Swiss Sliding schon wieder auf Geldsuche
Milliardär Spuhler steigt beim Bob-Verband aus

Die gute Nachricht: Der Bob-Verband kann ohne Budgetprobleme in den kommenden Winter gehen. Die schlechte: Man sucht für 2027/28 einen neuen Hauptsponsor, weil sich Bahnbauer Peter Spuhler mit Stadler Rail zurückzieht.
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Der Schriftzug von Hauptsponsor Stadler Rail prangt nur noch in der kommenden Saison auf den Schweizer Bobs (hier Blatty/Kambundji in St. Moritz): Der Zugbauer steigt 2027 aus.
Foto: MAYK WENDT
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Matthias DubachLeiter Reporter-Pool Blick Sport

Es ist im Vergleich zum Vorjahr eine ausgezeichnete Nachricht. Beim Bobverband sind die Finanzen wieder einigermassen im Lot. «Für diese Saison sind wir gesichert», sagt Sepp Kubli, Präsident von Swiss Sliding, am Rande der Starter-SM in Filzbach GL.

Vor einem Jahr geriet der Verband in akute Finanznot, weil ein grosser Sponsor nicht bezahlte. Der Rechtsstreit um die ausstehenden Beträge der Aprica Holding des Nidwaldner Unternehmers Marco Corvi wird voraussichtlich noch Jahre andauern, Ausgang völlig ungewiss. Ein Darlehen von Swiss Olympic hat Swiss Sliding über Wasser gehalten.

Zeit zum Durchatmen also? Nein. Kubli grübelt bereits über den Winter 2027/28 nach, wenn auch die Heim-WM in St. Moritz GR ansteht. «Dann werden wir grosse Sponsoren ersetzen müssen. Das ist schon jetzt eine grosse Herausforderung.»

Der Eishockey-Mäzen sprang 2022 kurzfristig in der Not ein

Das ist es tatsächlich: Denn es ist Hauptsponsor Stadler Rail, der Ende der kommenden Saison aussteigt. Also der Zug-Fabrikant aus Bussnang TG, der zum Firmenimperium von Unternehmer und Ex-Nationalrat Peter Spuhler (67) gehört. Spuhler stieg 2022 kurzfristig im Bob-Sport ein, als sich der vorherige Hauptsponsor trotz Verlängerungszusage nach Olympia in Peking zurückzog.

Eishockey-Mäzen Spuhler sagte damals: «Bob ist neben dem Skifahren die klassische Schweizer Wintersportart. Doch wirtschaftlich war die Lage angespannt. Jetzt müssen wir helfen, diese Sportart im Hinblick auf die nächsten Olympischen Spiele wieder nach vorne zu bringen.»

Spuhler verpflichtete sich mit Stadler Rail als Hauptsponsor für fünf Jahre, diese Periode endet nun 2027. Die «Spuhler-Bilanz»? Ganz nach vorne reichte es bei Olympia 2026 der einstigen Bob-Nation Schweiz nicht. Die Bronzemedaille vom Viererschlitten um Pilot Michael Vogt war gleichwohl ein historischer Coup – erste Schweizer Olympiamedaille in der Königsklasse seit 20 Jahren.

Dazu kommen Erfolge im Nachwuchs wie die Nachwuchs-WM-Titel von Skeleton-Hoffnung Sara Schmied, Bob-Pilotin Debora Annen oder der Doppel-EM-Titel von Melanie Hasler, die nun aber aufgehört hat. Ebenso gab es im Rodeln durch Natalie Maag Sprint-WM-Silber sowie diverse WM-Medaillen im Para-Bob.

Spuhlers Finanzspritze sorgte zudem dafür, dass Swiss Sliding den Bau des eigenen Schlittenprojekts «Neos» vorantreiben konnte.

Noch ist offen, ob sich Spuhler ganz zurückzieht

Bei Swiss Sliding besteht nun noch die Hoffnung, dass es kein kompletter Thurgauer Rückzug ist. Denn aus Spuhlers Firmenimperium sind mehrere Unternehmen als Sponsoren an Bord. Gemäss Präsident Kubli laufen noch Gespräche, ob es mit einzelnen davon doch noch über 2027 hinaus gehen könnte.

Aber klar ist: Spätestens in einem Jahr muss auf den Schweizer Bobs ein neuer Hauptsponsor prangen, der mehrere Hunderttausend Franken bringt. «Wir sind für die übernächste Saison auf jede Hilfe angewiesen», sagt Kubli. Sein Wunsch: Dass Swiss Sliding wieder einen potenten Geldgeber findet, der wie 2022 Spuhler einfach Freude an der «Formel 1 des Wintersports» als Schweizer Traditionssportart hat und relativ spontan als Retter einsprang.

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