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Blick-Reporter in Braunwald:«Es kommt zur grossen Kropfleerete»

Streit um Skibetrieb-Ende – Einheimische sind sauer
Showdown an der Generalversammlung in Braunwald GL

In Braunwald GL spitzt sich der Streit um das Ende des Skibetriebs zu. Aktionäre fordern an der Generalversammlung am Mittwochnachmittag Antworten. Mit einem offenen Brief mit über 5500 Unterschriften wächst der Widerstand gegen den Entscheid des Verwaltungsrats.
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Am Mittwoch tagt die Generalversammlung der Sportbahnen Braunwald.
Foto: Philippe Rossier

Darum gehts

  • Braunwalds Skibetrieb durch Aktionäre infrage gestellt, hitzige Generalversammlung
  • Unterschriftensammlung mit fast 5500 Unterstützenden zeigt breite Unzufriedenheit
  • Verwaltungsratspräsident bliebt im Sattel trotz Kritik
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Pascal ScheiberReporter Gesellschaft

Was ist in Braunwald passiert? Über dreieinhalb Stunden diskutierten die Aktionäre der Sportbahnen Braunwald AG über die Vergangenheit und Zukunft des Glarner Skigebiets. Was bleibt? Neben Kritik vorerst nichts. Was Verwaltungsratspräsident Richi Bolt (57) als «respektvolle, anständige Versammlung» eröffnet hatte, entwickelte sich schnell zu einer schonungslosen Abrechnung vieler Aktionärinnen und Aktionäre mit dem Bahnen-Boss.

Rund 200 Personen waren ins Bergrestaurant Chämistube gekommen – so viele wie noch nie. Der Grund für den Grossaufmarsch war das im Juni beschlossene Ende des Skibetriebs. Im Dorf und unter den Aktionären regte sich dagegen breiter Widerstand.

Keine Einigkeit

Schon früh zeigte sich der Graben an dieser GV. Ein Glarner bezeichnete den Geschäftsbericht als «Schönwetter-Bericht» und forderte eine Ablehnung. Der Machtkampf verdeutlichte sich exemplarisch: Die Mehrheit im Saal lehnte den Bericht ab. Wegen der Aktienmehrheit, die beim Verwaltungsrat liegt, wurde er trotzdem angenommen. «Wieso sind wir dann überhaupt hier?», fragte eine Frau.

So zog es sich durch die GV. Die anwesenden Aktionärinnen lehnten alle Geschäfte ab, doch die Aktienmehrheit winkte sie durch. Jedes Traktandum bedachten die Aktionäre mit Kritik und Fragen. Viele dieser Fragen konnte oder wollte Verwaltungsratspräsident Bolt nicht beantworten.

Auch beim Ski-Aus verlangten die Aktionäre Antworten. Bolt erklärte, der Verwaltungsrat habe den Entscheid einstimmig und in eigener Kompetenz getroffen. «Wieso habt ihr keine Strategie?», fragte Aktionär John Trümpy. Eine Antwort bekam er nicht. Bolt schwärmte vom schönen Panorama, dem vorhandenen Potenzial und der Zuversicht auf Erfolg – mit nachhaltigem und ruhigerem Tourismus.

Viele Anwesende bezweifelten das. «Das Potenzial zum Skifahren ist vorhanden», sagte ein Aktionär. Die finanzielle Lage verschärfte die Diskussion. Geschäftsführer Ivo Maissen präsentierte einen Verlust von 1,6 Millionen Franken. Der Verwaltungsrat wolle das Unternehmen nun «stabilisieren». Ohne Skipisten könne man die Kosten deutlich reduzieren.

Bahn geht nicht mehr in Betrieb

Dann liess er die Bombe platzen: Maissen kündigte an, dass eine Gondelbahn nach dem Sommer nicht mehr in Betrieb genommen wird. Die Reaktion war lautstark. «Wir brauchen diese Bahn, sonst ist Braunwald tot!», rief eine Frau. Bolt entgegnete: «Wir können nicht alle transportieren.» Spätestens in diesem Moment kippte die Stimmung endgültig.

In Zukunft will man ohne diese Bahn Gäste auf den Berg bringen. Die Grotzenbüel-Bahn und ein Sessellift sollen bestehen bleiben. Geplant sind zudem eine neue Schlittelpiste, eine Snow-Tube-Anlage, neue Wege für Schneeschuhläufer und Winterwanderer sowie ein Startplatz für Gleitschirmflieger. Bolt sagte: «Wir sehen viel Potenzial im Schlitteln.» Im Saal wurde gelacht.

Dann zeigte sich aber: Die Verantwortlichen wissen selbst noch nicht, ob und wie sie diese Projekte umsetzen können – knapp vier Monate vor der Wintersaison. Den langjährigen Gästen und Aktionären riss der Geduldsfaden. «Nach vier Jahren steht der VR noch immer auf dem Parkplatz – nicht oben am Berg», meldet einer im Saal. «Die seriöse, geradlinige Strategie fehlt!»

Bolts Antwort auf die Frage, ob Skifahren trotz fehlender Pisten in Braunwald erlaubt sei, soll das beweisen. «Wer mit den Ski hochgeht, den lassen wir auch Ski fahren – auf eigenes Risiko», sagte er. Dann könnte man auch gleich ein Mini-Angebot an Pisten anbieten, konterte jemand. Bolt blieb hart: «Die Skipisten werden nicht mehr präpariert.»

Dies wurde mit Kopfschütteln quittiert. «Das Vertrauen ist weg», sagte Erika Dürst (67) nach der GV zu Blick. «Bolt hat uns so viel versprochen, nie ist etwas Richtiges gekommen und jetzt fehlt das Geld.»

Was bringt die Zukunft?

An der Zukunft schmiedet eine Gruppe um Andreas Stehrenberger. Er ist Präsident des Vereins für auswärtige Liegenschaftsbesitzer in Braunwald. «Wir arbeiten an einem Businessplan. Damit wollen wir mittelfristig den Schneebetrieb aufrechterhalten.» Die Zukunft mit Richi Bolt sieht Stehrenberger kritisch. «Wir streben nach einem Neuanfang mit einem neuen Verwaltungsrat», sagt er zu Blick. Die Finanzierung sieht er optimistisch.

Die GV zeigte: Der Widerstand in Braunwald gegen Bolt und den Verwaltungsrat ist sichtbar und laut. Trotzdem behielt Bolt die Kontrolle. Vorerst bleibt alles beim Alten. Die Frage ist nur: Wie lange noch?

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