Miroslav Stevanovic unter den Händen durch. Ein vermeidbares Gegentor. Immerhin steigert sich der FCL-Goalie nach der Pause. Bei hohen Bällen zeigt er einige gute Ausflüge und überzeugt zudem mit mehreren sehenswerten Paraden.
Die Stimmen
Pius Dorn (FCL) gegenüber Blue: «Ich bin mit dem Punkt zufrieden. Ein guter Punkt und ein sehr hart erarbeiteter Punkt. Mit ein bisschen Glück fällt sogar vorne einer rein, aber mit diesem Punkt können wir sehr gut leben.»
Marco Burch (Servette) gegenüber Blue: «Es war zu wenig. Wir sind naiv in ein Eins-gegen-Eins reingelaufen und mit dieser Roten Karte hätten wir besser fertigspielen müssen. Es hat bei uns an Bewegung gefehlt – mit und ohne Ball. Luzern hat aber auch sehr gut verteidigt und ihre Konterstärke ist uns natürlich bekannt.»
Die Fans
Rund 300 FCL-Fans sind an diesem Samstag in Genf. Sie zeigen ein Transparent, auf dem sie ihre Ablehnung gegenüber dem FCL-Aktionär Bernhard Alpstaeg zum Ausdruck bringen. «Unser Urteil steht schon lange», steht da geschrieben. Insgesamt finden 8'054 Personen den Weg ins Stadion. Es gibt keine Zwischenfälle zu verzeichnen.
Die Schiris
Johannes von Mandach zeigt Oscar Kabwit in der 20. Minute zunächst die Gelbe Karte für seinen Fussstoss gegen David Douline. Nach Intervention des VAR schaut sich der Schiedsrichter die Szene nochmals an und korrigiert seinen Entscheid: Kabwit sieht die Rote Karte. Abgesehen von dieser Szene gibt es aus Sicht des Schiedsrichterteams wenig zu berichten. Von Mandach und seine Assistenten leiten die Partie insgesamt souverän und unauffällig.
Das gab zu reden
Erstmals spielt Servette im «verkleinerten» Stade de Genève. Statt 28'000 Fans sind neu noch maximal 15'000 zugelassen. An den beiden Seitentribünen werden Sponsoren-Planen angebracht. Bei Spielen der Nati können diese natürlich entfernt werden. Doch der SFV hat Genf für die drei Partien in diesem Herbst nicht ausgewählt, sehr zum Leidwesen der Westschweizer.
So gehts weiter
Luzern hat in der kommenden Woche gleich zwei Super-League-Einsätze auf dem Programm. Am Mittwoch um 20.30 Uhr empfangen die Zentralschweizer Vaduz. Am Samstag um 18 Uhr tritt der FCL im Wankdorf gegen YB an. Auch Servette kickt nächste Woche zweimal. Am Donnerstag um 20.30 Uhr auswärts gegen Lugano. Am Sonntag um 14 Uhr zu Hause gegen St. Gallen.
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Lugano | 10 | 24 | 28 | |
2 | BSC Young Boys | 10 | 15 | 22 | |
3 | FC Sion | 10 | 6 | 19 | |
4 | FC St. Gallen | 10 | -2 | 16 | |
5 | FC Zürich | 10 | -4 | 14 | |
6 | Servette FC | 10 | 1 | 13 | |
7 | FC Basel | 10 | -3 | 13 | |
8 | FC Luzern | 10 | -5 | 12 | |
9 | FC Thun | 10 | -10 | 10 | |
10 | FC Vaduz | 10 | 0 | 9 | |
11 | Grasshopper Club Zürich | 10 | -13 | 8 | |
12 | FC Lausanne-Sport | 10 | -9 | 6 |