Darum gehts
- Sommerhitze führt zu historisch schlechter Kartoffelernte mit nur 333'000 Tonnen
- Schweiz kann Nachfrage nur zu 70-75 Prozent decken, Import nötig
- Pro Hektar Ertrag: 29,4 Tonnen, tiefster Wert seit 1965
Die vielen heissen Tage im Sommer ohne Regen setzen der Schweizer Landwirtschaft so richtig zu! Zeitweise glichen die hiesigen Felder jenen in beliebten Ferienländern wie Italien und Spanien. Jetzt zeigt sich: Die Auswirkungen des Hitzesommers auf die Härdopfel-Produktion sind riesig. In der Schweiz wurden seit Beginn der Aufzeichnungen noch nie weniger Kartoffeln geerntet als in diesem Jahr. Die Gesamternte beträgt 333'000 Tonnen – 20 Prozent weniger als in den vorherigen sechs Jahren, wie die Branchenorganisation Swisspatat am Donnerstag mitteilt.
Wegen der langen Trockenphasen und der hohen Temperaturen konnten die Härdopfel-Bauern nur wenig aus ihren Feldern rausholen. Pro Hektar sprangen bloss 29,4 Tonnen Kartoffeln raus. Weniger Ertrag pro Hektar gab es zuletzt 1965, also vor über 60 Jahren. Und viele Härdöpfel sind in diesem Jahr deutlich kleiner. Ein Lichtblick: «Die Qualität aber ist gut», teilt Swisspatat mit.
Schweiz fehlen 130'000 Tonnen Härdöpfel
Der Schweiz fehlt nun eine grosse Menge an Kartoffeln. Der Branchenverband beziffert die Fehlmenge auf rund 130'000 Tonnen. Das bedeutet: Die Schweiz kann ihre eigene Nachfrage nach Härdöpfeln bloss zu 70 bis 75 Prozent selbst abdecken. Den Rest müssen Supermärkte und Chips-Hersteller wie Zweifel aus dem Ausland importieren.
Bei Swisspatat rechnet man darum damit, dass sich die rekordtiefe Gesamternte in den Regalen und bei den Preisen bemerkbar macht: «Die Kartoffeln können teurer werden und häufiger aus dem Ausland stammen.» Eine grosse Kartoffelkrise mit Härdöpfel-Mangel in Detailhandel und Industrie drohe aber nicht.
Supermärkte schweigen zu Preissteigerungen
Bislang sind die Kartoffeln im Supermarkt noch nicht teurer geworden. Die Preise liegen auf dem gleichen Niveau wie 2025. Aber zahlen wir schon bald mehr für die Härdöpfel?
Die Detailhändler wollen sich nicht in die Karten schauen lassen – auch weil sie sich einen harten Preiskampf liefern. Auf Anfrage von Blick teilen die beiden Discounter Aldi und Lidl mit, man wolle die künftigen Preisgestaltungen nicht kommentieren respektive nicht darüber spekulieren. Und vonseiten der Migros heisst es, eine Beurteilung sei derzeit noch verfrüht, weil die Haupternte erst begonnen hat. Einzig Coop wird konkret: «Eine Anpassung der Verkaufspreise ist aktuell nicht vorgesehen.»
Weil es dieses Jahr viele kleine Kartoffeln gibt, sind die Detailhändler nicht mehr so wählerisch. So hat die Branche gemeinsam beschlossen, die sogenannte Kalibergrenze zu senken. Heisst: Die Supermärkte akzeptieren kleinere Härdöpfel als sonst.
Zweifel muss oft Kartoffeln aus dem Ausland zukaufen
Die rekordmiese Ernte ist auch für den Schweizer Chips-Hersteller Zweifel ein Problem. Der Traditionsbetrieb will seine Chips nämlich möglichst aus Schweizer Härdopfel herstellen. «Herkunft und Regionalität unserer Rohstoffe sind für uns seit jeher von grosser Bedeutung», betont das Unternehmen mit Sitz in Spreitenbach AG auf seiner Website.
Nur: In diesem Jahr kann Zweifel diesem Anspruch wohl nicht vollends gerecht werden. «Wann immer möglich verarbeiten wir Schweizer Kartoffeln. Im langjährigen Schnitt liegt der Anteil an Schweizer Kartoffeln durchschnittlich bei rund 90 Prozent, in den letzten zwei Jahren sogar bei 100 Prozent. Aufgrund der aussergewöhnlich tiefen Ernte rechnen wir für die aktuelle Saison mit einem tieferen Schweizer Anteil», sagt eine Zweifel-Sprecherin gegenüber Blick. Bislang habe man 1,3 Prozent der gesamten Kartoffelanlieferungen importiert.
Ob und in welchem Umfang der Chips-Hersteller in diesem Jahr nochmals Härdöpfel aus dem Ausland zukaufen muss, ist aktuell noch offen. «Dies hängt unter anderem von der finalen Erntesituation in der Schweiz sowie von der Qualität der verfügbaren Sorten ab», teilt Zweifel weiter mit. Höhere Preise seien wegen möglicher Importe aktuell nicht vorgesehen. «Wir wälzen kurzfristige Schwankungen bei der Kartoffelernte in der Regel nicht auf die Konsumentinnen und Konsumenten ab.»