Dertour-Chefin über «völlig unrealistische» Preise
«Immer mehr Kunden kommen mit ihren KI-Reiseplänen zu uns und wollen Hilfe»

Krieg im Nahen Osten, Hotelplan-Übernahme und Stellenabbau: Beim Reiseanbieter Dertour ist einiges los. Im Blick-Interview erklärt Dertour-Schweiz-Chefin Stephanie Schulze zur Wiesch, warum das Reisebüro nicht ausstirbt und was sie von einer Reiseplanung mit KI hält.
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Darum gehts

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Sven Schumann
Sven SchumannRedaktor Wirtschaft
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Stephanie Schulze zur Wiesch ist seit 2023 CEO des Reiseanbieters Dertour Suisse.
Foto: Sven Schumann

Iran-Krieg, Kerosin-Krise, KI-Reise-Planung: Das Jahr 2026 hat die Reisebranche gefordert wie selten zuvor. In diesem Umfeld führt der grösste Reiseanbieter der Schweiz die Integration von Hotelplan in den Konzern durch. Blick hat Dertour-Schweiz-Chefin Stephanie Schulze zur Wiesch (53) am Rand einer Pressereise in der portugiesischen Algarve auf den Zahn gefühlt, was sie und ihre Kundschaft besonders bewegt.

Blick: Dieses Jahr sind die Umsätze der Reiseanbieter zurückgegangen. Wo drückt der Schuh?

Stephanie Schulze zur Wiesch: Wir sind gut ins Jahr gestartet. Dann ist der Iran-Krieg ausgebrochen, der die Branche kräftig durchgeschüttelt hat. Wir mussten alle Reisenden aus den betroffenen Gebieten auf unsere Kosten zurückholen. Die anschliessende Unsicherheit führte dazu, dass sich viele zurückgehalten haben, neue Reisen zu buchen. Glücklicherweise haben die Buchungen zuletzt wieder stark angezogen.

Ausgerechnet jetzt müssen Sie den Schweizer Reiseveranstalter Hotelplan in Ihren Konzern integrieren. Wo stehen Sie in diesem Prozess?

Wir sind auf Kurs. Es gibt aber noch viel zu tun. Momentan sind wir gerade im Endspurt bei der Systemmigration. Bald ist Hotelplan vollständig auf unseren Plattformen integriert. Auch an der Mitarbeiterfront sind wir weiter. Ab Januar gelten für alle Angestellten die gleichen Bedingungen.

Sie kündigten an, dass dem Zusammenschluss einige Filialen zum Opfer fallen.

Anfang Jahr waren wir bei 137 Filialen, jetzt sind es noch 124. Damit hat es sich fürs Erste. Aber: Am Ende entscheidet über einen weiteren Abbau die Nachfrage der Kundinnen und Kunden. Wir überprüfen fortlaufend, ob unsere Filialen wirtschaftlich Sinn ergeben. Ich bin aber der festen Überzeugung, dass es immer einen Bedarf an Filialen mit Menschenkontakt vor Ort geben wird.

Persönlich: Stephanie Schulze zur Wiesch

Stephanie Schulze zur Wiesch (53) ist seit Juni 2023 Länderchefin der Dertour Suisse AG. Zusätzlich sitzt gebürtige Hannoveranerin in der Konzernleitung der Dertour-Gruppe in Deutschland, die dem Handelsriesen Rewe in Köln gehört. Die deutsche Managerin startete ihre Karriere 1999 bei Tui Deutschland, wo sie in verschiedenen Führungspositionen tätig war. 2020 wechselte sie zum Bahnspezialisten Ameropa-Reisen. Zur Dertour Suisse, Marktführer in der Schweiz, gehören die Marken Kuoni und Hotelplan.

Stephanie Schulze zur Wiesch (53) ist seit Juni 2023 Länderchefin der Dertour Suisse AG. Zusätzlich sitzt gebürtige Hannoveranerin in der Konzernleitung der Dertour-Gruppe in Deutschland, die dem Handelsriesen Rewe in Köln gehört. Die deutsche Managerin startete ihre Karriere 1999 bei Tui Deutschland, wo sie in verschiedenen Führungspositionen tätig war. 2020 wechselte sie zum Bahnspezialisten Ameropa-Reisen. Zur Dertour Suisse, Marktführer in der Schweiz, gehören die Marken Kuoni und Hotelplan.

Im Zuge der Hotelplan-Übernahme wollen Sie 250 Stellen abbauen. Bleibt es dabei?

Der Grossteil des Abbaus ist bereits erfolgt, der Rest folgt im Lauf des nächsten Jahres. Dabei geht es darum, Doppelspurigkeiten abzubauen. Für viele Betroffene haben wir eine interne Lösung gefunden. Einige haben unsere Unternehmen in der Schweiz von sich aus verlassen. Sprich, sie haben eine neue Stelle zum Beispiel bei Dertour in Deutschland angetreten. Leider konnten wir aber nicht allen eine Perspektive im Konzern geben.

Darüber hinaus ist kein weiterer Abbau geplant?

Nein. Im Moment liegt der Fokus auf den bereits kommunizierten Schritten. Bis 2027 haben wir dafür einen klaren Fahrplan. Um ein starkes Unternehmen zu schaffen, das auch in der Zukunft Erfolg hat, überprüfen wir aber laufend, ob wir auf dem richtigen Weg sind.

Immer mehr holen sich Inspiration auf Instagram und planen ihre Reise dann mit einer KI ...

... und dann stehen sie da, wenn etwas passiert. Nein, im Ernst: Wir machen bei diesen Trends ja auch mit. Tiktok und Instagram führen uns viele Neukunden zu. Und trotzdem zählen am Ende der Mensch und die persönliche Beratung. Ich möchte die KI auch nicht schlechtreden, aber immer mehr Kunden kommen mit einem von einer KI erstellten Reiseplan zu uns, um diesen von uns überprüfen zu lassen.

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Was stellen Sie fest?

Oftmals sind diese von der künstlichen Intelligenz erstellten Reisepläne nicht bis ins Detail durchdacht und die Preise völlig unrealistisch.

Dann braucht es das klassische Reisebüro in Zukunft noch?

Auf jeden Fall braucht es noch die persönliche Beratung in den Filialen.

Das müssen Sie ja jetzt sagen.

Ich bin davon wirklich fest überzeugt. Sehr viele Kunden wissen den persönlichen Kontakt und das vertrauensvolle Verhältnis zu ihren Ansprechpartnern in den Filialen sehr zu schätzen. Und ich verspreche: Wir werden weiter für sie da sein.

Stephanie Schulze zur Wiesch ist seit 2023 CEO von Dertour Schweiz.
Foto: Sven Schumann

Wenn Kunden Sie nach den Trenddestinationen für 2027 fragen, was empfehlen Sie?

Momentan laufen die Malediven sehr gut. Es ist bereits eine unserer Top-Destinationen und wächst dennoch im zweistelligen Bereich weiter. Ebenfalls extrem beliebt ist Kittilä im finnischen Lappland. Überraschend: Momentan gehen auch die Buchungen zum Kilimandscharo durch die Decke.

Was ist mit Portugal, das Ihr Unternehmen breit bewirbt?

Portugal ist eines der vielfältigsten Länder, die wir in Europa haben. Das Land vereint alles, was eine Feriendestination braucht. Neben den klassischen Strandferien warten hier unzählige Aktivitäten, wie zum Beispiel Wandern, Wassersport oder Golf. Aber auch Kultur und Kulinarik kommen nicht zu kurz. Und trotzdem gehört Portugal noch nicht zu den Topdestinationen bei den Schweizerinnen und Schweizern. Das wollen wir ändern und ihnen das Land näherbringen.

Wie sieht es mit den Preisen fürs nächste Jahr aus?

Generell ist das Reisen in den letzten Jahren aus unterschiedlichen Gründen teurer geworden. Dazu gehören höhere Kerosinpreise. Aber auch die Hotels sind weniger bereit, die steigenden Kosten selbst zu tragen, und geben diese deshalb an ihre Gäste weiter. Dieser Trend wird auch im kommenden Jahr anhalten.

Können Sie noch einen Geheimtipp für unvergessliche Ferien geben?

Es gibt zwei Orte, an die ich immer wieder zurückkehren kann: Zum einen ist es Botswana mit seiner unglaublichen Natur. Hier bestimmen die Tiere das Leben, der Mensch muss sich unterordnen. Zum anderen ist es Myanmar, das für mich einen sehr mystischen und bodenständigen Charakter hat. Sie sehen vielleicht: Ich brauche kein Halligalli, sondern Ruhe (lacht).

Der Artikel entstand im Rahmen einer Pressereise auf Einladung von Dertour Schweiz.

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