Daniel Da Riva – Ü60, arbeitslos und wenige Tage vor der Aussteuerung
«Ich überlebe dank des Verkaufs meiner persönlichen Sachen»

Daniel Da Riva kämpft um seine Existenz. Der Edelsteinfasser ist seit drei Jahren arbeitslos und lebt von 1800 Franken im Monat. Nun droht ihm die Aussteuerung – und vielleicht die Auswanderung nach Italien.
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Eigentlich eine gesuchte Fachkraft: Edelsteinfasser Daniel Da Riva, der ...
Foto: Raphaël Dupain

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Foto: Ringier Medien Schweiz, 26.02.24 Mitarbeiterportrait. Christian  Kolbe, Journalist , Blick.
Christian KolbeRedaktor Wirtschaft

Seit einigen Wochen schreibt Daniel Da Riva (60) an einem Roman. Es geht um die Zukunft der Menschheit. Seine eigene Zukunft sieht alles andere als rosig aus: Der Edelsteinfasser ist seit drei Jahren arbeitslos. Sein letzter Arbeitgeber, das Schmuckunternehmen Furrer Jacot in Schaffhausen, musste Konkurs anmelden. Seither sucht er einen Job.

«Ich habe Hunderte Bewerbungen geschrieben – und immer nur Absagen bekommen», sagt der Schweizer mit italienischen Wurzeln. Ende des Monats wird er ausgesteuert: «Wenn kein Wunder geschieht, kann ich mir das Leben in der Schweiz bald nicht mehr leisten.»

Bei den vielen Bewerbungen gab es immer die gleichen Ergebnisse: entweder keine Antwort oder «das Alter als Absagegrund». Dabei standen gar nicht die Kosten für die Pensionskasse im Vordergrund, sondern ein spezifisches Branchenproblem.

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Eigentlich eine gesuchte Fachkraft: Edelsteinfasser Daniel Da Riva, der ...
Foto: Raphaël Dupain

Jüngere bleiben länger

Edelsteinfasser sind begehrte Fachkräfte, allerdings sind Stellen in der Schweiz rar. Und werden selten frei, weil die Spezialisten jahrzehntelang beim gleichen Juwelier oder Goldschmied bleiben. Die Fluktuation ist sehr gering.

«Bis du an einer neuen Stelle eingearbeitet bist, kann es ein halbes bis ein ganzes Jahr dauern», weiss Da Riva aus eigener Erfahrung. «Diese Zeit wollte keiner mehr in einen fast 60-Jährigen investieren. So oft musste ich hören, dass jüngere Bewerber bevorzugt werden, die zwanzig Jahre in der Firma bleiben.» Er wäre auch offen für Neues gewesen, hat sich auch als Graveur oder bei Produzenten von Präzisionswerkzeugen beworben – alles ohne Erfolg.

Juwelenfasser Daniel Da Riva
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Daniel Da Riva über seinen Beruf:«Ein Juwelenfasser macht das Schmuckstück schön»

Als Edelsteinfasser hat Da Riva gut verdient, hatte nie Schwierigkeiten, seine Familie zu ernähren. Doch nun reicht die Arbeitslosenunterstützung oft nicht einmal bis Ende des Monats. Zum Verhängnis wurde Da Riva, dass er einen Zwischenverdienst angenommen hat – auch um seinen Willen, möglichst rasch wieder zu arbeiten, zu unterstreichen. Das Problem: Nach diesem Einkommen wird nun das Arbeitslosengeld berechnet – und nicht mehr nach dem höheren Verdienst an seiner langfristigen Stelle. «Ich lebe heute von 1800 Franken im Monat», sagt der dreifache Vater.

Auswandern als letzte Lösung

Über Wasser hält ihn vor allem seine Familie. Die erwachsenen Kinder oder die Eltern greifen ihm ab und zu finanziell unter die Arme. Zusätzlich verkauft er persönliche Gegenstände. «Ich überlebe dank des Verkaufs meiner persönlichen Sachen», sagt Da Riva. «Zum Glück sind wir Italiener. In der Familie hilft man sich.»

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Als Ausgesteuerter in seinem Alter hätte Da Riva Anspruch auf Überbrückungsleistungen – auch weil er über kein Vermögen verfügt. Doch ob diese für das Leben in der teuren Schweiz reichen, daran zweifelt er. «Ich stecke in einer Zwickmühle. Ich überlege immer wieder, ob ich mir die Pensionskasse auszahlen lassen und nach Italien auswandern soll.»

Dort lebt bereits seine Frau. Allerdings nicht freiwillig, sondern aus finanziellem Zwang: «Ich konnte mir ihre Arztkosten und Krankenkassenprämien in der Schweiz nicht mehr leisten», sagt Da Riva.

Vor zwei Jahrzehnten stand Da Riva schon einmal an dem Punkt, wo das Geld fürs Leben nicht mehr reichte. Nach der Lehre in Zürich arbeitete er lange für eine renommierte Schmuckmanufaktur in Spoleto in der italienischen Provinz Perugia. «Doch mit der Einführung des Euro verdoppelten sich die Preise, und der Lohn reichte nicht mehr für das Leben mit einer grossen Familie.» Also ging es zurück in die Schweiz nach Luzern und später nach Schaffhausen – wo Da Riva nun beruflich gestrandet ist.

Hofft auf ein Angebot

Hier hat er sich einen Arbeitsplatz in einem Schmuckatelier in der Altstadt ergattert. Die Miete bezahlt er von Gelegenheitsaufträgen, mehr liegt nicht drin. «Mir fehlen das Geld und die Kunden, um eine Existenz als Selbständiger aufbauen zu können», bedauert Da Riva. Mit seinen filigranen Händen hat er millionenschweren Luxus für andere geschaffen, doch er muss jetzt am Ende seiner Laufbahn jeden Rappen umdrehen.

Aufgeben will er trotzdem nicht. Den Roman schreibt er auch, um etwas Struktur im Alltag zu finden. Er versucht sich mithilfe von KI als App-Entwickler. Und hofft auf einen Anruf aus der Schmuckbranche. «Ich würde meine Fähigkeiten gerne anbieten», sagt Da Riva. «Der Arbeitsplatz ist da. Ich brauche nur eine Chance.»

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