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«Es gibt mehr Behandlungen pro Patient»:Baume-Schneider nennt Gründe für den Prämienanstieg

5 Prozent mehr für Krankenkassenprämien
Bundesrätin Baume-Schneider erklärt den Kosten-Hammer

Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider verkündet den Prämienanstieg für das nächste Jahr: Im Schnitt steigen die Krankenkassenprämien um 5 Prozent. Für den Anstieg verantwortlich sind gemäss der Gesundheitsministerin die besseren Leistungen und unnötige Arztbesuche.
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Bald verkündet Elisabeth Baume-Schneider (62, SP) den nächsten Prämien-Hammer.
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

  • Gesundheitsministerin verkündet Prämienanstieg 2027 um 5 Prozent
  • Dies entspricht einer durchschnittlichen monatlichen Prämie von 412 Franken
  • Haupttreiber: unnötige Arztbesuche, Alterung, Inflation, teure medizinische Fortschritte
Simone Steiner
Simone SteinerBundeshausredaktorin

Es ist ein happiger Sprung: Die Krankenkassenprämien steigen um 5 Prozent! Das verkündete Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider (62, SP) am Dienstag in Bern. Für die Prämienzahlenden heisst das, dass sie im kommenden Jahr durchschnittlich 412 Franken zahlen müssen. «Das ist sehr viel Geld», gestand die Gesundheitsministerin ein.

Die Krankenkassenprämien sind in den letzten 30 Jahren kontinuierlich angestiegen. Im letzten Jahr nahmen sie durchschnittlich um 4,4 Prozent zu. Für den Mittelstand wird dies zunehmend zur Belastung.

Kostentreiber im Gesundheitswesen

Grund für den Prämien-Hammer sind verschiedene Entwicklungen im Gesundheitswesen. So geht die Bevölkerung etwa immer häufiger zum Arzt. Dabei werden den Patientinnen und Patienten mitunter Leistungen verschrieben, die eigentlich gar nicht nötig wären. Ausserdem ist die Alterung der Gesellschaft ein wichtiger Kostentreiber. Das Problem wird sich in den kommenden Jahren weiter verschärfen.

Auch der medizinische Fortschritt spielt eine Rolle. «Mit den neuen Behandlungsmethoden können wir Leben retten», betonte Baume-Schneider. Das sei jedoch oft auch teurer. Zudem profitiert die Bevölkerung von einer Ausweitung des Leistungskatalogs – etwa im Bereich Psychotherapie. Das führe ebenfalls zu Mehrkosten, so die Bundesrätin. Dabei gebe es auch Fehlanreize, etwa bei den pflegenden Angehörigen, wo private Firmen das System missbrauchten.

Zu reden gab auch, dass Ärzte und Apotheken ihre Rabatte auf Medikamente nicht weitergeben. Das zeigte jüngst ein Bericht der Eidgenössischen Finanzkontrolle. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) beteuerte, dass es sich der Sache annehme. Man habe die betroffenen Akteure ermahnt und verschiedene Verfahren eröffnet.

Genau hinschauen will das BAG auch bei der Anwendung des Tarifsystems im ambulanten Bereich. «Es gibt Hinweise, dass gewisse Ärzte ihre Abrechnungen optimieren», so Baume-Schneider. Sie würden ihre Patienten zweimal aufbieten, um doppelt abrechnen zu können, obwohl dies medizinisch nicht notwendig wäre. Solche Fehlentwicklungen wolle man rasch beheben.

Reformen zur Kostendämpfung

Dann verwies Baume-Schneider auf drei Pfeiler, die die Kosten künftig dämpfen sollen. Dazu gehört die Verlagerung von stationären Behandlungen in den ambulanten Bereich (Efas). Damit beteiligen sich die Kantone stärker an den Kosten der ambulanten Behandlungen. Der Effekt soll im Jahr 2028 spürbar sein.

Weiter verwies die Gesundheitsministerin auf den Gegenentwurf zur Prämienentlastungs-Initiative. Dadurch steigt der kantonale Beitrag für die Prämienverbilligung ab 2028 im Gleichschritt mit den Kosten im Kanton. Zudem müssen die Kantone bis Ende 2029 festlegen, welchen Anteil die Prämien am verfügbaren Einkommen maximal ausmachen dürfen.

Zuletzt sollen die Kostenziele aus dem Gegenvorschlag zur Kostenbremse-Initiative dämpfend wirken. Der Bundesrat legt mit den Akteuren des Gesundheitswesens Ende Jahr erstmals fest, wie hoch die Kosten für die Zeit von 2028 bis 2031 höchstens steigen dürfen.

Politik will handeln

Die Reaktionen aus der Politik auf den Prämienschock kamen umgehend. «Der Anstieg nimmt kein Ende!», sagte Mattea Meyer (38), Co-Präsidentin der SP. Die SP habe deswegen eine neue Initiative lanciert. Diese sieht vor, dass zwei Monatsprämien für alle Erwachsenen pro Jahr kostenlos werden. Zusätzlich werden für Kinder sechs Monatsprämien übernommen. Davon profitieren sollen 90 Prozent der Bevölkerung.

Auch die Grünen verwiesen darauf, dass sich die Prämien in den letzten 30 Jahren fast verdoppelt haben. «Das muss aufhören», sagte Nationalrätin Manuela Weichelt (59). Sie plädierte für einen grundlegenden Systemwandel, der auf einkommensabhängigen Prämien beruht. Die Grünen setzen sich mit einer parlamentarischen Initiative dafür ein, die in Kürze im Nationalrat behandelt wird.

Die Mitte lanciert einen Fünf-Punkte-Plan für bezahlbare Krankenkassenprämien. «Wir müssen endlich bei den Ursachen ansetzen», sagte Parteipräsident Philipp Matthias Bregy (48). Er will darum bei den Medikamenten-Rabatten, der Grundversorgung, «Qualität statt Menge» bei den Leistungen, dem elektronischen Gesundheitsdossier sowie der Prävention ansetzen.

Von der FDP bekam der Mitte-Chef einen Rüffel. Die Prämien steigen ungebremst, weil die «Mitte» zentrale Reformen im Parlament blockiert habe, hiess es. Es sei peinlich, dass Bregy im Blick-Interview dieselbe Reform wie die FDP gefordert habe. Die Freisinnigen wollen ihre Motion «Qualität statt Menge» erneut einreichen und hoffen diesmal auf die Unterstützung der Mitte.

Die SVP verschickte kein Communiqué.

Die Medienkonferenz mit Baume-Schneider kannst du hier nachlesen:

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