Darum gehts
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170 Franken für ein Ski-WM-Ticket. Mehr als 100 Franken für ein Eishockeyspiel. In den ersten beiden Teilen dieser Serie ging es um steigende Preise und darum, weshalb Veranstalter sie verteidigen. Doch wie viel sind Fans bereit zu zahlen, wenn es nicht um irgendein Spiel geht, sondern um das Erlebnis, das sie nie vergessen wollen?
Stellen wir uns einen Liverpool-Fan vor. Seit Jahren verfolgt er seinen Klub, war aber noch nie an der Anfield Road. Dann kommt der Moment: Er will sich diesen Traum einmal gönnen. «Das will ich mir einmal leisten.» Genau solche Geschichten erlebt Victor Tinari (50), Managing Director des Schweizer Sportreiseveranstalters Travelclub, regelmässig.
Vom Match zur Traumreise
Travelclub organisiert seit 1986 Sportreisen und Tickets weltweit. Das Unternehmen kombiniert Eintrittskarten mit Hotels, Flügen, Transfers und Betreuung vor Ort. Im Fussball reicht das Angebot vom Premier-League-Spiel bis zum Champions-League-Final. Dazu kommen Tennis, Formel 1, Eishockey und weitere Grossanlässe.
Eine Reise zu einem Premier-League-Spiel kann laut Tinari inklusive Flug, Transfer, Hospitality-Ticket und Betreuung rund 1200 Franken kosten. Bei Weltmeisterschaften gibt es aber auch Eventfans, die bis zu 25'000 Franken ausgeben. Beim Champions-League-Final kann die gesamte Reise inklusive Hospitality-Ticket schnell im tiefen fünfstelligen Bereich liegen. Auch für den Super Bowl geben Fans hohe fünfstellige Beträge aus.
Auch auf der Travelclub-Website wird sichtbar, was «einmal im Leben» kosten kann. Ein Wimbledon-Paket mit Debenture-Ticket für den Centre Court kostet ab 2390 Franken pro Person, Hotel und Frühstück inklusive. Der Flug kommt noch dazu. Für Court No. 1 beginnt das Paket bei 990 Franken, ein Hospitality-Upgrade bei 450 Franken.
«Once in a lifetime» sei bei den Kunden ein wiederkehrender Gedanke, sagt Tinari im Interview mit Blick. Fussball ist bei Travelclub die wichtigste Sportart, vor allem Premier League und Bundesliga. Tennis mit Wimbledon und Roland Garros folgt. Bei den ganz grossen Veranstaltungen steige die Nachfrage nach Exklusivität. «Es ist sicher so, dass die Anfrage in den letzten Jahren gestiegen ist für solche Top-Events und Exklusivität.» Besonders gefragt sind laut Tinari die grossen Finals und Top-Rennen der Formel 1. Beim Champions-League-Final kommen die Kunden längst nicht nur aus Europa, sondern auch aus Südamerika oder Asien.
Nicht nur der Fan zahlt
Dabei geht es längst nicht nur um den besten Sitzplatz. Hospitality reicht von Logen über Restaurants und Lounges bis zu zusätzlichen Leistungen. In der Premier League können solche Tickets je nach Klub, Spiel und Angebot 220 bis 440 Franken kosten.
Auch Ticketcorner beobachtet, dass sich das Live-Erlebnis verändert. Stefan Epli, Mediensprecher von Ticketcorner, betont: Die Preise legt nicht der Ticketverkäufer fest, sondern der jeweilige Veranstalter. Gleichzeitig gebe es heute deutlich mehr Kategorien und Angebote rund um den Eintritt, von Essen über Lounges bis zu VIP-Bereichen.
Das passt zu dem, was Sportökonom Christian Moesch bereits im ersten Teil dieser Serie erklärt hat: «Das Produkt ist attraktiver geworden.» Wer heute an einem Grossanlass dabei ist, kauft nicht nur Sport, sondern auch Atmosphäre, Komfort und manchmal eine Geschichte, die sich später erzählen lässt.
Die Schmerzgrenze kommt näher
Doch funktioniert dieses Modell immer? Laut Eventfrog sind die Preise der grössten Events seit 2019 durchschnittlich um rund 45 Prozent gestiegen, bei einer allgemeinen Teuerung von rund 20 Prozent. Eventfrog-Gründer Mike Müller sagt in einem Statement gegenüber Blick: «Die Konsumentinnen und Konsumenten haben diese Preiserhöhungen für exklusive ‹Once in a lifetime›-Erlebnisse bisher akzeptiert. Das Geld dafür fehlt aber anderswo.»
Während sich manche Fans für den Super Bowl, einen Champions-League-Final oder Wimbledon einmal richtig etwas gönnen, wird im mittleren Preissegment genauer hingeschaut. Eventfrog beobachtet, dass kleinere, gut kuratierte Veranstaltungen mit fairen Preisen überproportional an Publikum gewinnen.
Die Entwicklung geht damit in zwei Richtungen: Oben wird das Erlebnis immer exklusiver und teurer. Gleichzeitig suchen andere Zuschauer bewusst nach dem Gegenmodell. Am Ende steht deshalb eine andere Frage als noch zu Beginn dieser Serie: «Was ist mir ein Erlebnis wert, das ich vielleicht tatsächlich nur einmal im Leben bekomme?»
Denn 170 Franken für einen Sitzplatz können viel Geld sein. Einmal an der Anfield Road, im Centre Court von Wimbledon oder beim Super Bowl dabei zu sein, ist für manche Fans trotzdem jeden Franken wert.