Darum gehts
- Trump fordert 120 Millionen Barrel Diesel von EU-Reserven
- USA drohen mit Exportstopp nach Europa, falls Forderung abgelehnt wird
- Midterm-Wahlen sind bei Trump im Hinterkopf
Donald Trump (80) ist heiss auf Europas Diesel. Die US-Regierung versucht offenbar, die EU zu zwingen, 120 Millionen Fässer aus ihren strategischen Dieselreserven auf den Markt zu bringen. Dies berichtet der «Spiegel» unter Berufung auf Insider aus der deutschen Bundesregierung und der EU-Kommission. Sollte Europa der Forderung des US-Präsidenten nicht nachkommen, will Washington den Diesel-Hahn zudrehen – und die Exporte nach Europa stoppen. Gemäss der Nachrichtenagentur Reuters richtet sich die Drohung explizit an Deutschland und Frankreich, die Länder, die am meisten Diesel aus den strategischen Notfallreserven vorhalten.
In Brüssel sind die Worte angekommen. «Mit Besorgnis» nehme man sie zur Kenntnis, heisst es aus der Behörde von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (67). 120 Millionen Barrel Diesel wäre eine riesige Menge. Zum Vergleich: Die Schweiz lagert insgesamt nur rund 14 Millionen Barrel Dieselöl und Benzin zusammen. Unser Land wäre von Trumps Drohung allerdings nicht betroffen: Die Schweiz verfügt über eigene nationale Notfallreserven und ist nicht verpflichtet, sich an Freigaben aus den strategischen Dieselreserven der EU zu beteiligen.
Wahlen im Kopf
Hinter der Aktion stecken die baldigen Zwischenwahlen, die sogenannten Midterms, die in den USA Anfang November stattfinden. Je näher sie rücken, desto panischer zieht der US-Präsident jegliche Register, um eine derbe Niederlage abzuwenden. Mit der jüngsten Drohung will er die Preise an den amerikanischen Zapfsäulen senken – und so bei der Bevölkerung punkten. Die US-Spritpreise sind – wie auch in der Schweiz – wegen des Irankriegs und der Sperrung der Strasse von Hormus nach oben geschossen.
Für Europa hätte ein Exportstopp heftige Folgen. Der Preis würde sich weiter erhöhen. Ob Trump die Drohung tatsächlich umsetzen würde, ist umstritten. Noch vor wenigen Tagen hatte das Weisse Haus einen möglichen Exportstopp von Diesel dementiert. Man wolle eine Energiemacht bleiben, erklärte der US-Energieminister. Schlussendlich wird Trump aber wohl sowieso allein entscheiden. Er ist bekanntlich bereit, wirtschaftliche Risiken einzugehen, um seinen harten Kurs zu unterstreichen.