Darum gehts
- Richtsätze für eine zehnjährige Festhypothek lagen per Ende September bei 2,07 Prozent, 0,3 Prozentpunkte mehr als Ende Juni
- Die Festhypothekarzinsen steigen aufgrund des international höheren Zinsniveaus und prognostizierter Zinserhöhungen durch die SNB
- Im dritten Quartal sind auch die Immobilienpreise weiter gestiegen, Einfamilienhäuser kosten 2,0 Prozent mehr
Schlechte Nachrichten für Eigenheimbesitzer: Die Kosten für die Finanzierung der Eigentumswohnung oder des eigenen Hauses sind in letzter Zeit deutlich gestiegen, wie der Vergleichsdienst Comparis im Hypothekenbarometer für das dritte Quartal festhält. Er hat dafür die öffentlich publizierten Referenzzinsen – die sogenannten Richtsätze – von über 30 Kreditinstituten analysiert.
Konkret: Die Richtsätze für eine zehnjährige Festhypothek lagen per Ende September bei 2,07 Prozent – und durchbrachen damit erstmals in diesem Jahr die 2-Prozent-Marke. Ende Juni waren es noch 1,77 Prozent, also 0,3 Prozentpunkte weniger. Fünfjährige Festhypotheken kletterten in den letzten drei Monaten um 0,38 Prozentpunkte auf 1,90 Prozent. Und Festhypotheken mit einer dreijährigen Laufzeit notierten mit 1,75 Prozent rund 0,43 Prozentpunkte höher als am Schluss des zweiten Quartals.
Höheres Zinsniveau verteuert Festhypotheken
Dabei gelten hierzulande seit längerem Nullzinsen. Die Schweizerische Nationalbank beliess den Leitzins auch beim letzten Entscheid im September bei 0 Prozent. Zwar ist die Inflation im vergangenen Monat auf 1,0 Prozent gestiegen, liegt aber weiterhin auf vergleichsweise tiefem Niveau. Zudem haben sich die Aussichten für die Schweizer Wirtschaft deutlich aufgehellt. Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) erhöhte zuletzt seine Prognose für das sportbereinigte BIP-Wachstum 2026 von 0,9 auf 1,7 Prozent.
Warum also klettern die Zinsen für Festhypotheken trotzdem? Erstens rechnen Finanzanalysten stärker damit, dass das Nullzinsregime der SNB bald mal endet. «Der stärkere Konjunkturausblick, der schwächere Franken und höhere Energiepreise haben die Wahrscheinlichkeit einer geldpolitischen Straffung allerdings erhöht», so Comparis-Finanzexperte Dirk Renkert. Und zweitens ist international das Zinsniveau gestiegen. So haben etwa die Europäische Zentralbank und die US-Notenbank Fed ihre Leitzinsen erhöht. Gleichzeitig haben steigende Staatsschulden auch die Zinsen für langfristige Staatsanleihen nach oben getrieben.
Entsprechend sind auch die für eine Hypothekenfinanzierung relevanten Swap-Sätze in den letzten drei Monaten deutlich geklettert. Swap-Sätze zeigen, zu welchen Konditionen sich Finanzinstitute gegen Zinsänderungen absichern. Um ihre Margen zu verteidigen, haben die Banken und andere Kreditgeber deshalb die Zinsen für Festhypotheken erhöht. Als Reaktion setzen Immobilienbesitzer etwas stärker auf Saron-Hypotheken. Noch immer aber setzen drei Viertel aller Eigenheimbesitzer auf eine feste Hypothek mit einer Laufzeit von mindestens vier Jahren. Für diese Gruppe gibt es etwas Entwarnung: Die Festhypotheken dürften laut den Branchenkennern keine grossen Sprünge nach oben mehr machen. «Bis Ende Jahr bleiben sie wahrscheinlich auf ähnlichem bis leicht steigendem Niveau», sagte Noëmi Capelli (38), Ökonomin der Berner Kantonalbank, kürzlich zu Blick.
Trotz höherer Hypothekarzinsen steigen auch die Preise weiter
Für jene, die sich ihren Traum vom Eigenheim noch verwirklichen wollen, gibt es eine zusätzliche schlechte Botschaft. Denn nicht nur die Kosten für die Finanzierung sind im dritten Quartal gestiegen. Auch die Immobilienpreise setzen ihren langjährigen Trend nach oben fort.
Einfamilienhäuser in der Schweiz haben sich von Juli bis Ende September laut einer neuen Raiffeisen-Erhebung um 2 Prozent verteuert. Auch Stockwerkeigentum kostet nun 1,7 Prozent mehr. Die gestiegenen Zinsen für Festhypotheken haben diese Entwicklung also nicht stoppen können. «Der moderate Zinsanstieg genügt nicht, um die hohe Preisdynamik am Eigenheimmarkt umzukehren; dafür ist und bleibt das Angebot zu knapp», erklärt Fredy Hasenmaile, Chefökonom von Raiffeisen Schweiz.