Es ist ein echter Husarenritt, den Brandon McNulty (28) am letzten Sonntag auf die Strassen von Montreal zaubert. Der Amerikaner schlägt allen Favoriten ein Schnippchen und kürt sich zum Strassenweltmeister. Damit tritt er in die Fussstapfen von Radsport-Grössen wie Tadej Pogacar, Mathieu van der Poel und Remco Evenepoel.
Und genau dies stört den dänischen Ex-Radprofi Michael Rasmussen (52). «Es löst bei mir fast ein wenig Ekel aus», sagt der heutige TV-Kommentator beim Sender Viaplay. Rasmussen stört sich daran, dass der neue Mann im Weltmeistertrikot nächste Saison mehr in einer Helfer- denn in einer Chefrolle zu sehen sein wird. Denn McNulty spielt in seinem Team UAE hinter Dominator Pogacar und dem aufstrebenden Tour-Dritten Isaac del Toro (22) nur die zweite oder dritte Geige.
«Mir wird fast schlecht»
«Es wäre erbärmlich, ihn im Trikot des Weltmeisters als Vorletzten für UAE zu sehen, mit Taschen voller Wasserflaschen, wie er sich zurückhält, während die beiden Stars um den Sieg kämpfen», findet Rasmussen. «Mir wird fast schlecht davon.»
Der überführte Doper, der 2007 die Tour de France als Gesamtführender verlassen musste, sieht für McNulty nur eine Option, wie er nächstes Jahr zu Resultaten kommt, die des Regenbogentrikots würdig sind: Er muss ein anderes Programm fahren als seine beiden Chefs. Rasmussen: «Wenn er Glück hat, geben sie ihm eine Mannschaft, mit der er die Polen-Rundfahrt gewinnen kann, aber sonst wird es ein bisschen bizarr. Das ist eine sehr grosse Verantwortung, die auf seinen Schultern gelandet ist.»