Mittlerweile sind es 600 000 Flaschen. Eines einzigen Weins. Eine unglaubliche Zahl! 600 000 von total 1,5 Millionen Flaschen eines Grossbetriebs. Und dann noch ein Weisswein, der nicht ganz billig ist. Er kostet bei uns um die 25 Franken. „Der Blangé hat uns den Ausbau unserer Produktion erlaubt“, sagt Ceretto-Exportmanager Gianluca Picca. „Neben Italien ist der Blangé speziell bei Euch ein Schlager.“
Blangé sei derart bekannt geworden, das die Leute oft einen Blangé im Restaurant bestellten statt eines Arneis. Picca: „Blangé ist zum Synonym für Arneis geworden.“
Das beste Restaurant des Piemonts
Auch dank dieses Weissweins konnte das Imperium der Brüder Bruno und Marcello Ceretto in den letzten Jahren ungemein wachsen. Sie, die im Ausland nur die Barolo Brothers genannt werden, machten die von Papa Riccardo angelegten Weinberge bekannt – und sie bauten aus! Waren es zuerst nur die Weine wie die diversen Baroli oder die Assemblage Monsordo, die internationale Anerkennung erhielten, so ist Ceretto mittlerweile als Importeur vieler Weltmarken tätig, produziert eigenen Grappa und Torrone und ist seit 2005 auch in der Gastronomie tätig.
Die Cerettos führen das höchstdotierte Restaurant des ganzen Piemonts: Das Piazza Duomo in Alba. Drei Michelin-Sterne stehen für das Edellokal zu Buche. Mehr geht nicht. Sofort nach der Eröffnung konnte Starkoch Enrico Crippa den ersten Stern verkünden. 2009 kam der zweite hinzu. Und weniger als rekordverdächtige drei weitere Jahre später der dritte. Kleiner Tipp: Wem das Duomo zu teuer ist: Im Erdgeschoss führen die Cerettos das Ristorante La Piola, das auch exzellent, aber wesentlich preisgünstiger ist. Eine ausführliche Vorstellung des Piazza Duomo und zwei weitere Osteria-Tipps aus dem Piemont finden Sie hier.
Auge, Würfel und eine bunte Kapelle
Noch etwas macht die Kellerei speziell: Die Architektur. Am Hauptsitz, dem Landsitz Monsordo Bernardina in der Nähe von Alba, lugt eine Weintraube ins Langhe-Gebiet. Das Auge aufs Barolo-Gebiet. Ich kann Ihnen versichern: Ein Gefühl der Erhabenheit durchflutet einen beim Degustieren der Ceretto-Weine im Innern dieses faszinierenden Objektes.
Doch das ist nicht alles. Noch bekannter ist der Würfel in Bricco Rocche, der zur Jahrtausendwende erstellt wurde. Glas pur, ohne Rahmen, welche die 360-Grad-Rundumsicht versperren könnte. Bricco Rocche ist das geographische Zentrum des Barolo-Gebiets. Der Würfel ist Mahnmal dafür, diese einzigartige Region unversehrt zu lassen. Es ist verdammt heiss in dem Ding, wenn die Sonne brennt. Ein Würfel, ja, aber auch eine Lupe, um Menschen darin langsam zu braten…
Dritte architektonische Besonderheit: Die Kapelle Madonna delle Grazie im Weinberg Brunate, den die Cerettos beim Kauf der Lage im Jahr 1976 mit übernommen haben. Sie blieb ungenutzt und verfiel immer mehr. Bis die Familie Ceretto den englischen Künstler David Tremlett 1997 beauftragte, dem nie geweihten Häuschen neues Leben einzuhauchen. Das tat er mit seinem US-Kumpel Sol LeWitt derart eindrücklich farbenfroh, dass die Kapelle heute für sich alleine schon eine Touristenattraktion ist.
Ein bisschen CO2, ein bisschen Restzucker
Zurück zum Wein. Zum Blangé, dessen Name von Boulanger abgeleitet ist, französisch für Bäcker. Was macht diesen Wein neben der Designeretikette derart populär? Es gibt schon gewisse Dinge, welche Ceretto-Önologe Eduardo Rubis anders macht als seine Kollegen. So zum Beispiel eine kurze Maischegärung, die sogenannte Cryo-Mazeration, welche den Wein geschmacklich und farblich belebt. Nach der Gärung wird ein bisschen CO2 im Wein belassen. Und der Wein hat rund 5 Gramm Restzucker. „Es macht ihn aber vor allem runder, die Süsse steht im Hintergrund“, sagt Picca, wohl wissend, dass das Wort „Restzucker“ heutzutage auf dem Index der verpönten Worte von teuflischen Winzern steht. Tatsächlich war der Blangé auch schon zu süss. Das haben die Cerettos unterdessen korrigiert. Heute ist er pures Trinkvergnügen.