«Der Gottesdienst findet derzeit in der leeren Kirche unseres Dorfes statt. Und doch erreiche ich mehr Menschen als sonst. Wir machen davon ein Video, das mein ältester Sohn schneidet und ins Netz stellt.
An einen normalen Gottesdienst kommen zwanzig, dreissig Personen; das Video hingegen schauen sich bis zu 150 an. Wobei wir den Gottesdienst derzeit als Familie feiern: Meine drei Söhne und mein Mann sind mit dabei und spielen zwischendurch auf ihren Instrumenten Kirchenlieder.
Die Menschen melden sich dieser Tage auch eher bei mir und erzählen, was sie aus dem Gottesdienst mitnehmen. Zum Beispiel, als ich ein Bild von Paul Klee in die Predigt einbaute. Es heisst «Gezeichneter» und zeigt einen Menschen mit all seinen Tiefen und all seinem Leid. Einige haben mir danach gesagt, dass sie mit der Predigt das Bild für sich selber entdeckt haben. So etwas zu hören, ist natürlich schön. Überhaupt vertieft sich der Kontakt zu den Menschen im Dorf.
Hat der Coiffeur geschlossen, kriegen wir etwas unordentliche Frisuren; bleibt das Restaurant zu, fällt das feine Essen mit Freunden ins Wasser. Für die Unternehmer ist diese Situation schlimm, zumindest kurzfristig aber überleben wir diese Einschränkungen. In anderen Branchen ist Dichtmachen dagegen keine Option: Würden die Ärztinnen, Bauern oder Güselfrauen ihre Arbeit einstellen, hätten wir alle ein ernsthaftes Problem. Hier erzählen einige von ihnen, wie sie die Corona-Krise erleben. Camilla Alabor
Hat der Coiffeur geschlossen, kriegen wir etwas unordentliche Frisuren; bleibt das Restaurant zu, fällt das feine Essen mit Freunden ins Wasser. Für die Unternehmer ist diese Situation schlimm, zumindest kurzfristig aber überleben wir diese Einschränkungen. In anderen Branchen ist Dichtmachen dagegen keine Option: Würden die Ärztinnen, Bauern oder Güselfrauen ihre Arbeit einstellen, hätten wir alle ein ernsthaftes Problem. Hier erzählen einige von ihnen, wie sie die Corona-Krise erleben. Camilla Alabor
Weil einige Ältere keinen Internetzugang haben, drucke ich den Text und die Bibelstellen aus, die ich im Gottesdienst verwende, und bringe sie ihnen vorbei – als Sonntagsproviant. Im Gepäck habe ich auch Bacheschnitte, eine Appenzeller Spezialität. Eine ältere Einwohnerin stellt das Fasnachtsgebäck zu Hause her und gibt es mir mit zum Verteilen, eine wunderbare Geste.
Die älteren Leute, die momentan teils sehr isoliert sind, freuen sich jeweils sehr über den Besuch. Ich bleibe natürlich draussen.
Aber einen Schwatz kann man ja auch mit etwas Abstand führen.»